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Interesse an alpiner Sicherheit steigt

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Groß war das Interesse am diesjährigen Sicherheitstraining für Wintersportler. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Seit 19 Jahren veranstaltet Bergsport Geistaller zum Saisoneinstieg ein Sicherheitstraining für Skibergsteiger, Freerider und auch Schneeschuhwanderer, unterstützt durch die DAV-Sektion Berchtesgaden und das Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei. Viele Bergfexe kamen auch heuer zum Theorieabend im »Haus der Berge« und zur Praxisausbildung auf dem Hochschwarzeck.


Beim Theorieabend spielte man den Teilnehmern ein Radiointerview mit Stefanie Enzinger vor. Die Sportlerin war bei einer Skitour komplett von einer Lawine verschüttet worden. Sie verbrachte bis zur Ortung durch den Suchhund und die darauf folgende Bergung 90 Minuten einzementiert in den Schneemassen. Ihre detaillierte Schilderung des Hergangs war für die 130 Zuhörer äußerst beeindruckend.

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Polizeibergführer Jörg Fegg erklärte anhand dieses Beispiels, wie wichtig die Mitnahme eines Verschüttetensuch(VS)-Geräts zur Kameradenhilfe ist. Er erläuterte auch das richtige Verhalten nach so einem Lawinenabgang.

Da jedoch nach 15 Minuten in der Lawine die Überlebenschance auf nur noch zehn Prozent sinkt, ist das Wichtigste das Vermeiden einer Verschüttung. Zu diesem Zweck gibt es verschiedene Strategien zur sichereren Tourenvorbereitung und zur Verringerung der Verschüttungsgefahr. Fegg ging detailliert auf die Lawinenwarnstufen ein. Da eine Tour bei Stufe 5 grob fahrlässig ist, also gestrichen werden kann, sollte man sich im Klaren darüber sein, dass Stufe 3 schon über dem Mittelmaß liegt.

Äußerst effektiv und ohne viel Aufwand umzusetzen ist die Schneedeckenanalyse. Mit ihr erkennt man sofort Schwachstellen. Ohne Schwachstellen keine Lawine. Max Seidl, Heeresbergführer und DAV-Ausbilder, demonstrierte die Auslösung eines Lawinenrucksacks und erklärte seine effektive Wirkungsweise.

Danach wurde bei der Praxis am Hochschwarzeck mit moderner Technik die schnelle Suche geübt. Aufgrund der starken Nachfrage wurden ergänzend zu den drei Stationen für die Fortgeschrittenen drei eigenständige Einsteigergruppen gebildet. Diese wurden von Max Seidl, Hannes Grill und Benedikt Gschoßmann geleitet. Wichtig war, dass sich Neueinsteiger mit der Funktions- und Wirkungsweise eines VS-Gerätes vertraut machen konnten. Diese wurden in großer Anzahl von den Herstellern zur Verfügung gestellt.

Mit dem elektronischen Simulationsfeld demonstrierten die Polizeibergführer Peter und Michael Wiesent, dass eine schnelle Suche zum Stressfaktor werden kann. Jörg Fegg zeigte anhand verschiedener Versuche die enormen Störfaktoren, die ein Handy oder ein GPS-Gerät, jedoch auch Alupapier von Energieriegeln hervorrufen können. Er ging auch detailliert auf die Funktionsweise der Ausrüstung ein.

Martin Schaumann von Bergsport Geistaller gab den Teilnehmern die Möglichkeit, sich mit ihren eigenen VS-Geräten vertraut zu machen. Ein Sender auf einem Carbonmast simulierte einen Verschütteten in 2,50 Metern Tiefe. Durch Verändern der Position dieses Senders, wurde der Schwierigkeitsgrad der Suche erhöht. Von Durchgang zu Durchgang steigerte man auch das Tempo beim Suchen.

Sowohl für die vielen Teilnehmer als auch für die sieben Ausbilder bildete diese intensive Praxisübung den richtigen Einstieg in die kommende Tourensaison. fb

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