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»Improvisieren macht den Musiker locker«

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Gemeinsam auf der Bühne: Die Musiker der Münchner Uni-Bigband und der Bigband des Chiemgau-Gymnasiums. (Foto: B. Heigl)

Der Herr Jazzprofessor und die Bigband-Musiker der Traunsteiner Gymnasien: eine gute Kombination. Nach dem Gastspiel von Professor Joe Viera und den Musikern seiner Uni-Bigband München im Februar – bei ähnlichem Sauwetter wie jetzt im Sommer – im Annette-Kolb-Gymnasium folgte jetzt eine gelungene Jazz-Matinee im Chiemgau-Gymnasium (CHG).


Bis auf den Einsatz der Wellentrommel am Beginn eines mexikanischen Bossa Novas, den Joe Viera, so Christine Pigerl, verboten hatte (Sie hat es aber trotzdem gemacht) waren sich die beiden Bandleader Joe Viera von der Münchner Uni-Bigband und Christine Pigerl, Leiterin der Schul-Bigband des CHG über eine ganz spezielle Vorgehensweise einig: Beide favorisieren den Gedanken, dass während eines Konzertes möglichst viele Musiker der Band die Möglichkeit für ein Solo und damit die Gelegenheit für Improvisation bekommen sollen.

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Das mache, so der Mitbegründer des Burghausener Jazz-Festivals, die Musiker lockerer und für die Zuhörer ist es natürlich auch viel spannender. Die »alten Hasen«, die Musiker der Münchner Uni-Big-Band, haben deutlich mehr Gas gegeben als die Schüler, sie bliesen einem etwaige Morgenschlaffheit entschlossen weg. Die jungen Musiker, die zuvor spielten, vereinten sich mit ihren auch etwas ruhigeren Stücken mit der Melancholie des draußen niedergehenden, starken Landregens und auch ihre Lehrerin war ganz entspannt, wenn auch ein Einsatz für ein geplantes Solo einmal daneben ging. Das fiel eigentlich kaum auf, denn Jazz-Musiker setzen dann halt an einer anderen Stelle ein. Jazz, eben! Was aber auffiel, war, dass seitens der Schulband sehr rücksichtsvoll musiziert wurde; da die Bläser bei ihren Soli ja noch nicht die Durchschlagskraft haben wie ihre Profi-Bandkollegen, wurde die Lautstärke der Percussion-Instrumente kurzfristig schön runtergefahren. So konnte sich der jeweilige Solist gut präsentieren.

Gepflegte Melancholie also von der Schul-Band mit dem »Blue Bossa« von Dexter Gordon, dem »Don't get around much anymore« von Duke Ellington und mit Astor Piazzollas »Libertango«. Eye-Opener-Musik von der Uni-Big-Band, die »Summer's over« von Bill Liston druckvoll interpretierten und mit dem »Mongo Santamaria« im Arrangement von Michael Philipp Mossman noch einmal ordentlich Gas gaben. Gemeinsam mit der Schul-Band folgte dann, pünktlich zur Mittagszeit, ein schmackhafter, gut gewürzter karibischer Eintopf, der »Gumbo Caliente«, mit dem die Musiker gemeinsam die Stimmung im Publikum noch einmal ordentlich anheizten.

Dann folgte zum Abkühlen »Ya gotta try« von Count Basie im Original-Arrangement als Zugabe – eine wirklich coole Nummer von der Uni-Bigband zum Schluss – die den großen Meister des Swing-Jazz in beste Erinnerung brachte. Barbara Heigl