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Interesse und Neugier wecken

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Die Malerin Christine Hötzendorfer vor zwei ihrer Bilder zur Thematik »Weltreligionen«: rechts das Christentum, links das Judentum. (Foto: Eder)

Die Betrachter dazu zu bringen, einmal länger und intensiver über Wert und Sinn der Religionen nachzudenken – das ist erklärtes Ziel der Waginger Malerin Christine Hötzendorfer, das sie mit ihren großformatigen Werken verfolgt, die zurzeit in der Walburgiskirche in Seeon zu sehen sind. Die Kirche, deren Anfänge bis in das Jahr 1000 nach Christus zurückreichen, ist durch ihre jahrhundertealte Geschichte ein idealer Ort für eine Ausstellung zu diesem Thema – durch den russisch-orthodoxen Friedhof um die Kirche herum, der von der Fürstenfamilie der Leuchtenbergs begründet wurde, gibt es sogar noch einen zusätzlichen konfessionellen Bezugspunkt.


Künstlerin Christine Hötzendorfer hat zum Thema »Weltreligionen« sieben etwa 1,60 Meter hohe Bilder geschaffen, mit Acrylfarben, unterlegt mit verschiedenen Materialien. Diese Bilder stellen in abstrakter Umgebung die jeweils tragenden Symbole der einzelnen Religionen dar: das »Om«-Schriftzeichen für den Hinduismus, das Rad der Unendlichkeit für den Buddhismus, den sechszackigen Stern vor einer stilisierten Klagemauer für das Judentum, den arabischen Schriftzug »Allah ist der Höchste« für den Islam, das Kreiszeichen für die Yin-Yang-Philosophie aus China, ein Kreuz, an dem sich die Dornenkrone des Gekreuzigten zu einem Stacheldraht verlängert, für das Christentum – und eine fast weiße, nur roh grundierte Fläche für den Atheismus.

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In ihrer Einführung appellierte Christine Hötzendorfer an die Besucher der Vernissage, sich für fremde Kulturen zu interessieren und neugierig auf sie zu sein. Vielleicht, so ihre Überlegung, wäre dabei »mehr Gemeinsames zu finden, als wir für möglich halten«. Denn die Situation, wie man sie heute erlebe und tagtäglich in den Medien höre, mache sie »traurig und wütend zugleich, wenn ich damit konfrontiert werde, dass Menschen im Namen Gottes foltern, schänden und töten«.

Ihre Bilder, so hofft sie, könnten vielleicht ein kleiner Beitrag sein, sich mit fremden Religionen und Kulturen etwas intensiver zu befassen. Die Künstlerin trug zusammen mit ihrer Enkelin Sophia selbst verfasste Texte zu den einzelnen Bildern vor.

Diese passen auch wegen den Farben besonders gut in die Walburgiskirche. Beim ersten Eintritt in die Kirche müssen Besucher nach den Bildern, so groß sie auch sein mögen, geradezu suchen – so sehr passen die erdigen Farbtöne zu den Fresken, die an den Kirchenwänden hinter zahlreichen anderen Farbschichten in mühsamer Arbeit wieder ans Tageslicht geholt worden sind.

Die Vernissage wurde instrumental von der Familie der Künstlerin begleitet: von Sohn Christoph Hötzendorfer an der Gitarre und der Enkelin Sophia an der Querflöte unter anderem mit einem israelischen Abendlied, wobei die hervorragende Akustik der Kirche zum Tragen kam.

Zur Thematik liegen begleitende Texte auf, die Künstlerin während ihrer Schaffensperiode formuliert hat. Dabei gibt sie beispielsweise die Anregung weiter, der Betrachter möge die »öde Fläche« des Atheismus-Bildes mit »Ihrer ganz persönlichen Spiritualität, mit Ihren eigenen Wünschen und Träumen füllen«. Hans Eder

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