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Bürgermeister Justus Pfeifer links) war vom großen Zuspruch der Bürgerinnen undBürger zur Informationsveranstaltung zum Bebauungsplan »Schwaig-Nord« positiv überrascht. (Foto: Peter)

Infoveranstaltung der Gemeinde Ruhpolding: Großes Interesse an »Schwaig-Nord«

Ruhpolding – Im Vorfeld hatte es bereits intensive Diskussionen um die Entwicklung des sogenannten »Filitz-Geländes« in Ruhpolding gegeben. In der Gemeinderatssitzung im Februar wurde das Bauvorhaben »Schwaig-Nord« vorgestellt. Damit sich möglichst viele Bürger ein genaueres Bild vor Ort machen können, gab es nun in der Siedlung Schwaig eine Infoveranstaltung der Gemeinde. Dazu waren alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eingeladen.


Auf dem Areal von knapp 1,5 Hektar soll wieder eine gewerbliche Nutzung stattfinden und zusätzlich günstiger Wohnraum mit 40 neuen Wohnungen sowie eine Einrichtung in Form eines »Betreuten Wohnens« mit 20 Einheiten entstehen. »Mit der Bebauung soll die Fläche aus dem Winterschlaf geholt und für die Gemeinde Ruhpolding nutz- und belebbar gemacht werden«, sagte Bürgermeister Justus Pfeifer.

Durch das Vorhaben werde die jetzige Brachfläche sozioökonomisch entwickelt und nutzbar gemacht, so Pfeifer. Die Anregung für die Infoveranstaltung direkt auf dem Gelände sei von der SPD-Fraktion im Gemeinderat mit Fraktionssprecher Johannes Hillebrand gekommen, sagte Pfeifer. Anhand verschiedener Skizzen und Plänen erläuterte der Städteplaner Andreas Jurina von der Planungsgruppe Strasser GmbH die beabsichtigte Bebauung.

Bereits nach der Begrüßung und bevor der Bürgermeister in den weiteren Verlauf der Informationsveranstaltung übergehen konnte, fiel ihm ein Besucher ins Wort und trug seine Bedenken, dass mit dem Projekt kein günstiger Wohnraum entstehen würde, mit Vehemenz vor. Der Bürgermeister ließ ihn ausreden und wollte erläutern, dass der Preis für Wohnraum auf dem Areal deutlich unter den üblichen Preisen liegen werde. Das bedeute, dass sich hier auch Handwerker und Handwerksmeister Eigentum schaffen könnten. Während seiner Ausführungen wurde der Bürgermeister immer wieder von den »Bedenkenträger« unterbrochen. Erst als aus den Reihen der weiteren Teilnehmer die Bitte kam, dass dieser doch ermöglichen solle, die Veranstaltung geordnet fortführen zu können, zog sich dieser zurück und der Bürgermeister konnte in den weiteren Ablauf der Veranstaltung fortfahren.

Wie Pfeifer anschließend weiter ausführte, gehe es bei der Informationsveranstaltung mit kleinem Rundgang auf dem Areal um den Bebauungsplan und wie die Fläche optimal ausgenutzt werden kann. Bei dem Projekt handelt es sich nachseinen Worten um ein Mischgebiet und ermögliche somit nur ein ruhiges Gewerbe, wie Pfeifer es ausdrückte. Wie viele Gebäude und in welcher Form letztlich entstehen könnten, werde erst später vom Gemeinderat entschieden. Der Bürgermeister fügte an, dass auch die Bürger Anregungen geben sollten, die in die Beratungen einfließen könnten.

In der alten Fabrikhalle, in dem ehemals der Getränkemarkt Gimpl war, soll, wie Jurina ausführte, im Bestand wieder ein Gewerbe mit Betriebsleiterwohnungen untergebracht werden. Im Anschluss soll die Wohnbebauung in nordöstlicher Richtung mit drei Gebäuden realisiert werden. In Richtung Seehauser Straße ist mehr das Gewerbe vorge-sehen, wobei der jetzigeGetränkemarkt im Bestand bestehen bleibe, so Jurina. Das Betreute Wohnen ist in Winkelform mit vier Geschoßen geplant und soll im Hangbereich an die Wohnbebauung anschließen. Pfeifer fügte hier ein, dass die neuen Giebelhöhen die Höhen des umliegenden Bestandes nicht überragen würden.

