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Jens Badura: Ein Netzwerker im alpinen Lebensraum

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Denker und Bergfex: der in Marktschellenberg lebende Schweizer Kulturphilosoph Jens Badura. (Foto: Kastner)

Ramsau – »Viele Leute verstehen nicht, was ich genau mache und womit ich mein Geld verdiene«, sagt Jens Badura. Das ist nicht allzu verwunderlich, denn der Erfinder und Leiter des Ramsauer Bergkulturbüros ist so vielschichtig engagiert, dass man schnell den Überblick verlieren kann.


In jedem Fall ist der 47-Jährige, der seit Kurzem mit seiner Familie in der Scheffau wohnt, ein Netzwerker im alpinen Lebensraum. Er geht konsequent der Frage nach, wie Menschen in den Alpen künftig leben können und wollen.

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Beruf und Erscheinungsbild driften bei Jens Badura weit auseinander. Als studierter Kulturphilosoph lehrt er an Universitäten, nimmt an Forschungsprojekten teil und ist gefragter Vortragsredner auf internationalen Tagungen. Anzug und Krawatte sind für ihn allerdings keine Option, am liebsten präsentiert sich der sportliche Akademiker in lässiger Bergsteigerkleidung. Spätestens wenn Badura dann über seine Arbeit zu philosophieren beginnt, gehört ihm die ganze Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft. Dann ist der Neu-Marktschellenberger in seinem Element.

»Mir geht es um nachhaltiges Leben in den Alpen«, sagt Jans Badura im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. In sein Netzwerk lässt er Erfahrungen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Tourismus und Naturschutz mit einfließen. Beim Thema Alpentourismus stellt sich Jens Badura beispielsweise die Frage, ob es Sinn macht, jedem Trend hinterherzulaufen. »Wie es im Berchtesgadener Land grundsätzlich läuft, ist schon gut«, sagt Badura. Er hat auch nichts gegen Großprojekte im Sinne des Tourismus. »Aber bevor solche Projekte in Angriff genommen werden, müsste oft das Umfeld besser geklärt und geregelt werden.«

Das Label »creativeALPS«

Viele solche Fragen werden in dem von ihm gegründeten Label »creativeALPS« erörtert. Ende Mai gab es im Rahmen von »creativeALPS« bei der Salzburger ARGEKultur eine Veranstaltungsreihe. Filmisch, literarisch und musikalisch leistete die ARGEKultur in Kooperation mit dem Bergfilmfestival und dem Literaturfest Salzburg einen Beitrag dazu, »die Alpen ästhetisch und dialogisch zu vermessen, neue Narrative für ihre Entwicklung zu erfinden und sie so als Lebensraum jenseits von Klischeezone und Sehnsuchtskatalysator zukunftsfähig zu machen«. Alle Themenabende waren mit bis zu 150 Zuschauern ausverkauft.

Zusammen mit Bergführer Hansi Stöckl von der Bergschule Watzmann/Alpine Welten hat Jens Badura außerdem das Projekt »Ready to go« aus der Taufe gehoben. »Die Leute sollen für die Gefahren am Berg, den Naturschutz und die hiesige Kultur sensibilisiert werden«, erklärt Jens Badura. Für die Zwei-Tage-Tour zum Stahlhaus gibt es bereits zahlreiche Anmeldungen, auch eine Sechs-Tage-Tour mit Alpinwandern ist geplant.

Genossenschaftliche Wohnmodelle?

Für Jens Badura ist es immer wichtig, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Deshalb lässt er die Erfahrunen der Menschen in vergleichbaren Orten in seine Arbeit im Berchtesgadener Talkessel mit einfließen. »Es ist wichtig, die lokalen Verhältnisse in den großen Kontext zu setzen und umgekehrt«, sagt der 47-Jährige.

Ein Beispiel dafür könnten Wohnmodelle für die Zukunft sein. Genossenschaftliches Wohnen ist in den Städten bereits sehr beliebt, aber kann es auch auf dem Land wie in Berchtesgaden funktionieren? »Leer stehende Gebäude,die dafür infrage kämen, wären hier jedenfalls vorhanden.«

Aktuell bereitet Jens Badura die Jahrestagung der Bergsteigerdörfer vor, die im Oktober in Ramsau stattfinden wird. Dabei soll es um die Zukunft der Bergsteigerdörfer gehen. Und dann wird es zum Jahresende wieder die »Ramsauer Gespräche« geben. »Klimawandel lokal« soll das Thema sein. Das Alpine Philosophicum wird es dagegen heuer nur in reduzierter Form geben.

»Das Netzwerk funktioniert«

Es gäbe noch viel zu sagen über Baduras Tätigkeitsfelder: Da ist beispielsweise die Zusammenarbeit mit Studenten im Rahmen von Masterstudiengängen oder seine Beiratsarbeit in der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA. »Das Netzwerk funktioniert«, freut sich Badura und will es deshalb noch weiter ausbauen. »Politik, Kultur und Bildung müssen noch weiter vernetzt werden, dafür bildet das Label CreativeALPS eine gute Grundlage.«

Stolz ist der Kulturphilosoph auch darauf, dass das Bergkulturbüro in Ramsau bereits grenzüberschreitend bekannt sei. »Sicher kommen dadurch auch viele Leute hierher, die sonst vielleicht nicht gekommen wären. Und dabei geht es nicht um Bettenbelegungen.« Ulli Kastner