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»Jesus liebt auch deine alten Lieder«

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Winfried Klima (rechts) mit einem Teil seiner Band bei der mitreißenden Bob-Dylan-Tribute-Show im Traunreuter k1. (Foto: Heel)

Winfried Klima und Band ließen im voll besetzten Studiotheater des Traunreuter k1 mit ihrem Projekt »Dylan on the Rocks« nicht nur die 60er Jahre wiederaufleben – eine Zeit, in der der inzwischen fast 75-jährige Bob Dylan bereits 100 000 Dollar für ein Konzert kassierte. Die Bob-Dylan-Tribute-Show war auch an diejenigen gerichtet, die nicht mit Dylans Musik aufgewachsen oder mit seiner Karriere vertraut sind, weswegen Winfried Klima gleich eingangs ein paar der wichtigsten Fakten zu Dylan präsentierte.


Geboren am 24. Mai 1941 als Robert Allen Zimmermann in Duluth/Minnesota, zog er 1961 nach New York, wo er sich als Hobo ausgab und in den Clubs des Künstlerviertels Greenwich Village erste Erfolge feierte, noch ganz in der Folk-Tradition eines Woody Guthrie oder Pete Seeger. Die Freundschaft mit Joan Baez machte die beiden zum »Traumpaar« der politisch engagierten Folkszene, eine Szene, von der Dylan sich jedoch bald distanzierte. Er wollte nicht das »Sprachrohr« der Protestbewegung sein, und als er 1965 auf dem Newport-Folkfestival zur E-Gitarre griff, gab es einen Aufschrei und er wurde als Verräter und »Judas« beschimpft.

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Quer durch Bob Dylans Schaffensperioden

Aus dieser Ära stellte Winfried Klima mit »Blowin' In The Wind« und »The Times They Are A-Changin'« zwei der bekanntesten Songs vor, solo und nur mit Akustikgitarre und Mundharmonika. Elektrisch verstärkt ging es mit Klaus Danner (Leadgitarre), Dieter Wolfmeier (E- und Akustikgitarre), Helmut Stepan (Bass), Werner Schmidt (Keyboards, Posaune) und Ralf Oelschlegel (Schlagzeug) dann weiter, spielten sich die sechs Musiker in wuchtiger, aber dennoch melodiebetonter Bluesrock-Manier quer durch alle Schaffensperioden Dylans, die noch folgen sollten.

Die fielen recht unterschiedlich aus, wie Winfried Klima weiter ausführte und mit den entsprechenden Songs belegte. Denn nachdem Dylan infolge eines mythenumwölkten Motorradunfalls für einige Zeit aus der Öffentlichkeit verschwunden war und mit Frau Sara und den gemeinsamen Kindern in der Nähe von Woodstock gelebt hatte, wandte er sich der Countrymusik zu und trat zum Entsetzen seiner Fans zusammen mit Johnny Cash auf. Mitte der 70er Jahre feierte er mit den Alben »Blood On The Tracks« und »Desire« dann ein Comeback und ging mit der legendären »Rolling Thunder Revue« auf eine weltweite Tournee.

»Du hast jemandem zu dienen, entweder Gott oder dem Teufel« (»Gotta Serve Somebody«) hieß der Song, mit dem Winfried Klima die nächste radikale Verwandlung Dylans antippte. Der hatte 1979 in Tucson/Arizona nämlich eine »Jesuserfahrung« gemacht und schrieb als wiedergeborener Christ von nun an Kirchenlieder. Gleichzeitig weigerte er sich, seine alten Lieder zu spielen, sodass ihm enttäuschte Fans bei seinen Konzerten Plakate mit der Aufschrift »Jesus loves your old songs too« (»Jesus liebt auch deine alten Lieder«) unter die Nase hielten.

Nach dieser Phase leitete Dylan 1989 mit dem Album »Oh Mercy« sein Spätwerk ein und begab sich auf seine »Never Ending Tour« rund um den Globus. Seitdem ist er ständig in Bewegung und gibt noch heute rund 80 Konzerte im Jahr, bei denen er seine Lieder ständig neu erfindet und revidiert. Dass Bob Dylan nach zwölf Grammys, einem Oscar für den Filmsong »Things Have Changed« und einem Pulitzer Spezialpreis noch immer für Überraschungen gut ist, bewies sein letztes Album »Shadows In The Night«, auf dem er mit seiner rauen, kratzigen Altersstimme ausgerechnet Songs von Frank Sinatra interpretierte.

Ein durchgehend mitreißendes Konzert

Mit einigen Songs aus Dylans Frühzeit wie »Don’t Think Twice It’s Allright« neigte sich das gut dreistündige, durchgehend mitreißende, Konzert dem Ende zu. Etwas differenzierter hätte lediglich Winfried Klimas Anmerkung zu »Knockin’ On Heaven’s Door« aus dem Peckinpah-Western »Pat Garrett jagt Billy the Kid« (1973) ausfallen können. Sicherlich, der Film, zu dem Dylan den grandiosen Soundtrack schrieb und in dem er auch eine kleine Rolle innehatte, war seinerzeit an den Kinokassen ein Flop. Heute jedoch gilt er als Meisterwerk und wird zu den besten Western aller Zeiten gezählt.

Perfekt ergänzt wurde das Konzert durch eine kurzweilige Bildershow, die neben Konzertaufnahmen Dylans auch Fotos aus seinem Privatleben und archetypische, amerikanische Landschaften zeigte. Bildmaterial, das Winfried Klima mit viel Aufwand und Mühe beschafft hatte, das seinem Projekt »Dylan on the Rocks« aber eine ganz besondere Note verlieh. Kein Wunder also, dass er und seine Band mit Standing Ovations verabschiedet wurden.

Am 20. Mai kommt Dylans neues Album »Fallen Angels« heraus, und wer weiß, vielleicht klappt es dieses Jahr auch mit dem längst überfälligen Literatur-Nobelpreis für Bob Dylan. Wolfgang Schweiger

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