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Geburtstag im Medienbunker

Internetradio ByteFM wird zehn Jahre alt

Seit zehn Jahren bietet das Webradio ByteFM ein unabhängiges musikjournalistisches Radioprogramm rund um die Uhr, gestaltet von über 100 Moderatorinnen und Moderatoren in ganz Deutschland und darüber hinaus.

Ruben Jonas Schnell
ByteFM-Gründer Ruben Jonas Schnell. Foto: Dirk Pudwell/ByteFM Foto: dpa

Hamburg (dpa) - Vor zehn Jahren sahen die Macherinnen und Macher von ByteFM im Internet eine Chance für das oft totgesagte Medium Radio. Am 11. Januar 2008 nahm das Webradio den Sendebetrieb auf.

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Gegründet mit viel Idealismus und wenig Geld, sendet ByteFM seitdem ein einzigartiges Programm aus dem Hamburger Medienbunker an der Feldstraße: Rund um die Uhr moderiertes Musikradio, ohne Computerrotation und Werbespots, nicht durch Gebühren finanziert, sondern durch den Verein «Freunde von ByteFM e.V.» mit inzwischen mehr als 5.000 Mitgliedern.

«Wir sind stolz, dass wir unter widrigen wirtschaftlichen Umständen durchgehalten haben und freuen uns über die vielen Auszeichnungen für unser Programm», sagt Gründer Ruben Jonas Schnell. Dazu zählen zum Beispiel der Grimme-Preis, diverse Auszeichnungen für die musikjournalistische Arbeit und zwei Lead-Awards für die Gestaltung der Webseite.

Rund 100 ehrenamtliche Moderatorinnen und Moderatoren sind heute für ByteFM tätig. Viele davon arbeiten als Kulturschaffende in Clubs, Agenturen oder Galerien, als Musikerinnen und Musiker oder sind journalistisch für Print-Medien und öffentlich-rechtliche Sender tätig.

«Bei ByteFM haben wir Freiheiten und Möglichkeiten, die es nirgendwo sonst gibt», meint Moderator Klaus Walter. «Viele junge Moderatorinnen und Moderatoren bekommen bei ByteFM eine Chance», sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Diviam Hoffmann. «Wir betreuen junge Stimmen intensiv. Der Weg zum Mikrofon ist bei uns kürzer als bei anderen Stationen.»

Gründer und Geschäftsführer Ruben Jonas Schnell hat unsere Fragen beantwortet.

Frage: Zehn Jahre ByteFM. Habt Ihr Euch das damals so vorgestellt?

Antwort: So weit konnten wir damals noch gar nicht denken. Als wir ByteFM vor zehn Jahren gegründet haben, war das ein Liebhaber-Projekt: Unser eigener kleiner Sender. Dass wir damit dermaßen viele Leute erreichen und begeistern würden, hatten wir zwar irgendwie gehofft, aber sicher waren wir uns natürlich nicht. Übrigens ahnten wir damals auch noch nicht, wie viel Arbeit und Zeit wir in ByteFM investieren müssten. Letztlich ist der Sender immer größer und professioneller geworden. Wir erreichen heute täglich rund 50.000 Hörerinnen und Hörer und unser Förderverein wächst. Das ist auch wichtig, damit wir unser Programm verbessern und irgendwann unsere Moderatoren, die aktuell noch ehrenamtlich arbeiten, endlich auch bezahlen können.

Frage: Was zeichnet ByteFM aus? Was macht Ihr eigentlich?

Antwort: Knapp gesagt machen bei ByteFM Leute, die Musik lieben, ein moderiertes Programm für Leute, die Musik lieben. Und - ganz wichtig: Bei ByteFM gibt es keine Werbespots. Der Sender ist auch nicht durch Gebühren finanziert. Damit sind wir ein komplett unabhängiger Musik-Radiosender, der 24 Stunden am Tag über das Internet ausstrahlt und darüber hinaus sieben Stunden täglich über Programmfenster in Berlin und Hamburg auf UKW. ByteFM funktioniert somit ähnlich wie das «public radio» in den USA: Finanziert von Hörerinnen und Hörern machen wir ein Programm.

Frage: Warum macht Ihr das?

Antwort: Wir sind Überzeugungstäter. Wir lieben Musik und wir lieben das Radio. Wir haben uns mit ByteFM einen Traum erfüllt: ein Sender, der so klingt wie wir uns gutes Musikradio vorstellen. Mit vielen Interviews, Hintergrundinformationen und vor allem mit guter und immer wieder überraschender Musik. Fast täglich sind Bands und KünsterInnen zu Gast im Hamburger Studio oder in der Berliner ByteFM-Dependance. Allein in den letzten Wochen unter anderen Spoon, Slowdive, Little Dragon, The Shins, The Residents, Arrested Development oder Tangerine Dream. Bei ByteFM gibt es keine Musik-Rotation. Keine Hit-Hits. Sondern Musik, die die Moderatoren persönlich berührt. Mit ihrer Begeisterung erreichen sie auch die Hörerinnen und Hörer.

Frage: Wie sieht die Zukunft aus?

Antwort: Ich will nicht sagen «rosig», aber wir blicken optimistisch nach vorne. Internetradio ist das Radio der Zukunft. Schon jetzt hören immer mehr Menschen über Ihr Smartphone Radio. In der nahen Zukunft wird Internetradio auch in Autoradios Standard sein. Wir sind zuversichtlich, dass die Hörerzahlen von ByteFM weiter steigen und wir immer mehr Leute für unser Programm begeistern. Wer sich für Musik interessiert und nicht immer wieder dasselbe hören möchte, ist in der Regel von ByteFM begeistert.

Frage: Habt Ihr viele junge Mitarbeiter?

Antwort: Ja! Das ist ganz wichtig für ByteFM. Bei uns können junge Leute erste Erfahrungen am Mikrofon sammeln. Wir zeigen ihnen, wie sie Musik-Sendungen so aufbereiten, dass es Spaß macht zuzuhören. Und dass auch Leute den Zugang finden, die sich nicht so gut auskennen. Besonders. Es freut uns, dass viele Leute, die bei ByteFM angefangen haben, Radio zu machen, inzwischen nicht nur für uns, sondern auch für öffentlich-rechtliche Sender tätig sind, als Moderatorinnen und Redakteure. Offenbar machen wir bei unserer Ausbildung etwas richtig. Da die wirtschaftliche Situation für ByteFM nach wie vor schwierig ist, wäre es deshalb schön, wenn wir - durch die Politik - Unterstützung für die Ausbildungsleistungen erhielten, die wir jungen Radiomachern zuteil werden lassen.

Frage: Sind Streaming-Dienste wie Spotify, Deezer, Apple Music keine übermächtige Konkurrenz?

Antwort: Diese Anbieter sind natürlich viel größer als wir. Und machen den Hörern ein tolles Angebot, das sich letztlich aber deutlich von dem unterscheidet, was wir bei ByteFM tun. Bei uns treffen Hörer keine Vorauswahl und geschmackliche Vorlieben definieren nicht, was einem vorgesetzt wird. Dennoch bekommen die Leute Qualität. Und das spüren sie auch. Ich habe den Eindruck, dass Streaming-Dienste eine ideale Vorarbeit für das Angebot schaffen, das ByteFM darstellt. Denn wer sich für Musik interessiert, ist irgendwann auch offen und dankbar für Überraschungen, die unser Programm permanent liefert.

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