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Im Winter gibt es für die Kinder nur alle zwei Tage etwas zu essen

Unterwössen. Der Unterwössner Arzt Dr. Christoph Schmied war seit Jahren, wenn nicht überhaupt, der erste Arzt, der die armselige Ansiedlung Samraong in der Provinz Siem Reap im Urwald von Kambodscha besuchte. Obwohl nur 30 Kilometer vom berühmten Angkor Wat entfernt, verirrt sich kein Tourist hierher, zumal das Dorf nur außerhalb der Regenzeit über eine holprige Piste mit dem Geländewagen erreichbar ist.

So untergewichtig wie dieser Bub sind die meisten Kinder in Samraong im Urwald von Kambodscha. Das ist eine der Ursachen für viele Krankheiten, denen der Unterwössener Arzt, Dr. Christoph Schmied (rechts im Bild), bei seiner Reise begegnete.

Leben ohne sauberes Wasser und Erwerbsmöglichkeiten

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In der Ansammlung von Holzhütten im dichten Urwald leben etwa 400 Menschen in 70 Familien ohne Strom, ohne sauberes Wasser, mit kleinen, ausgelaugten Anbauflächen zur Selbstversorgung und ohne Erwerbsmöglichkeiten. Die sehr einfachen Holzhütten stehen auf Stelzen und sind abgedeckt mit Palmwedeln und Reissäcken. Immer wieder werden Häuser bei starken Regenfällen oder von Termiten zerstört. Viele Kinder waren noch nie auch nur in der Provinzstadt Siem Reap. Als eines der Resultate der »Umerziehung« durch die Roten Khmer in den Jahren 1975 bis 1979 ist die Analphabetenrate unter den Erwachsenen erschreckend hoch. Darum ist auch die Bildung ein Thema.

Schmied verbrachte nun drei Wochen seines Urlaubs in Samraong, um den Dorfbewohnern medizinische Versorgung zu ermöglichen. Der Regensburger Theologe Dr. Thomas Rigl, den er 2007 im Urlaub in Kambodscha kennengelernt hatte, hatte ihn gebeten, ihn bei der nächsten Reise zu begleiten. Rigl ist seit mehreren Jahren Initiator eines Hilfsprojektes für Samraong. Er hat als Freiwilliger beim Jesuit Refugee Service, einem karitativen Zweig des Jesuitenordens, gearbeitet.

Unter dem Fußboden eines Stelzenhauses, wo es schattig und mit 35 Grad relativ kühl ist, richtete Schmied seine »Praxis« ein und behandelte die vielen Patienten, die sowohl unter landestypischen als auch unter westlichen Zivilisationskrankheiten leiden. Erstaunlich hoch sei die Krebsrate bei den Eingeborenen, stellte er fest. Die Ursache dafür bleibe rätselhaft, gut möglich sei eine Vergiftung der Umwelt aus der Zeit der Roten Khmer und der jahrzehntelangen Bürgerkriege.

Viele Probleme ließen sich durch Beratung oder kurzzeitige Medikamentengaben lösen – und das teils bei Problemen, mit denen sich die Leute schon Jahre herumschlugen. Andere Patienten musste Schmied ans Krankenhaus verweisen, bei manchen ließen sich die Leiden auch nur noch notdürftig lindern. Die Medikamente wurden in einer großen und sehr gut sortierten Apotheke in Siem Reap besorgt, finanziert von den Jesuiten und teils auch schon mit Spenden aus Unterwössen. Auch die Krankenhausbehandlungen konnten finanziert werden, wenngleich auch Patienten im Krankenhaus einfach abgewiesen wurden, wenn scheinbar keine Hoffnung mehr bestand.

»Natürlich ist es schwierig, bei Patienten eine Behandlung zu beginnen, die man nur ein- oder zweimal sieht und die danach so schnell nicht wieder einen Arzt erreichen können.« Umso wichtiger waren möglichst einfache Therapien (kurzzeitige Antibiotika zum Beispiel). Allein die Tatsache, ihr Anliegen einmal in Ruhe einem Arzt schildern zu können, gab schon vielen Patienten Zuversicht.

»Mangelernährung macht die Menschen zusätzlich für Krankheiten anfällig«, berichtet Schmied. Die ausgelaugten Böden liefern nur eine dürftige Reisernte, die von März bis November reicht. Danach bekommen viele Kinder nur noch jeden zweiten Tag eine Mahlzeit. Die Erwachsenen ernähren sich in dieser Zeit von Fröschen, Schlangen und anderem Kleingetier.

Die Jesuiten helfen mit Lebensmitteln

Die Jesuiten helfen mit Lebensmitteln. Sie finanzieren außerdem Baumaterial für feste Hütten mit Wellblechdächern und termitensicheren Pfahlgründungen. Von den Männern des Dorfes werden sie in Eigenarbeit aufgestellt. Die Kosten für ein Stelzenhaus belaufen sich auf 800 Dollar. Im letzten Jahr sind fünf neue Häuser entstanden, seit 2010 etwa 15 neue Häuser.

Über Spenden, die Rigl auf einem Spendenkonto bei der deutschen Jesuitenmission sammelt, wird versucht, die größten Missstände zu beheben. Sie werden neben dem Bau von Häusern auch für die Anlage von Brunnen, den Kauf von Grundnahrungsmitteln, Medikamenten und die Finanzierung ärztlicher Behandlungen im Distriktskrankenhaus sowie zum Bau und Unterhalt einer Schule, Finanzierung einer Lehrerstelle und einer Schulspeisung verwendet. 2011 wurde das Schulhaus für 25 000 Dollar mit drei Klassenzimmern fertig. Finanziert wurde die Schule komplett über Spenden aus Deutschland. Den Kindern wird somit ein Fußweg von 15 Kilometern einfach erspart.

Mit den Spenden wird auch Hilfe zur Selbsthilfe geleistet: So wird damit der Kauf von Land und Saatgut ermöglicht zum verkaufsorientierten Anbau von Gemüse. Hier bewunderte Schmied bei seinem Aufenthalt den ersten Erfolg, ein kurz vor der Ernte stehendes Bohnenfeld.

Eine soziale Absicherung ist so gut wie unbekannt, kaum jemand hat die finanziellen und organisatorischen Mittel, das 20 Kilometer entfernte Distriktskrankenhaus aufzusuchen. Schlüsselerlebnis war für Thomas Rigl erst im November ein Vater von 25 Jahren, der schwerstkrank in seiner Hütte gefunden wurde – er wäre ohne Hilfe sicher an den Folgen der Entzündung im Bauchraum gestorben. Gerade noch rechtzeitig wurde er vom Jesuit Refugee Service ins Krankenhaus gebracht und dort – nachdem die Behandlungskosten von 120 US-Dollar vorgestreckt worden waren – notoperiert. Er würde nicht mehr leben, wäre der Besuch von Thomas Rigl und des Jesuit Refugee Service auch nur einen oder zwei Tage später erfolgt.

Spenden sind möglich auf das Konto der Jesuiten

Wahrscheinlich kurz vor oder kurz nach den Pfingstferien plant Dr. Schmied im Rahmen eines Bildervortrags über Kambodscha, das Hilfsprojekt sowie seine Erfahrungen und Eindrücke zu schildern.

Wer das Projekt unterstützen will, kann eine Spende überweisen auf das Konto der Jesuitenmission bei der Liga Bank, BLZ 75090300, Konto-Nummer 5115582, Verwendungszweck: X69120 Rigl. Bei Angabe der Adresse werden Spendenquittungen ausgestellt.