Eine Teilnehmerin fragte den Bürgermeister, ob es bei der Vergabe der Wohnungen eine Form des »Einheimischen-Modells« geben würde. Darauf sagte Pfeifer, dass der private Investor die Möglichkeit habe, zuerst den Markt für die Ruhpoldinger Bürger zu eröffnen und nach einem angemessenen Zeitraum auf den Landkreis Traunstein und danach ganz öffnen zu können. Wenn es in den Verkauf gehe, sei momentan für die ersten Angebotsschritte für Ruhpolding ein Zeitraum von sechs Monate beabsichtigt, so der Bürgermeister.

Wie viel Wohnungen das Wohnbauwerk Ruhpolding erwerben werde, wollte eine Teilnehmerin wissen. Aktuell seien 40 Wohnungen auf dem Areal geplant. Wie viele Wohnungen das Wohnbauwerk erwerben werde, hänge von der Finanzsituation des Wohnbauwerks ab, so Pfeifer. Auf eine Frage, ob das Projekt »Betreutes Wohnen« sicher kommen werde, antwortete Pfeifer mit einem Ja. Es werde dazu auch im Grundbuch die Nutzung vertraglich festgelegt. So könnten die meist kleinen Wohneinheiten nicht anders genutzt werden.

Ein Anlieger brachte ein, dass er durch die beabsichtigte Höhe einiger der neuen Gebäude von 10,5 Metern das Ortsbild gefährdet sehe. Darauf meinte der Städteplaner, momentan werde von allen Behörden die Nachverdichtung vorgegeben. Und die Höhe sei auch eine Form der Nachverdichtung. Damit würde mit den Flächen ebenso sorgsam umgegangen. Es sei jedoch darauf geachtet worden, dass es für die umliegende Bebauung keine Nachteile durch eine Beschattung geben werde, sagte Jurina. Er schob noch ein, wenn alles gut laufe, werde das Baurecht Ende dieses Jahres geschaffen sein und wenn noch bei Untersuchungen und Gutachten nachgearbeitet werden müsse, es bis Anfang nächsten Jahres dauern könne.

Wie die Wärmeversorgung in dem neuen Gebiet umgesetzt werden solle, war eine Frage eines Besuchers. Dazu antwortete Pfeifer, es sei geplant, das Areal an die Fernwärme Ruhpolding anzuschließen. Während der Übergangszeit, bis das Heizwerk saniert sei, solle ein mobiles Heizwerk zum Einsatz kommen. Der Bürgermeister gab auch gleich die Antwort auf eine andere Zwischenfrage, wie die Regelung für die Schneeablage sei: Zwischen dem jetzigen Getränkemarkt und der geplanten Erschließungsstraße werde ein Grünstreifen entstehen, der dafür genutzt werden könne.

Ob es denn einen Spielplatz auf dem Areal gebe, war eine weitere Frage. Es sei gesetzlich geregelt, dass ein Spielplatz geschaffen werden müsse, sagte Pfeifer. Hier solle jedoch der bestehende Spielplatz aufgewertet und entsprechend ausgestattet werden. Im weiteren Verlauf kamen auch die Stellplätze zur Sprache. Hierzu meinte Jurina, dass Besucher Plätze in Tiefgaragen nicht gerne annehmen würden. Darum seien auch oberirdische Stellflächen beabsichtigt. Allgemein meinte Pfeifer, dass in Ruhpolding über die Anzahl der Stellplätze nachgedacht werden müsse und diese eventuell anzuheben sei.

Im nördlichen Bereich und in Richtung Seehauser Straße sei noch nicht alles verplant, sagte Pfeifer. Doch solle hier schon das Baurecht geschaffen werden, wenn in Zukunft ein heimischer Betrieb Gewerbe-flächen benötige. Der hier anschließende circa zehn Meter breite Grünstreifen zur bestehenden Bebauung bleibe erhalten, meinte Pfeifer. Zum einen, damit ausreichend Abstand zu den Nachbargrundstücken und den eventuell neu entstehenden Gebäuden bleibe. Aber auch, damit dieGemeinde bei eventuell künftigen Projekten weiter östlich ungehindert eineErschließung realisieren könne, so der Bürgermeister.

MP