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Johannes Frech stiehlt »heißen Schlitten« die Schau

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Mit ungewöhnlichem Traktor-Gespann auf europäischen Landstraßen zuhause: Johannes Frech (78) kann sich auch auf langen Touren auf seine Zugmaschine verlassen. Derzeit ist er im Chiemgau unterwegs. (Foto: Schick)

Ruhpolding – »Reise vor dem Sterben, sonst reisen deine Erben…«, sagt Johannes Frech auf dem Parkplatz gegenüber der Chiemgau-Arena und lacht verschmitzt. Diesen Spruch hat sich der Württemberger aus Schömberg bei Balingen als Lebensmotto ausgesucht, als er zum ersten Mal vor sechs Jahren auf ungewöhnliche Weise auf große Fahrt ging. Und nach dieser Maxime lebt er auch. Derzeit ist der 78-Jährige im Chiemgau und im Berchtesgadener Land im Rahmen seiner persönlichen Bayern-Tour unterwegs. Allerdings nicht mit dem Auto, wie man es von einem Senior erwarten würde: Johannes Frech tuckert seit Jahren mit Traktor und Wohnwagen als Anhängsel über europäische Landstraßen.


Dass er dabei immer wieder großes Aufsehen erregt, stört den unternehmungslustigen Globetrotter auf dem 42 PS starken Fendt-Bulldog keineswegs. Schon lange ist er es gewohnt, wenn Passanten und andere Verkehrsteilnehmer große Augen machen und sich nach seinem illustren Gespann umdrehen. Sobald er irgendwo eine Rast einlegt, umringt ihn eine Menschentraube, und schon ergibt sich das eine oder andere Gespräch.

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Da kann es dann schon mal sein, dass die Schaulustigen, wie letzthin am Königssee, nur ihn auf dem Schirm haben, obwohl ein »heißer Lamborghini« gleich daneben steht. »Und die Berge ringsum waren denen auch egal«, erzählt Johannes Frech etwas stolz über das Interesse nicht nur der Erwachsenen. Gerade Kinder sehen in ihm eine Art Jim Knopf aus der Augsburger Puppenkiste und würden am liebsten ein Stück mitfahren, um einige Abenteuer zu erleben.

Abenteuerlich würde er seine wochenlangen Exkursionen zwar nicht bezeichnen, dafür aber ungemein spannend und unterhaltsam. Vor allem, wenn er auf einem Bauernhof übernachten kann und der Besitzer dieselbe Vorliebe für Traktoren hat wie er. Dann dauert das Fachsimpeln meist bis spät in die Nacht. Was die beiden Fahnen an der Führerkabine bedeuten? Die baden-württembergische weht für ihn, die bayerische für seine niederbayerische Frau, die zu Hause sitzt und hofft, dass er gesund wieder heimkommt. Johannes Frech: »So ist sie symbolisch immer dabei.«

Heuer lässt es Frech etwas ruhiger angehen, zumal die vergangenen beiden Mammuttouren für Mensch und Material ganz schön ans Limit gegangen waren, wie er feststellen musste. Auf die 4200 Kilometer lange Vier-Länder-Fahrt Schweiz–Italien-Österreich–Deutschland, bei der er auch 38 Alpenpässe bewältigte, setzte er letztes Jahr noch eine Steigerung drauf. Da hatte er sich in den Kopf gesetzt, die bundesdeutschen Außengrenzen inklusive der Nordseeinseln abzufahren. Nach acht Wochen, 5350 Landstraßenkilometern und vielen Erinnerungen im Gepäck war auch dieses Vorhaben geschafft.

Ob sein sehnlichster Wunsch noch in Erfüllung gehen wird, die Donau von der Quelle (in deren Nähe ist er geboren) bis zur Mündung ins Schwarze Meer zu begleiten, steht allerdings noch in den Sternen. »In meinem Alter läuft einem halt die Zeit davon, da kannst du nicht mehr so planen wie mit 30,« lässt er seine Gedanken um die Zukunft kreisen. Ein Ziel, das er bei der bevorstehenden Heimfahrt auch ohne Navi ansteuern wird, hat er auf alle Fälle fest im Visier: das Bräustüberl in Tegernsee. Die Kloster-Einkehr stand nämlich damals als absolutes Muss auf dem Programm, als er noch beruflich mit seinen Busgästen in Bayern unterwegs war. Und die lässt er sich nicht entgehen. ls