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Japan beschließt Atomausstieg bis 2040

Tokio (dpa) - Eineinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima hat Japan den Atomausstieg eingeleitet. Die Regierung von Ministerpräsident Yoshihiko Noda beschloss am Freitag, in den «2030er Jahren» aus der Atomenergie auszusteigen.

Japan beschließt Atomausstieg
TEPCO-Mitarbeiter und Journalisten in Fukushima im Februar 2012. Eineinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe beschließt Japan den Atomausstieg. Foto: Yoshikazu Tsuno Foto: dpa

Japan folgt damit dem Beispiel Deutschlands. Bis zum GAU in Fukushima in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 hatten Japans Atomkraftwerke rund 30 Prozent des Strombedarfs gedeckt. Weitere Akw sollten in den kommenden Jahren hinzu kommen.

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«Der Atomausstieg Japans, der weltweit drittgrößten Wirtschaftsnation, ist ein wegweisendes Zeichen für das Ende der Atomenergie weltweit», so Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Mit Japan stehe nach Deutschland ein weiteres Hochtechnologieland vor einer Energiewende und dem vorrangigen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Die neue Energiepolitik sieht vor, die Laufzeit bestehender Reaktoren auf 40 Jahre zu begrenzen. Neue sollen nicht gebaut werden. Zugleich soll die Erzeugung von erneuerbarer Energie bis 2030 auf 300 Milliarden Kilowatt-Stunden verdreifacht werden. Zudem soll der bisher monopolistisch strukturierte Strommarkt liberalisiert werden.

Der GAU in Fukushima hatte das jahrzehntelange Vertrauen der Japaner in die Atomsicherheit fundamental erschüttert. Es kam zu beispiellosen Massendemonstrationen, die Mehrheit der Wähler forderte in Umfragen den vollständigen Ausstieg aus der Kernkraft. Seit diesem Mai blieben sämtliche 50 einsatzfähigen Reaktoren zu Wartungsarbeiten abgeschaltet. Stattdessen fuhr Japan eingemottete Thermalkraftwerke wieder an und muss seither massenhaft Öl und Gas einführen. Die neue Energiepolitik sieht nun vor, Japans Emissionen an Treibhausgasen bis 2030 auf rund 20 Prozent des Niveaus von 1990 zu senken. Damit gesteht Japan laut Kritikern ein, dass es schwierig sein wird, seine internationale Zusage zur Senkung um 25 Prozent bis 2020 zu erfüllen.

Im Juli fuhr die Regierung unter Hinweis auf drohende Stromausfälle mit schweren Folgen für die Wirtschaft zwei Atomreaktoren im AKW Oi wieder an. Weitere dürfen nur hochgefahren werden, wenn die neue Atomaufsichtsbehörde sie für sicher erklärt. Allerdings beschloss die Regierung am Freitag zugleich, die Wiederaufbereitung von abgebrannten Brennstäben vorerst fortzusetzen, was Kritiker als Widerspruch zum Ausstiegsbeschluss bezeichnen.

Die Provinz Aomori und das Dorf Rokkasho, wo eine umstrittene Wiederaufbereitungsanlage steht, übten starken Druck auf die Regierung aus. Die Provinz fordert, die Wiederaufbereitungspolitik nicht aufzugeben. Die Anlage ist auch 20 Jahre nach Baubeginn wegen wiederholter Pannen noch nicht voll in Betrieb, weswegen Japan seinen Brennstoff in Großbritannien und Frankreich aufbereiten lässt. Zugleich lässt Japan dabei anfallenden Atommüll in Rokkasho lagern.

Die Provinz droht damit, die Aufnahme von abgebrannten Brennstäben aus ganz Japan zu verweigern, sollte die Wiederaufbereitung enden. London hat laut Medien bereits Tokio aufgefordert, sicherzustellen, den Müll weiter aufzunehmen. Das neue Energiekonzept sieht ferner vor, vorerst weiter am umstrittenen Schnellen Brüter Monju festzuhalten, um unter anderem Wege zur Reduzierung von Atommüll zu erforschen. Dies soll jedoch irgendwann auch eingestellt werden.