Ausbildung bei der Bergwacht: Im Notfall muss jeder Handgriff sitzen

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Andreas Schwendinger (rechts) bereitet die Anwärter der Bergwacht Traunstein auf die Eignungstests und Prüfungen vor. Der Ausbildungsleiter legt dabei viel Wert darauf, dass die Ausbildungen praxisnah erfolgen. (Fotos: Bergwacht Traunstein)
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Der Ausbildungsleiter muss bei einer Übung auch schonmal in die Rolle des Verletzten schlüpfen: Andreas Schwendinger wird hier gerade im steilen Gelände fachgerecht auf einer Trage abtransportiert.

Die Ausbildung bei der Bergwacht Bayern ist umfangreich, intensiv und anspruchsvoll. Die Anwärter müssen vom ersten Tag an durch eine harte Schule gehen. Aber auch die Mannschaften der einzelnen Bereitschaften der Bergwacht Bayern werden regelmäßig geschult, um für den Ernstfall fit zu sein, denn dann muss jeder Handgriff sitzen. Dabei kommt den jeweiligen Ausbildungsleitern eine ganz wichtige und zentrale Rolle zu. Sie sind praktisch rund um die Uhr gefordert.


»Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Anwärter und unsere Mannschaft die Dinge, die sie für den Notfall brauchen, praktisch im Schlaf können«, macht Andreas Schwendinger deutlich. Der 41-Jährige ist bei der Bergwacht Traunstein seit fünf Jahren für den Ausbildungsbereich zuständig.

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Zwecks der Liebe kam der gebürtige Allgäuer vor einigen Jahren in den Landkreis Traunstein. Er war damals bereits als DAV-Fachübungsleiter Skibergsteigen tätig, wollte sich auch in seiner neuen Heimat ehrenamtlich engagieren und sich vor allem auch weiter mit dem Thema Berg beschäftigen. Dank seiner Frau Katharina lernte er einen Bergwachtler der Bereitschaft Traunstein kennen. »Und der hat mich dann mal mitgenommen«, erzählt Schwendinger. Kurz darauf war er bereits Anwärter, meisterte die Ausbildung und ist seit 2016 im aktiven Dienst. »Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn man weiß, dass man jederzeit helfen kann«, sagt er.

Bereits ein Jahr später stieg der Sondermoninger zum Ausbildungsleiter auf. »Unser damaliger Ausbildungsleiter hat aufgehört und so bin ich dazu gekommen«, erzählt er.

Die ehrenamtliche Arbeit macht dem dreifachen Familienvater richtig viel Spaß, »auch wenn die Intensität schon hoch ist«, sagt er. Der Ausbildungsplan sowohl für die Anwärter als auch für die Mannschaft ist zweigeteilt – es gibt einen für den Sommer und einen für den Winter. Und Schwendinger lässt sich mit seinem Team immer wieder etwas Neues einfallen, damit es nicht langweilig wird.

Im Zwei-Wochen-Rhythmus finden die Ausbildungsabende für die Mannschaft statt, dazwischen ist immer eine gesellige Zusammenkunft – also ein Stammtisch quasi – angesetzt. Normalerweise jedenfalls. »Corona-bedingt war das im vergangenen Jahr und auch jetzt leider nicht möglich.«

Vor allem die Mannschaftsausbildung leidet stark unter der Corona-Pandemie. Viele praktische Stunden mussten und müssen deshalb gerade ausfallen. Auch die Bergwacht behilft sich, so gut es eben geht, mit Online-Vorträgen. »Auch da muss man immer wieder etwas Neues machen«, sagt Schwendinger, der bei der Weiterbildung der Mannschaft. von Michael van der Giet tatkräftig unterstützt wird.

Das Online-Lernen sind die Bergwachtler aber ohnehin schon seit 2012 gewohnt. Damals führte die Bergwacht Bayern für alle ihre Mitglieder die Wissensbox als Informations- und Lernplattform ein. Eine gute Sache, findet der Traunsteiner Ausbildungsleiter. Er weiß aber auch: »Die Theorie ist schon gut, aber wir müssen das auch immer wieder in der Praxis üben.« Deshalb hofft er, dass die gerade schwierige Situation bald wieder anders werden wird.

Zumindest die Ausbildung für die Anwärter darf und durfte die Bergwacht einigermaßen planmäßig weiter durchführen. Sie gilt als systemrelevant. Dennoch gab's auch hier zahlreiche Einschränkungen zu beachten und ein strenges Hygienekonzept einzuhalten.

