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In Marquartstein wird wieder »Schmarrn« gemacht

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Marqartstein - Trachtenverein
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Die Kindergruppe des GTEV Marquartstein-Piesenhausen macht »Schmarrn« bei der Jubiläumsfeier. (Foto: Fembacher)

Marquartstein – Beim Hoagart zum 50. Jubiläum des Zusammenschlusses der Trachtenvereine Marquartstein und Piesenhausen hatte die Kindergruppe des Vereins nur »Schmarrn« im Kopf. In einem Theaterstück rührten die Kinder betrübt in einer leeren Schmarrn-Pfanne, bis endlich ein Bub die gute Nachricht verkündete: »Wisst'ses scho?! Bald gibt's wieder an Holzhacker-Schmarrn!« Damit spielten sie auf den Holzhacker an, einen Plattler der Aktiven.


Nach längerer Zeit traten erstmals wieder Aktive des Trachtenvereins Marquartstein-Piesenhausen auf und beeindruckten mit dem Kronentanz. Den Jubiläumshoagart hatte Jugendleiterin Claudia Hacher mit viel Herzblut organisiert. Gestaltet wurde er größtenteils von Kindern und Jugendlichen aus dem Verein. Katrin und Marlies Hacher und Lukas Entfellner sorgten mit Kilian Nißl aus Grassau und Martin Osterhammer aus Staudach als »Knopf- Soatn-Blech-Blosn« für Musik – seit Gewinn des Wasserburger Löwen über das Achental hinaus bekannt.

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Ein Hörgenuss waren auch die Gesangseinlagen der Geschwister Katrin, Marlies und Verena Hacher und die Stücke der Seewind-Harfendirndln und der Saitenweis-Musi. Den größten Applaus aber ernteten die vereinseigenen Kinder- und Jugendgruppen. Besonders der Auftanz mit fast 20 Paaren begeisterte die Zuschauer. Auch Trachtler aus den Patenvereinen »D' Hochplattner« Grassau und »D' Staffelstoana« Bernau waren mit ihren Vorständen Stefan Baumgartner und Franz Praßberger gekommen. Als Geschenk hatten sie ein Fass Bier und flotte Tänze dabei. Den Höhepunkt des Abends bildete der Gemeinschaftsplattler. Bei der Ambosspolka plattlte, wer plattln konnte, von Jung bis Alt.

Vorstand Martin Heiler entführte die Zuschauer in seiner Ansprache in die Zeit des Zusammenschlusses und lobte vor allem die Weitsicht der damaligen Vorstände Matthias Aigner (Piesenhausen) und Rudolf Gnadl (Marquartstein). Beide engagierten sich nach Kräften für die gemeinsame Sache und hielten trotz Gegenwinds in Form von Vereinsaustritten an ihrer Vision fest. Vereinsaustritte waren nur vorübergehender Natur und die schärfsten Kritiker des Zusammenschlusses waren angeblich Marquartsteiner, die sich dem Piesenhausener Verein angeschlossen hatten.

Die Bemühungen fruchteten: Am 10. November 1968 entschieden sich die Mitglieder des GTEV Marquartstein und des GTEV Piesenhausen in getrennten Sitzungen für den Zusammenschluss. Damit war wieder zusammen, was zusammen gehört, denn bei Gründung 1920 bestand der GTEV Marquartstein um Vorstand Martin Bayer aus Marquartsteinern und Piesenhausenern. Erst 1926 gründeten die Piesenhausener ihren eigenen Verein um Vorstand Jakob Aigner.

Über 40 Jahre lang gingen die Trachtler getrennte Wege, arbeiteten aber weitgehend kameradschaftlich zusammen. Höhepunkte waren die Gründung des Chiemgau-Alpenverbands am 25. Juli 1926 in Marquartstein, die erste Fahnenweihe des GTEV Marquartstein am 8. Juli 1928 und die Weihe der ersten Fahne des GTEV Piesenhausen am 20. Mai 1929.

Die Anfänge des GTEV Marquartstein-Piesenhausen waren stark von Vorstand Rudolf Gnadl geprägt. Er gab auch den Anstoß zur Gründung der Marquartsteiner Goaßlschnalzer und der Marquartsteiner Alphornbläser, die bis heute bestehen und auch am Jubiläumshoagart zu bewundern waren. In den vergangenen 50 Jahren hat der Verein Hoch-Zeiten erlebt wie das 60. Gaufest des Chiemgau-Alpenverbands 1996 oder Erfolge bei Gaupreisplattln.

Doch es gab auch Durststrecken – über einige Jahre quälten Nachwuchssorgen den Verein. Zum 50. Jubiläum erstrahlt er endlich wieder in altem Glanz. Die Wiederbelebung der Aktivengruppe vervollständigt das Glück. fem