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»In der Erziehung ist kein Platz für Gewalt«

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Gewalt gegen Kinder
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Ein kleines Mädchen hält sich die Hände vor ihr Gesicht. Foto: Nicolas Armer/Illustration Foto: dpa

Traunstein – 4180 junge Menschen im Alter bis 14 Jahre sind 2018 deutschlandweit Opfer von (festgestellter) Kindesmisshandlung gewesen, 42 Prozent von ihnen waren Mädchen. Diese Zahlen weist die Polizeiliche Kriminalstatistik für das vergangene Jahr aus. Von den Behörden wurden 3487 konkrete Fälle registriert, bei denen Kinder körperlicher oder seelischer Gewalt ausgesetzt waren.


Darüber hinaus ist in diesem Deliktsbereich von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. »Es macht betroffen zu sehen, dass sich die Fallzahlen von Kindesmisshandlung seit vielen Jahren auf nahezu unverändert hohem Niveau bewegen«, sagt Wolfgang Tupy, Leiter der Außenstelle der Opferhilfeorganisation »Weisser Ring« in Traunstein, »aber in der Erziehung ist kein Platz für Gewalt und Erniedrigung«.

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Anlässlich des Tags der gewaltfreien Erziehung am morgigen Dienstag fordert der »Weisse Ring« daher, keine Form von Gewalt gegen Kinder zu tolerieren und diese auch nicht zu verharmlosen. »Die allermeisten Eltern in Deutschland sind glücklicherweise dazu fähig, ihre Kinder ohne den Einsatz von Misshandlungstaten zu selbstständigen und selbstbewussten Menschen zu erziehen«, erläutert Tupy. Dennoch: Die Zahl derer, die vom vermeintlich harmlosen Klaps bis hin zum dauerhaften Liebesentzug zu Gewalt im Umgang mit ihren Kindern greifen, ist hoch, »viel zu hoch«, wie Tupy betont.

»Hin- und nicht wegsehen! Der 'Weisse Ring' fordert zivilcouragiertes Handeln, wenn Menschen Zeugen von Misshandlung von Kindern werden«, so Tupy.

Kindesmisshandlung findet dabei in allen gesellschaftlichen Schichten und zum überwiegenden Teil im familiären Kontext statt. Schläge, Ablehnung, psychischer Druck, Vernachlässigung – das Delikt, das mit Haftstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren strafbedroht ist, äußert sich in vielen Formen, unter denen die Betroffenen auch noch viele Jahre später massiv leiden können.

Genauso vielfältig wie die Arten der Misshandlung sind dabei auch die Ursachen der Gewalt gegen die Jüngsten. Stress und Konflikte, Armut oder das Fehlen von Korrektiven, eigene Gewalterfahrungen als Kind oder Verharmlosung von körperlicher Züchtigung: Wenn Erwachsene Kinder misshandeln, stehen oft Hilflosigkeit und Überforderung dahinter. »Aber all diese Faktoren können auch in Summe ganz sicher nicht als Entschuldigung oder Ausrede für Kindesmisshandlung gelten. Es ist gesetzlich festgeschrieben, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Wer das nicht leisten kann, muss sich professionelle Hilfe holen«, unterstreicht Tupy und verweist auf Hilfsorganisation.

So informiert der Verein im Rahmen seiner Präventionsarbeit auf seiner Internetseite darüber, wie gewaltfreie Erziehung gelingen kann. Betroffene und Interessierte können sich zudem die Broschüre »Gewaltfreie Erziehung« zukommen lassen.

Darüber hinaus halten die mehr als 3000 ehrenamtlichen Mitarbeiter in den bundesweit mehr als 400 Außenstellen der Opferhilfeorganisation einen umfassenden Katalog an Hilfeleistungen vor. Dieser umfasst vom menschlichen Beistand und Begleitung bei Behördengängen bis zu finanziellen Hilfen eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Opfern von Kindesmisshandlung und indirekt Betroffenen offen stehen.

Darüber hinaus können sich Hilfesuchende auch anonym unter 116 006 beim kostenfreien Opfer-Telefon (täglich zwischen 7 und 22 Uhr) sowie über die Website der Organisation bei ihrer Onlineberatung melden. fb