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Irgendwann ist auch mal gut

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"Irgendwann ist auch mal gut"
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Fabian Hinrichs (r) als Karsten, Vilmar Bieri (M) als Assistent Beinholt (Vilmar Bieri, M.) und Maresi Riegner als Auszubildende Ellie in einer Szene des Films "Irgendwann ist auch mal gut". Foto: Anne Bolick/ZDF/dpa Foto: dpa

Die Eltern wollen sterben. Der Sohn möchte das auf gar keinen Fall. Stoff für eine rabenschwarze und sehr komische Tragikomödie im ZDF.


Berlin (dpa) - Was für ein Morgen. Karsten (Fabian Hinrichs) steht noch mit sichtlich guter Laune auf, schlüpft in seinen grauen Anzug, trinkt einen Kaffee und eilt nach nebenan ins spießige Büro - er ist Bestatter. Doch sein Lächeln gefriert, als er seinen Wellensittich begrüßen möchte. Der Vogel liegt nämlich tot am Boden des Käfigs. Dann ruft Anwältin Sandra (Julia Richter) an, denn Karstens Frau will sich scheiden lassen. Doch der Hammer kommt beim Weihnachtsessen mit seinen Eltern Marion (Franziska Walser) und Theodor (Michael Wittenborn): Sie eröffnen ihm, dass sie am Silvesterabend aus dem Leben scheiden wollen, durch das sie seit 52 Jahren gemeinsam gehen. Der Vater leidet seit langem an Parkinson und seine gesunde Frau möchte ihm in den Tod folgen. So geht die ZDF-Tragikomödie »Irgendwann ist auch mal gut« am Donnerstag (23.15 Uhr) los.

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Fortan hat der Sohn keine ruhige Minute mehr. Seine Assistentin ist das ganze Gegenteil vom scheinbar emotionslosen Karsten: Ellie (fabelhaft: Maresi Riegner) umarmt gerne ihre trauernden Kunden, legt ihnen zum Kaffee einen Herzkeks dazu und bemalt die Särge bunt. Sie und andere zeigen Verständnis für das lebensmüde Paar, doch deren Sohn versucht alles, um sie von ihrer Absicht abzubringen: Er beseitigt alle möglichen Tatwaffen aus ihrem Haus, ruft versehentlich die Polizei samt Notfallambulanz, plant gar eine Entmündigung. Allerdings erfolglos, denn Suizid oder dessen Ankündigung stellen keine Straftat dar.

Den Konflikt zwischen den erstaunlich gelassenen Eltern und dem zunehmend verzweifelten Sohn, der auch noch selbst krank wird, zeigt Regisseur Christian Werner (42, »Der Besuch«) mit viel Sinn für Tempo und Irrwitz. Der Humor in seiner Tragikomödie ist tiefschwarz, die Dialoge teils sehr komisch, viele Situationen haarsträubend, die Musik (Peer Kleinschmidt) überaus passend. Die Darsteller überzeugen auf ganzer Linie: Fabian Hinrichs (46, »Ich brauche euch«) als überforderter Sohn, Franziska Walser (68, »So auf Erden«) als seelenruhige Mutter und vor allem Michael Wittenborn (67, »Deutschstunde«) als gebrechlicher Vater seien hier genannt.

Der emotional und liebevoll erzählte Film über das Loslassen entstand nach einer wahren Begebenheit um das Thema Alterssuizid und erzählt - ähnlich wie »Glück ist was für Weicheier« am vergangenen Donnerstag - vom Umgang mit dem Thema Tod innerhalb einer Familie, vom drohenden Verlust für den Sohn bis hin zu den plötzlich aufkommenden Zweifeln der Eltern am geplanten gemeinsamen Suizid. Nach dem ebenso ergreifenden wie turbulenten Ende bleibt immerhin die Erkenntnis, schon Ja zum Leben zu sagen, aber eben nicht immer Nein zum Tod.

© dpa-infocom, dpa:200721-99-870407/2

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