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Jansens Ausraster gegen Nincevic erstickt HSV-Freude

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Der verletzte Berliner Ivan Nincevic wurde aus der Halle gebracht. Foto: Axel Heimken Foto: dpa

Hamburg (dpa) - Nach dem schwer erkämpften Sieg saß Torsten Jansen in der Kabine und weinte. Nach Jubel war dem Hamburger wegen seines bösen Ausrasters gegen Berlins Ivan Nincevic nicht zumute.


Dabei hatte sein HSV Hamburg gerade den Top-Rivalen Füchse Berlin mit 28:25 besiegt und sich wieder Hoffnung auf Platz vier und der Champions-League-Qualifikation verschafft. Aber nach Jansens brutalen Kopfstoß 37 Sekunden vor Spielende wurde das Ergebnis zur Nebensache. Nincevic ging zu Boden und war kurzzeitig bewusstlos. Im Krankenhaus wurde die fünf Zentimeter lange Risswunde unterm rechten Auge genäht.

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»Das Jochbein ist nicht gebrochen«, sagte der Kroate erleichtert. »Mir ist nur schlecht und schwindelig.« Der ärztliche Befund war lang: schwere Prellung am Jochbein und am Hinterkopf, große Fleischwunde, die noch im Hamburger Krankenhaus genäht wurde, und schwere Gehirnerschütterung. Der 31-Jährige weiß derzeit nicht, ob er rechtliche Schritte gegen Jansen wegen Körperverletzung einleiten soll. »So weit denke ich jetzt noch nicht. Hauptsache gesund werden«, meinte der Berliner Linksaußen, der für seine provokante Spielweise bekannt ist.

Am Mittwochmorgen rief Jansen seinen Gegenspieler an und bat um Verzeihung. Der Kroate nahm die Entschuldigung an. »Es tut mir leid, was passiert ist. Das habe ich nicht gewollt. Ich habe mich selbst erschrocken und wünsche Ivan Nincevic schnelle Genesung«, sagte Jansen in einer HSV-Mitteilung und bekannte: »Das ist mir in 13 Profi-Jahren nicht passiert.«

Für Nincevic ist die Saison beendet. Das bedeutet: Er wird nie mehr im Trikot der Füchse spielen. Am Saisonende verlässt er den Verein. Berlins Manager Bob Hanning war am Morgen nach der brutalen Attacke immer noch geschockt: »Provokation ist das eine. Aber das war Körperverletzung. Das hat im Handball nichts zu suchen. Nach dem Videostudium gibt es keine zweite Meinung.«

Was in den 36-jährigen, eigentlich stets fairen Jansen gefahren war, konnte niemand nachvollziehen. »Ich hatte Torsten lange als Spieler«, berichtete Hanning, der von 2002 bis 2005 den HSV trainiert hatte. »Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass Torsten 36 Jahre lang ein einwandfreier Sportler war und viel für den deutschen Handball getan hat.«

Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson fuhr HSV-Coach Martin Schwalb während der Pressekonferenz an, weil dieser von »einem Zusammenstoß« zwischen Jansen und Nincevic gesprochen hatte. »Das war kein Zusammenstoß. Jansen hat Nincevic geköpft«, ereiferte sich Sigurdsson. Den Hamburgern war nicht wohl in ihrer Haut. »Die Stimmung ist getrübt. Wir können den Sieg nicht richtig genießen«, gestand Rückraumspieler Pascal Hens.

Weil die Disqualifikation einen Bericht zur Folge hat, muss Jansen mit Konsequenzen rechnen. »Er wird für 14 Tage vorsorglich gesperrt. In dieser Zeit hat der HSV die Möglichkeit zur Stellungnahme. Dann entscheidet die Disziplinarkommission«, sagte Spielleiter Uwe Stemberg. Die Höchstsperre beträgt zwei Monate plus Geldstrafe. Allerdings kann Jansen nur für Bundesliga-Partien in dieser Saison suspendiert werden, und das sind nur noch zwei.

Der HSV ist bis auf einen Punkt an die viertplatzierten Füchse herangekommen. Wer den Platz am Ende besetzt, darf am Qualifikationsturnier zur Champions League teilnehmen. »Alles ist im grünen Bereich«, sagte Hanning und versprach: »Wir gewinnen die nächsten beiden Spiele.«

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