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Ja zu Variante Zwei – Massiv- statt Holzbau für Mittelschule

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Bischofswiesen: Photovoltaik-Anlage für Mittelschulgebäude geplant – Massiv- statt Holzbau
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Zwei Erdgaskessel und ein Blockheizkraftwerk sollen künftig das neue Mittelschulgebäude beheizen. Auch das Übergangsrathaus wird thermisch angeschlossen. (Foto: Christian Wechslinger)

Bischofswiesen – Nachdem der Gemeinderat auf den geplanten Holzbau in den Obergeschossen des Mittelschulgebäudes verzichtet hatte, sollen nun zwei Spitzenlastkessel und ein Blockheizkraftwerk (BHKW) die Einrichtung beheizen. Das entschied der Gemeinderat in der Sitzung am Dienstag einstimmig. Johannes Pickl vom Institut für Energietechnik (IfE) präsentierte das Energiekonzept. Zusätzlich ist eine Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) geplant.


»Wir haben ein umfassendes Konzept ausgearbeitet. Herr Pickl hat sich intensiv damit auseinandergesetzt«, so Bürgermeister Thomas Weber. Dabei analysierte Johannes Pickl zunächst den derzeitigen Zustand der Heizstationen. Er stellte fest, dass die Heizungshydraulik in der Heizzentrale und den Unterstationen Probleme bereitet. Zudem ist die derzeitige Energieversorgung des Feuerwehrhauses unzureichend. »Für den Neubau des Mittelschulgebäudes besteht zusätzlicher Strom- und Wärmebedarf«, fasste Pickl zusammen.

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Mit Blick auf die nächsten 20 Jahre stellte der IfE-Mitarbeiter sieben Varianten zur künftigen Energieversorgung vor. Ob Pellets-, Bioerdgaskessel oder Wärmepumpen: Pickl hat verschiedene thermische Anschlüsse auf Wirtschaftlichkeit und CO2-Emissionen geprüft. Das Ergebnis: Die zweite Variante, ein BHKW und ein Erdgaskessel für Spitzenlast, hat am besten abgeschnitten. »Ich empfehle aus Sicherheitsgründen aber, den Spitzenlastkessel auf zwei Körper aufzuteilen«, so Pickel. Sollte ein Kessel ausfallen, sei die Energieversorgung der Schule noch möglich.

Hans Metzenleitner (SPD) und Thomas Weber waren von diesem Vorschlag begeistert. »Wir benötigen die Sicherheit, wenn eine Anlage ausfällt«, so der Rathauschef. Allgemein kam die zweite Variante im Gremium bestens an. »Wir sind nicht der ökologische Vorreiter, aber dieser Anschluss ist zeitgemäß. Wirtschaftlich und ökologisch halte ich die zweite Variante für sinnvoll«, betonte Metzenleitner. Zudem lobte er, dass man auf eine Insellösung verzichte und stattdessen die Energieversorgung für die gesamte Anlage umsetzt.

Damit gemeint war der thermische Anschluss an das Übergangsrathaus. »Aus energietechnischer Sicht halte ich den thermischen Anschluss für sinnvoll. Das BHKW hätte eine längere Lebensdauer«, so Pickl. Vom Stromanschluss hingegen rät er ab. Diese Ansicht teilte auch Thomas Resch (Freie Wähler). »Wir müssen das Rathaus mit Wärme versorgen. Der Stromanschluss lohnt sich aber nicht«, sagte der 2. Bürgermeister.

Thomas Weber schloss sich Resch an: »Zum einen bekommen wir ein Problem mit den Kosten. Zum anderen haben wir keine Autarkie mehr«, so der Bürgermeister. Würde der Strom ausfallen, wäre es verheerend für ein »Black-out-Szenario«. Darunter ist folgendes zu verstehen: Teile des Rathauses müssen im Katastrophenfall betriebsfähig sein. Hierzu benötige man ein Notstromaggregat, das mit dem Stromanschluss an die Schule nicht möglich wäre.

Michael Sturm freute sich, dass man die Möglichkeiten genauer untersucht hat. »Ich bin zufrieden, aber nicht euphorisch«, sagte er. Über den Brennstoff Holzpellet hätte man zwar mehr CO2 eingespart. »Mit dem kleinen Haushalt wird es aber für eine kleine Kommune schwer, dies zu stemmen.« Man müsse eine Balance zwischen Ökologie und Wirtschaftlichkeit schaffen.

Noch mehr freute sich der Grünenpolitiker über die PV–Anlage, die auf dem Dach installiert werden soll. Pickl kann eine solche Anlage zur Eigenstromnutzung nur empfehlen. In diesem Zusammenhang präsentierte er zwei Modelle: eine kleinere Anlage mit zehn, eine größere mit 27 Kilowatt Peak. »Letztere liefert bessere Ergebnisse. Die größere Anlage würde sich früher refinanzieren«, lautete Pickls Fazit. Die größere Anlage kam auch im Gremium besser an.

Thomas Resch fragte nach, wie viel Platz noch überbleibt, um den Schnee aufzufangen. Liegt Schnee auf den PV-Modulen, fängt er an, zu rutschen. Würde man die ganze Dachfläche mit einer PV-Anlage versehen, fällt der Schnee in den Innenhof. Das gefährde die Schüler. »Eine Auffangfläche von vier Metern ist geplant«, antwortete Johann Ertl vom Technischen Bauwesen. Mittels Stangen und Netz will man den Schneerutsch bremsen.

Darüber hinaus wünschte sich Sturm eine Anzeigentafel mit der Stromproduktion. »Gerne nehmen wir den Vorschlag in den Beschluss auf«, antwortete Thomas Weber. Josef Stangassinger (UBB) begrüßte ebenfalls die zweite Variante. »Die Mischung ist super.« Das BHKW und die PV-Anlage würden sich gut ergänzen.

Ähnlich positiv äußerte sich Simon Schwaiger (CSU): »Als Entscheider habe ich den Eindruck, dass man sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Es hat sich sogar herausgestellt: Die PV-Anlage ist doch nicht kontraproduktiv, wie es erst hieß. Die zweite Variante ist absolut vorteilhaft.«

Verzicht auf Holz

Änderungen im Neubau des Mittelschulgebäudes: Die drei Obergeschosse sollen nun im Massivbau errichtet werden. Das beschloss der Gemeinderat Bischofswiesen in einer nicht öffentlichen Sitzung im Mai. Ursprünglich war ein Holzbau geplant. Doch viele Auflagen vonseiten des Landratsamts machten die Umsetzung schier unmöglich.

Die Konstruktion wäre laut Geschäftsleiter Rupert Walch nur rudimentär erkennbar gewesen, denn man hätte 90 Prozent davon mit Brandschutzplatten bekleiden müssen. Somit würde sich dieses Vorhaben sich verzögern, was man in der Gemeinde vermeiden wollte.

Patrick Vietze