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»Je mehr geschossen und gerauft wurde ...«

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Erzählten von den Traunsteiner Kinos: (von links) Otto Huber, Silvia Nett-Kleyboldt, Marianne Wimmer und Willi Schwenkmeier. (Foto: Heel)

Stilgerecht in einem (voll besetzten) Kinosaal fand die »Erzählcafé«-Veranstaltung »Geschichten rund ums Kino in Traunstein« statt. Organisiert und moderiert von Silvia Nett-Kleyboldt unter der Federführung des Katholischen Bildungswerks erfuhren die Zuhörer dabei vor allem, wie sich die Kinolandschaft in Traunstein seit ihren Anfängen im Jahr 1911 entwickelt hat.


Eine besondere Rolle habe hierbei, wie Frau Nett-Kleyboldt ausführte, Anton Goldner gespielt, der bereits 1936 »Meine Memoiren als Kinobesitzer« veröffentlicht hat. Seine Laufbahn begann am 5. April 1913, als er in den Räumen seines Hauses an der Marienstraße 1 sein Kino mit 170 Sitzplätzen eröffnete. Der erste große Film, der dort gespielt wurde, war »Quo Vadis«, ansonsten liefen Wildwest- und Indianerfilme sehr gut: »Je mehr geschossen und gerauft wurde, desto besser gefielen die Filme.« Infolge des großen Andrangs erfolgte bereits im August eine Erweiterung auf 250 Plätze, wobei der teuerste Platz dem Preis einer Maß Bier entsprach: »Dieser Index war meinem Publikum am begreiflichsten.« Parallel dazu war Goldner in den Jahren von 1923 bis 1933 mit einem Wanderkino unterwegs, mit Touren vom Chiemgau bis nach Mittenwald, die er anfangs noch weitgehend mit dem Fahrrad bewältigte.

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Ein neues Kapitel begann für Goldner mit der am 10. Dezember 1936 erfolgten Eröffnung der Kur-Lichtspiele am Karl-Theodor-Platz, mit »... eigener Stromerzeugung, Warmluftheizung und Lufterneuerung, bequemen Notausgänge nach allen Seiten usw.«, wie ein Bericht im »Völkischen Beobachter« anmerkte. Nach dem Krieg gab es wegen der vorübergehenden Beschlagnahme durch die amerikanischen Besatzungsmächte zwar Probleme, ansonsten konnte der Betrieb bis zur Schließung im Jahr 1974 ungestört weitergeführt werden.

Mit den Kur-Lichtspielen eng verbunden war auch der Bergsteiger, Kajakfahrer und Weltenbummler Otto Huber, der dort in den 60er Jahren sehr erfolgreiche Lichtbildervorträge über seine Expeditionen gehalten hat. Neben einigen Anekdoten aus dieser Zeit erzählte er, wie er durch einen Dokumentarfilm über den Grand Canyon, der nach dem Krieg im Rahmen der Re-Education in den Kur-Lichtspielen gezeigt wurde, Lust auf eigene Abenteuerreisen bekommen habe.

Die neben Goldner maßgebende Persönlichkeit der Traunsteiner Kinolandschaft war Hans Manzinger, der 1952 auf einem Bombengrundstück nahe des Bahnhofs das Traunsteiner Central-Kino begründet hat, das heute von Christian Manzinger in vierter Generation geführt wird. Und das nach der kürzlichen Schließung des Casablanca-Kinos in Haslach nun das einzige Kino (mit drei Sälen und insgesamt 602 Plätzen) in Traunstein ist. Marianne Wimmer, die seit bald 28 Jahren als Frau an der Kasse und am Kiosk mit dem Kino verbunden ist, erzählte dabei unter anderem, wie sie als erste »Fremde« in den bis dahin reinen Familienbetrieb eingestiegen sei. Ihr schönster Tag im Kino sei allerdings immer der 24. Dezember, wenn mit einem Sonderzug aus Waging Kinder »zum Warten auf’s Christkind ins Kino kommen.«

Auf das Truna-Kino, das sich in der Fuchsgrube 4 befand und von 1921 bis 1960 existiert hat, konnte Frau Nett-Kleyboldt nur am Rande eingehen, da es kaum noch Unterlagen dazu gibt. Genauso wie bei der ehemaligen »Lichtburg« in der Crailsheimstraße 8, die von 1954 bis 1968 in Betrieb war und auf deren Gelände heute ein Autohaus steht.

Willi Schwenkmeier erinnerte in seinen Beiträgen an Erlebnisse, die er selbst als Kinogänger in Traunstein hatte, speziell an den Schaukasten an der Mauer des Pfarrhofs, wo die Bewertungen des Katholischen Filmdiensts ausgestellt waren, unterteilt in vier Kategorien: 1 für alle geeignet, 2 nur für Erwachsene, unterteilt in 2 E (mit Einschränkungen) und 2 EE (mit erheblichen Einschränkungen), 3 abzulehnen und 4 abzuraten. Man kann sich denken, dass gerade letztere Kategorien für manche Kinobesucher eher eine Empfehlung darstellt haben. Wolfgang Schweiger