Trotz der ganzen Regeln hat Andreas Schwendinger auch weiterhin versucht, die Ausbildungsthemen »abwechslungsreich zu gestalten«. Der Bergwachtler, der aktuell auch noch eine Baustelle daheim zu betreuen hat, muss die zahlreichen Ausbildungsabende aber auch nicht alle alleine stemmen. »Diese Arbeit verteilt sich auf mehrere Schultern«, hebt er hervor. Er muss aber eben alles organisieren und koordinieren und hängt deshalb abends oft noch stundenlang am Telefon. »Dafür braucht es schon eine sehr verständnisvolle Frau und Familie«, betont er. »Aber ich bin eben die Anlaufstelle für viele Sachen und der Ansprechpartner für unsere Anwärter, die auch öfters Fragen haben.«

In seiner Funktion ist er zudem auch oft unterwegs. Etwa mit dem Chiemgauer Lehrteam, zu dem Andreas Schwendinger ebenfalls gehört. Sprich: Vier Sonntage im Jahr ist er fix bei Prüfungen als Prüfer eingeteilt. Und dann gibt es da neben den ganzen Ausbildungsabenden und Prüfungen auch noch ein paar andere Highlights im Plan der Bergwacht Traunstein, die organisiert werden müssen.

Im Winter steht meistens eine Lawinenübung am Unternberg an und auch ein Ausbildungsausflug. Beides musste in diesem Winter corona-bedingt ausfallen. Auch im Sommer gibt es eine Fahrt übers Wochenende – meist zum Klettern. Zudem findet im Sommer meistens noch an einem Tag eine Übung an der Hörndlwand oder im Steinbruch statt.

Ziel bei all diesen Aktivitäten ist es, die Anwärter bestmöglich auf die Eignungstests und Prüfungen vorzubereiten. Und auch bei den Ausflugsfahrten werden immer wieder mal im Gelände spezielle Situationen geübt. Aus diesem Grund haben die aktiven Mitglieder der Bereitschaft Traunstein auch ein wenig gebastelt: In der Bergwacht-Garage auf dem BRK-Gelände haben sie einen Hubschrauber-Simulator nachgebaut. Gerade für die Anwärter sei das eine gute Sache, sagt Schwendinger. »Damit haben wir die Möglichkeit, den Ablauf bei einem Hubschrauber-Einsatz zu simulieren«, ergänzt er stolz.

Und das ist er auch auf den aktuellen Nachwuchs der Bergwacht. »Wir haben eine gute Mischung erwischt«, freut sich der Ausbildungsleiter. Bevor man Anwärter wird, muss man übrigens bei der Bergwacht Traunstein erst einmal sein Können zeigen. »Wir schauen schon zwischen einem halben und einem Jahr, was er oder sie kann.« Denn schließlich investiere die Bergwacht auch viel Geld und Zeit in die Anwärter, deshalb müssen die Grundvoraussetzungen einfach passen. Das Schöne dabei ist: »Wir machen keine Unterschiede. Wir nehmen vom Arbeiter bis zum Akademiker jeden.« Und man muss auch nicht in ganz jungen Jahren zur Bergwacht dazu gehen. »Wir haben aktuell auch einen Anwärter, der ist bereits 49 Jahre alt.«

Auch immer mehr Frauen finden den Weg zur Bergwacht. Zwei Damen sind aktuell in der Traunsteiner Bereitschaft in der Ausbildung. »Sie müssen das Gleiche wie die Männer leisten und auch die gleichen Prüfungen meistern«, macht Andreas Schwendinger deutlich. Und als Ausbildungsleiter ist er dafür verantwortlich, dass die Anwärter und auch die Mannschaft für die anspruchsvollen Aufgaben bei der Bergwacht fit sind – und das Tag für Tag. SB

 

Die Bergwacht Bayern bewältigt pro Jahr rund 8500 Rettungseinsätze. Insgesamt sind 113 Bergwacht Bereitschaften in den bayerischen Alpen aktiv. Wir haben die ehrenamtliche Arbeit der Bergwachtmänner und -frauen in den vergangenen Wochen vorgestellt, heute veröffentlichen wir den letzten Teil dieser Serie. Stellvertretend für die Bereitschaften in der Bergwacht-Region Chiemgau (Altötting, Berchtesgaden, Bergen, Bad Reichenhall Freilassing, Grassau, Inzell, Marktschellenberg, Marquartstein, Ramsau, Reit im Winkl, Ruhpolding, Schleching, Teisendorf/Anger und Traunstein) haben wir mit einigen Aktiven der Bergwacht Traunstein über ihre vielseitige Arbeit gesprochen.


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