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»Jeder Mensch braucht eine Wohnung«

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Chor und Instrumentalgruppe der Fachakademie für Sozialpädagogik des Diakonischen Werks Traunstein machte den Gottesdienst zum Diakoniesonntag auch musikalisch zu einem Erlebnis. (Foto: Eder)

Traunstein – Das war ein froh gestimmter Gottesdienst zum Diakoniesonntag – trotz des ernsten Themas »Wohnungsnot«: Dafür sorgten Chor und Instrumentalgruppe. In dieser musikalisch bestimmten Atmosphäre fand Diakon Robert Münderlein, der Leiter der Sozialen Dienste der Diakonie, ernste Worte zur aktuellen Situation auf dem Wohnungsmarkt. Es war der Einstieg zur Herbstsammlung der Diakonie, die unter dem Motto »Für die Wohnungslosenhilfe« steht.


Münderlein schilderte in seiner aufrüttelnden Predigt zunächst die aktuellen Zahlen: Demnach leben in Deutschland rund 50 000 Menschen auf der Straße. Dies sei aber nur die »Spitze des Eisbergs«; denn weitere 800 000 Personen hätten keine eigene Wohnung mehr und müssten bei Verwandten oder Freunden unterkommen und seien somit auf andere Menschen angewiesen und von ihnen abhängig. Auch in Traunstein, so betonte Münderlein, gebe es diese Fälle: »Natürlich bekommen Wohnungslose Lebensmittel von der Tafel am Montag und Mittwoch hier im Eingangsbereich unserer Kirche, doch wo sollen sie kochen?«

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Die Diakonie biete immerhin die Möglichkeit an, sich zu duschen, Kleidung zu waschen und Decken zu bekommen. Auch eine Postadresse werde zur Verfügung gestellt, was immer wichtiger werde: »Jetzt Mitte Oktober sind es bereits 32 Menschen, die in diesem Jahr auf das Angebot angewiesen sind. Vor sechs Jahren waren dies noch 16 im ganzen Jahr.« Und die Tendenz sei weiter steigend. Denn nicht nur in den Großstädten, »auch bei uns in Traunstein gibt es immer weniger bezahlbaren Wohnraum«.

Die Gründe für Wohnungslosigkeit sind vielfältig: auseinandergehende Partnerschaften, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Wohnungskündigungen. Wenn mehrere solcher Ereignisse zusammenkommen, so Münderlein weiter, kämen Betroffene oftmals rasch in einen Teufelskreis, aus dem manche schwer oder gar nicht mehr herausfinden. Von daher fordert die Diakonie schon seit langem eine Fachstelle gegen Wohnungslosigkeit, »damit schnell und intensiv möglichst alles unternommen wird, dass die drohende Wohnungsräumung verhindert wird«.

Münderlein stellte das Thema auch in Beziehung zum Grundgesetz und zur Religion. »Die Würde des Menschen ist unantastbar«, heißt es im Grundgesetz-Artikel 1, und zu dieser Menschenwürde »zählt auch das menschenwürdige Wohnen«, betonte der Prediger. Und zudem gebe es »einen klar erkennbaren Zusammenhang zwischen religiösem Tun und dem ethischen Verhalten gegenüber den Menschen«, also »zwischen dem, was man im Gottesdienst hört, betet und bekennt, und dem, wie man draußen vor der Tür miteinander umgeht: Wenn das auseinanderklafft, hat Gott keine Freude an uns.« Zudem zerreiße wachsende Ungleichheit die Gesellschaft von innen heraus. So dürfe das Recht auf menschenwürdigen Wohnraum nicht in Frage gestellt werden.

Die berührende Thematik des Gottesdienstes war hineingestellt in ein ebenfalls sehr ansprechendes, musikalisches Programm. Der Chor und eine Instrumentalgruppe der Fachakademie für Sozialpädagogik des Diakonischen Werks Traunstein mit Gitarren, Kontrabass, Flöte, Hörnern und Djemben gestaltete die Feierstunde. Diakonie-Vorstand Andreas Karau lobte »die ganz besondere und belebende« musikalische Umrahmung der Studierenden: »Es war eine Freude, mit Ihnen zu singen!«. he

Wer das Angebot der Wohnungslosenhilfe unterstützen möchte, kann dies tun auf dem Diakonie-Spendenkonto DE16 7105 2050 0000 0068 90, Stichwort H2018.

 

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