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Jimi Hendrix 3.0

Im November letzten Jahres wäre der begnadete amerikanische Gitarrist und Sänger Jimi Hendrix 71 Jahre alt geworden – wenn nicht, wie auch bei etlichen anderen seiner Zunft, ein allzu früher Tod im Alter von 27 Jahren seinem kreativen Schaffen ein abruptes Ende bereitet hätte. Seine Verehrer – wie auch die von Jim Morrison, Janis Joplin, Kurt Cobain oder Amy Winehouse – bewegt natürlich die für alle Zeit ungelöste Frage, was für musikalische Geniestreiche der Welt des Rock und Pop durch deren frühes Ableben vorenthalten blieben. Bedenkt man weiter, welch unterschiedliche Versionen seiner Songs Jimi Hendrix dem Publikum noch zu Lebzeiten bei seinen Konzerten darbot, darf man durchaus darüber nachsinnen, wie »Hey Joe«, »Purple Haze« oder »Voodoo Chile« wohl klingen würden, stünde der Meister dank glücklicherer Umstände heute noch selbst auf der Bühne.

Eine Ahnung davon vermittelten wieder einmal – und diesmal so spannend wie noch nie – Tom Kraller & Friends bei ihrem alljährlichen Gastspiel im Traunsteiner Tres. Zusammen mit Bernhard Ostermaier am Bass und Andi Calvelli an den Drums hauchte der Ausnahmegitarrist Kraller dem Werk des Gitarrengottes Hendrix derart fulminant neues Leben ein und holte es ins dritte Jahrtausend, dass die Zuhörer vor Staunen und Begeisterung schier von den Socken waren. Besonders auffällig dabei, wie Tom Kraller in seinem Gitarrenspiel zusehends aus dem Schatten seines Vorbildes tritt und mit seinen aberwitzigen und dennoch filigranen und transparent strukturierten Sololäufen Songs wie »All along the Watchtower«, »The Wind cries Mary« oder dem langsamen Blues »Red House« eine immer deutlicher erkennbare eigene Handschrift verleiht. So also, denkt man unwillkürlich, könnte es klingen, hätte es der Meister selbst bis ins dritte Jahrtausend geschafft und nie nachgelassen in seinem Bestreben, seinen Emotionen musikalisch Ausdruck zu verleihen und seiner Fender Stratocaster Töne zu entlocken, welche die Welt noch nicht gehört hat... . Hei.

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