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Immer wieder fallen Schulstunden aus

Traunstein. Die Buben und Mädchen am Sonderpädagogischen Förderzentrum in Traunstein tun sich schwer in der Schule. Um so wichtiger wäre es, dass diese Kinder besonders gefördert werden und einen guten Unterricht bekommen. Doch das scheint in Traunstein nicht der Fall zu sein. Immer wieder fallen Stunden aus, und zwei Schulklassen hatten lange Zeit gar keine Lehrkraft.

Der Elternbeirat des Sonderpädagogischen Förderzentrums Traunstein (SFZ) hat eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Schulleitung eingereicht. Außerdem kritisiert der Vorsitzende Andreas Marx »die defizitäre personelle Unterrichtsversorgung am SFZ«. (Foto: Reiter)

»In der 4. Klasse meines Sohns sind elf Kinder, sie wurden über Wochen einfach in Gruppen aufgeteilt und in anderen Klassen untergebracht«, erzählt Erika Langbauer. »Sie saßen dann in der 8. Klasse oder auch in der 2. Klasse. Es wurde kein Unterricht gemacht, es ging nur um eine Unterbringung.« Sie wirft der Rektorin der Schule vor, hier viel zu lange untätig gewesen zu sein.

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Das findet auch Elternbeiratsvorsitzender Andreas Marx und begründet damit den Schritt an die Presse, der verbunden sei mit der Hoffnung, dass sich dann vielleicht etwas tue.

Denn das erste Schreiben des Elternbeirats ging bereits im März ans Kultusministerium mit der Bitte, »die defizitäre personelle Unterrichtsversorgung am SFZ Traunstein zu verbessern«. Nach neun Wochen bekamen die Eltern die Antwort, dass bei Förderschulen die Regierung von Oberbayern zuständig sei. Das waren 45 Tage, in denen viele Kinder Unterrichtsstoff versäumten, weil die Schule zu wenig Personal hatte.

Unter ihnen war die 13-jährige Angelina. »Meine Tochter hat es an der Mittelschule versucht, doch sie musste wieder zurück, weil bei ihr in der Klasse soviel Stoff ausgefallen ist«, sagt ihr Papa Andreas Marx. In der Politik rede man großspurig davon, dass Kinder ein Recht auf Bildung haben, »doch bei uns ist das nicht der Fall.«

Im September bekamen drei Vertreter des Elternbeirats dann einen Termin in München, wo ihnen sofortige Hilfe zugesagt wurde. Doch die Situation spitzte sich eher noch zu, denn zwei Lehrkräfte fielen wegen Krankheit langfristig aus. Nun vertreten zwei sogenannte »Mobile Reserven« die zwei erkrankten Lehrer, doch wenn nun jemand krank wird, dann fallen die Stunden oft aus.

»Manchmal frage ich mich schon, ob wir Menschen zweiter Klasse sind«, sagt Erika Langbauer. »Bei Studenten diskutiert man, ob die Studiengebühr wieder abgeschafft wird, aber an Sonderschulen ist kein Geld für Lehrer da«. Für viele platze ein Traum, »denn sie wollen den Übertritt an die Hauptschule schaffen«.

Die Schulleiterin wollte sich zu den Vorwürfen, dass sie zu wenig unternommen habe, als klar war, dass zwei Lehrkräfte langfristig ausfallen, nicht äußern. Sie verwies auf das schwebende Verfahren. Denn der Elternbeirat hat gegen die Rektorin eine Dienstaufsichtsbeschwerde bei der Regierung von Oberbayern eingereicht. Andreas Marx spricht von »einer ganzen Liste an Verfehlungen«.

Die Regierung von Oberbayern hat zum Schuljahresbeginn ein Coaching-Team nach Traunstein geschickt, das dazu beitragen soll, dass die Zusammenarbeit zwischen Kollegium und Schulleiterin besser wird. Denn die vielen Krankheitsausfälle begründen einige Lehrer auch damit, dass die Stimmung an der Schule so schlecht sei. »Ziel des Coachings ist es, dass Experten vor Ort die Situation analysieren und gemeinsam mit den Betroffenen Verbesserungen erarbeiten«, teilt die Regierung von Oberbayern schriftlich mit. Das erste Zwischenergebnis des Coachings werde im neuen Jahr erwartet. Doch wie mögliche Konsequenzen aussehen könnten, wenn die Fachleute zu dem Ergebnis kommen sollten, dass eine Zusammenarbeit nicht möglich ist, dazu wollte sich die Regierung nicht äußern.

Und auch zum Thema Dienstaufsichtsbeschwerde sagte die Regierung »aus Gründen der Fürsorgepflicht gegenüber der Schulleitung« nichts. Entscheidend sei, »dass gerade während des Coachings der Schulfrieden bewahrt und so ein konstruktives Miteinander an der Schule möglich wird.«

Nach Ansicht der Regierung ist außerdem eine ordnungsgemäße Versorgung mit Lehrkräften in Traunstein gewährleistet. »Die Personalzuweisung durch das Staatsministerium erfolgt zum Schuljahresbeginn.« – Somit bleibt den Eltern nur die Hoffnung, dass sich im nächsten Schuljahr etwas ändert. Das kann nicht wirklich zufriedenstellen. KR