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Philipp Reiter geht bei »der längsten Skitour der Welt« in 36 Tagen von Wien nach Nizza

In Rekordzeit über die Alpen

Sie haben etwas Gewaltiges geschafft: Der Reichenhaller Philipp Reiter, Bernhard Hug (Schweiz), David Wallmann (Österreich) sowie Janelle und Mark Smiley (USA). In der Rekordzeit von nur 36 Tagen absolvierten die fünf Athleten ihre Alpenüberquerung von Reichenau an der Rax in Österreich bis zur Hafenstadt Nizza an der Côte d'Azur.

Am Ziel in Nizza (v.l.): Janelle Smiley, Bernhard Hug, Mark Smiley, David Wallmann und der Reichenhaller Philipp Reiter. (Fotos: Red Bull Content Pool)
In der Schlussphase der Tour ging es stets schon um 2 oder 3 Uhr nachts los.
Am Ende des langen Weges: Philipp Reiters Füße benötigen dringend Erholung.

Bei »Red Bull – Der Lange Weg«, der längsten Skitour der Welt, legten die Extrem-Sportler auf Ski und zu Fuß eine Gesamtdistanz von 1 721 Kilometern sowie 89 644 Höhenmeter im Aufstieg zurück. Insgesamt waren sie 375 Stunden in Bewegung.

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Unvergessliche Bergerlebnisse und lange, kräftezehrende Tagesmärsche standen bei der fünfwöchigen Expedition im Vordergrund – bei oft extremsten Bedingungen. Immer wieder wurden die fünf Athleten, die sich zuvor kaum kannten, auf ihrer Alpenüberquerung von Ost nach West mit hochwinterlichem Wetter, Wind und schlechter Sicht konfrontiert. »Es war schon hart«, berichtet Bernhard Hug. »Du musst jeden Tag wieder Energie aufbringen, um dich neu zu konzentrieren und Schritt für Schritt weiterzukommen. Wir mussten sehr viel anpassen, immer wieder reorganisieren, weil das Wetter schwierig war. Das braucht viel mentale Energie. Daher ist die Erlösung groß, dass wir es geschafft haben.«

Die Sicherheit stand stets im Vordergrund. So mussten die Sportler die Besteigung des höchsten Alpenbergs, des Mont Blanc (4 810 Meter), nur hundert Höhenmeter unterhalb des Gipfels aufgrund zu hohen Lawinenrisikos abbrechen. Die geplante Besteigung der Dufourspitze (4 634 Meter) war ebenfalls nicht möglich. Zu den alpinen Highlights zählte das Erreichen des Großglocknergipfels auf 3 798 Meter. »Die größte Herausforderung war das schlechte Wetter, das uns fast täglich das Leben schwer machte«, sagt David Wallmann. »Eigentlich wurden wir erst am Schluss mit Sonnenschein für die Strapazen belohnt.« Inspiriert war »Der lange Weg« von den vier österreichischen Skibergsteigern Robert Kittl, Klaus Hoi, Hansjörg Farbmacher und Hans Mariacher, welche die Route 1971 mit nur einem Supportmann im VW-Bus, Alois Schett, bezwungen hatten. Alle Gipfel und Tal-Orte des damaligen Teams konnten 2018 leider nicht passiert werden.

Gemeinsame Entscheidungen und Erlebnisse schweißten das Team, das ursprünglich aus sieben Individualsportlern bestand, im Laufe der Tour immer stärker zusammen. Zwei der in Reichenau gestarteten Athletinnen mussten auf dem Weg nach Nizza aus unterschiedlichen Gründen aufgeben: Nuria Picas aus Spanien, eine der erfolgreichsten Ultratrail-Läuferinnen der Welt, und die Südtiroler Alpinistin Tamara Lunger, die eine schmerzhafte Schienbeinentzündung erlitt und dennoch eine Woche durchhielt.

Umso stolzer waren die fünf Athleten, die letztlich am Strand von Nizza ankamen: »Jetzt waren wir 36 Tage unterwegs, waren auf 3 700 Metern im Schneesturm festgesteckt, sind dann bis zu den Knien im Sulz gestanden und jetzt am Meer – das ist total irre«, blickte Philipp Reiter aus Bad Reichenhall zurück. »Ich kann es noch gar nicht glauben, dass wir es wirklich geschafft haben. Es war verdammt weit, es war ziemlich hart. Das ist jetzt alles egal, weil wir angekommen sind«, so der 26-Jährige.

Er zeigte mit seinem Team eine enorme physische Leistung, gepaart mit Taktik, mentaler Stärke und Teamgeist. Vom »langen Weg« wird er wohl noch seinen Enkeln erzählen. Hans-Joachim Bittner