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Indiepop von drei Kontinenten

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Phantastic Ferniture
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Sonniger Pop von Phantastic Ferniture. Foto: Cate Hartman Foto: dpa
The Essex Green
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Foto: Meg Rupert Foto: dpa

Weg mit den abgenudelten Sommer-Hits, hier kommt was Besseres: Für die nächsten warmen Wochen bieten sich von Phantastic Ferniture, The Essex Green und Rex Orange County an - lässig-intelligenter Indiepop von drei Kontinenten.


Berlin (dpa) - In der Liste der Sommer-Hits werden diese drei Bandprojekte eher nicht auftauchen, dafür sind sie wohl nicht Mainstream genug. Kein Grund, die Musik von Phantastic Ferniture, The Essex Green und Rex Orange County zu versäumen.

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«Träumerischer Indiepop» ist laut Online-Lexikon Allmusic die Kernkompetenz der Singer-Songwriterin Julia Jacklin. Mit ihrem Nebenprojekt PHANTASTIC FERNITURE schlägt die Australierin nun eine andere Richtung ein. Auf dem selbstbetitelten Debütalbum (Transgressive/Pias) des Trios ist rauer, melodischer und zugleich energiegeladener Garagen-Poprock zu hören - genau die richtige Musik für eine gepflegte Sommerparty.

Als Folk-Musikerin habe sie sich auf traurige Songs auf der Gitarre konzentriert, sagt Jacklin zu dem stilistischen Seitensprung - und nun habe sie einfach mal ausprobieren wollen, wie man die Leute zum Tanzen bringt. Das sollte mit smarten, anschubsenden Liedern wie «Bad Timing», «Fuckin' 'n' Rollin'» oder «Dark Corner Dance Floor» weißgott gelingen.

Neben der 27-jährigen, blonden Sängerin aus Sydney gehören noch Elizabeth Hughes (Gitarre) und Ryan K. Brennan (Schlagzeug) zu der jungen australischen Band mit dem absichtlich falsch geschriebenen Namen und dem schrägen Cover-Artwork. Tom Stephens und Tom Capell am Bass komplettierten das Studio-Lineup. Es war wohl nur «eine lose Schnapsidee», die zur Bandgründung führte. Nach der ersten Visitenkarte mit neun tollen Indierock-Songs in 35 kurzweiligen Minuten darf gern mehr daraus werden.

Schon viel länger als Phantastic Ferniture gibt es THE ESSEX GREEN, die 1998 in Brooklyn/USA gegründete Band um Sasha Bell, Jeff ‎Baron und Christopher Ziter. Ihr Comeback nach der langen Pause seit 2006 wird nun Fans jubeln lassen, die es mit klassischen Songschreiber-Tugenden halten.

«Hardly Electronic» (Merge/Cargo) vereint 14 Indie-Perlen, die stark an The Go-Betweens oder Belle & Sebastian erinnert («Sloane Ranger», «Modern Rain», «Patsy Desmond»), gelegentlich aber auch an den makellosen Sixties-Pop von Burt Bacharach («In The Key Of Me»). Im bunten Mix dieses wunderbaren Sommeralbums - allein das lässig-coole Schnappschuss-Cover ist den Kaufpreis wert - finden auch augenzwinkernder Countrypop («Bye Bye Crow») und kitschfreie Balladen («Slanted By Six», «Bristol Sky») ihren Platz. Schön, dass The Essex Green wieder da sind.

Unter dem Alias-Namen REX ORANGE COUNTY legt der erst 19-Jährige Brite Alex O’Conner mit «Apricot Princess» (Rex Orange County/Awal Recordings) ein perfektes Sommeralbum zwischen Indiepop, Soul, Jazz, Latin und Hip-Hop vor, das teilweise sogar mit ambitionierten Orchester-Arrangements überrascht. Das erinnert nicht selten an den großartigen englischen Sänger Jamie Cullum, wobei sich O'Conner eine juvenile Schnoddrigkeit und Unangepasstheit im Tonfall bewahrt hat.

Das auf orangefarbenem Vinyl und digital erscheinende Werk enthält Songs in voller Bandbesetzung inklusive Vibrafon und Piano («Nothing»), opulente Streicherballaden («Sycamore Girl», «Happiness») und Akustik-Songs («Untitled»). O’Conner, der aus der Kleinstadt Halsemere in der englischen Region Surrey stammt, offenbart die erstaunliche Entwicklung eines Hochtalentierten. Dazu gehörten Gastbeiträge auf dem Grammy-nominierten Album «Flower Boy» von Tyler The Creator und Live-Auftritte mit Frank Ocean schon vor der Fertigstellung von «Apricot Princess», das nun einen herrlich sommerlichen Vibe verströmt.

Rex Orange County live: 03.10.18 Berlin – Lido

Website Phantastic Ferniture

Website The Essex Green

Website Rex Orange County