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Im Idealfall bereichert die Musik das ganze Leben

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Die Pianistin Beatrice von Kutzschenbach macht Klavierschüler an der Musikschule Grassau mit Barockmusik vertraut.

Eine intensive Beschäftigung mit Alter Musik ist an einer Musikschule nicht unbedingt an der Tagesordnung. In Grassau jedoch bot sie sich an, verfügt doch die Musikschule über ein eigenes Cembalo. Es ist ein Geschenk der Wolfgang-Sawallisch-Stiftung. Dies nahm die Pianistin Beatrice von Kutzschenbach zum Anlass, Klavierschüler gezielt mit Barockmusik vertraut zu machen. Kompositionen aus dem 17. und 18. Jahrhundert für Cembalo stehen auf dem Programm.


Frau von Kutzschenbach, wie lässt sich kurz der Klavierunterricht an einer Musikschule beschreiben?

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Beatrice von Kutzschenbach: In vier Worten: handwerklich – individuell – kreativ – künstlerisch. Ausführlicher: Beim Klavierunterricht messe ich dem Handwerklichen als Grundlage eine große Bedeutung bei. Auf jeden Schüler, jede Schülerin möchte ich individuell eingehen, um herauszufinden, wo die jeweiligen Stärken liegen. Dabei helfen kreative Unterrichtsmethoden. Und der künstlerische Anteil beginnt dann, wenn »die Finger sortiert« sind, dann kann ich Musik intensiv kennenlernen, klassische Werke vertiefen, improvisieren (auch gemeinsam), eigene Stücke erfinden.

Was ist das Beste am Klavierunterricht in der Musikschule Grassau?

Alle Kolleginnen leisten qualitativ gute Arbeit. Schön ist auch der Austausch untereinander. Jede Klavierlehrerin hat ihre individuelle Arbeitsweise, so kann jeder Schüler eine Lehrkraft finden, die zu ihm passt. Das schätze ich an der Musikschule Grassau: Wir haben die Freiheit, vieles zu gestalten.

Haben sich Klavierstunden in den vergangenen 25 Jahren eigentlich verändert?

Wir haben mehr Schüler und weniger Zeit für sie. Die Möglichkeit, manchen Kindern über die Wolfgang-Sawallisch-Stiftung längeren Unterricht zu ermöglichen, ist ein Segen. Auch ist es wertvoll, dass es heute viel mehr Unterrichtsmaterial als früher gibt. Für mich bleibt die Klassik allerdings die entscheidende Grundlage für gutes Klavierspiel. Die Schüler üben im Allgemeinen weniger, da Hobbys und Medien viele Alternativen bieten und mehr Druck durch schulische Anforderungen da ist. Aber ich setze stark auf Motivation und versuche, die Schülerinnen und Schüler damit zu locken, dass sie die Möglichkeit haben, mit Musik groß zu werden. Oft bedeutet das, sie jahrelang in ihrer Entwicklung zu begleiten, und im Idealfall bereichert die Musik ihr ganzes Leben.

Wie schaffen Sie es, sich neben der Arbeit an der Musikschule künstlerisch auf dem Laufenden zu halten?

Es geht nicht ohne das ständige Studium neuer Literatur. Und: Selbst zu spielen ist mir eine Herzensangelegenheit. Natürlich stecken viel Mühe, Idealismus und unbezahlte Arbeitszeit dahinter, sich selbst künstlerisch »fit zu halten« durch Üben an Abenden und Wochenenden. Es ist ungefähr wie beim Berggehen: Wenn man gut trainiert ist, geht es leichter, man erlebt viel unterwegs – also in der Erarbeitungsphase – und freut sich, wenn man's geschafft hat und von oben runterschaut – also bei einem gelungenen Konzert, wenn die Musik »spürbar« war.

Pianisten sind gefragte Korrepetitoren, also Klavierbegleiter bei Wettbewerben, Schülerauftritten, Liederabenden. Welche Bedeutung hat diese Arbeit für Sie?

Ich habe immer gern begleitet und Kammermusik gemacht. Schüler zu begleiten – dazu zählen auch das Additum, die Abiturprüfung mit Schwerpunkt Musik, und Wettbewerbsteilnahmen – ist für deren weitere Entwicklung gut, da sie in ihrem Instrument unterstützt und gestärkt werden. Das Repertoire erweitert sich. Gemeinsame Auftritte mit Musikerkollegen schätze ich aber auch.

Was ist vom Jahr 2016 zu erwarten – künstlerisch, schulisch, persönlich?

Das Schuljahr ist mit vielen Klavierschülern im Einzelunterricht bereits gut gefüllt, außerdem bereite ich mit einigen Schülern meiner Klavierklasse ein Projekt »Cembalo im Zusammenspiel« vor – die Musikschule verfügt dank einer Schenkung der Wolfgang-Sawallisch-Stiftung über ein ausgezeichnetes Instrument, das schon im Konzert mit fortgeschrittenen Schülerinnen und Schülern in Grassau zur Geltung kam.

Für mich als Pianistin war bereits das Kammermusikkonzert für die Wolfgang-Sawallisch-Stiftung in Grassau eine schöne künstlerische Aufgabe. Für den Sommer stehen Jürgen Doetschs »Sommerbilder« für Blechbläserensemble und Klavier an, darauf freue ich mich sehr. Ein Auftritt im k1 in Traunreut im kommenden Winter ist vorzubereiten. Gerne möchte ich Improvisation und Rhythmus im Jazz weiter ausbauen, eventuell mit einer eigenen kleinen Formation und mit eigenen Stücken.

Das Interview führte: Uta Grabmüller

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