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Johann Sebastian Bach für Kinder und Erwachsene

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Pfarrer Sebastian Stahl (vorne links), Kontorin Ulrike Ruf, ein Barockorchester und die Traunsteiner Kantorei brachten den vielen Kindern und Erwachsenen in der Evangelischen Auferstehungskirche Traunstein den Komponisten Johann Sebastian Bach näher.

Glücklich die Gemeinde, die einen Pfarrer hat, der über seinen kirchlichen Dienst im engeren Sinne hinaus die musikalische Glaubensverkündigung in Wort und Tat umsetzen kann! Letzteres hat Pfarrer Sebastian Stahl kürzlich im Gottesdienst in der Waginger Simeonkirche gezeigt, als er zwei Choräle auf seiner Gitarre spielte und mitsang, begleitet von seinen jungen Töchtern.


Jetzt hat er zusammen mit seiner vielseitigen, rührigen Kantorin, Ulrike Ruf, und einem extra zusammengerufenen Barockorchester, mit einer Sopransolistin sowie dem Chor der Kantorei zu einem Gesprächskonzert eingeladen über Johann Sebastian Bachs Leben und Werk. Pfarrer Stahl verstand es, diesen 300 Jahre Fernen anschaulich zu vergegenwärtigen – sodass die zahlreichen Besucher mit den vielen Kindern ganz gebannt zuhörten.

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Eingangs erklang ein Ouvertürenteil der Orchester-Suite Nr. 2 in h-moll für Flöte, Streicher und Continuo (dieses auf der kleinen Truhenorgel): festlich rauschender, seidiger Klang, keine Kirchenmusik primär, sondern eher »Fürstenmusik«, zeitentsprechend.

Und Pfarrer Stahl hatte so keine weitere Überzeugungsarbeit, um die Schönheit und Bedeutung der Bachschen Musik darzulegen. Vielmehr konnte er unverzüglich auf den Menschen Bach und sein Lebensumfeld eingehen, das so ganz anders war als unser heutiges, mit Fürstenhöfen, Stadtmusikanten, aber auch Organisten und Kantoren, wie es sie heute noch gibt.

Interessant für die Kinder insbesondere, aber auch für manche Erwachsenen, waren die Lebensumstände des ganz kleinen Sebastian: achtes Kind, mit neun Jahren Vollwaise, vom Onkel und vom Bruder aufgezogen. Hineingeboren in eine seit mehreren Generationen schon professionelle Musiker-Großfamilie und daher schon weit vor dem Schulalter musikalisch »frühausgebildet«! – Und Pfarrer Stahl spannte den Erwartungsbogen meisterlich, wenn er die Dachboden-Erlebnisse des kleinen Bach andeutete, dann aber doch erst zum trostbringenden »Kyrie«-Gesang der Kantorei (aus Bachs h-moll-Messe) hinleitete, wie der kleine Bub hilfreich über den schrecklichen Verlust beider Eltern hinwegkam...

Und erst danach schilderte er eine Szenerie, wie man sie ähnlich vom kleinen Mozart kennt: wie Klein-Sebastian mit seinen Ärmchen die hinter Stäben versperrten Noten heimlich entwendete, um sie auf diesem Dachboden im Eisenacher Haus im Kerzenschein für sich abzuschreiben und sich so selbst beizubringen ...

Mit einem aufschlussreichen Interview stellte Pfarrer Stahl zwischendurch dem Publikum die Kantorin vor – sozusagen als Berufsnachfolgerin des Thomaskantors Bach –, die ihre verschiedenen Tätigkeiten und dann vor allem ihr Instrument Orgel, in der kleinen und großen Variante, erklären und demonstrieren konnte. Auch die Solo-Sängerin, Frau Plasse – quasi stellvertretend für Bachs Sängerinnen-Ehefrauen – wurde so nach ihrem Vortrag von Rezitativ und Arie aus einer Kantate über ihr stimmliches Instrumentarium befragt, das so mühelos klingt, aber doch vieler Übung bedarf.

Pfarrer Stahls weitere Schilderungen von Bachs Leben als Erwachsener, von den verschiedenen Stationen seines Lebens, seinen beiden Ehen und seinen zahlreichen Kindern – immer wieder unterbrochen von entsprechenden »Live«-Musikbeispielen – führten schließlich zu den für das Kirchenjahr so wichtigen Passionen und zum berühmten »Weihnachtsoratorium« als den Höhepunkten im Lebenswerk das großen Komponisten.

Der »Ruhet wohl«-Chor und der Schlusschoral aus der Johannespassion »Ach, Herr, lass dein lieb Engelein« gab zuletzt allen musikalisch Beteiligten und ihren Zuhörern Gelegenheit, aufs Wunderbarste zu einem gemeinsamen musikalischen Höhenflug zu gelangen!

Alle versammelten Eltern, Großeltern und die vielen kleineren und größeren Kinder werden es wohlgefällig aufgenommen haben, dass Kantorin Ulrike Ruf sie am Ende der Veranstaltung zu einer kirchenmusikalischen Eigenaktivität einlud: sich an einem Kinderchor zu beteiligen, der das weihnachtliche Krippenspiel begleiten soll! Roswitha Eichinger