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Traumwandlerisch

Jon Brion meisterhaft: Der Soundtrack zu «Lady Bird»

Es ist dieser typisch verspielte, zu Herzen gehende Jon-Brion-Klang, der den wunderbaren neuen Film «Lady Bird» von Greta Gerwig noch ein bisschen wunderbarer macht. Höchste Zeit, den Soundtrack-Komponisten aus New Jersey zu würdigen.

Jon Brion
Jon Brion in seinem Soundlabor. Foto: Annie Leibovitz Foto: dpa

Berlin (dpa) - Nicht einmal 30 Minuten lang ist das Album (und damit zugegebenermaßen arg kurz), aber was zählt schon schnöde Zeit, wenn man diese schwerelose, bewegende Musik hört. Jon Brions Soundtrack zum Oscar-nominierten «Lady Bird» von Greta Gerwig bestätigt aufs Allerschönste, dass dieser vor 54 Jahren in New Jersey geborene US-Musiker zu den besten Filmkomponisten unserer Zeit zählt.

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Auch Brions musikalische Untermalung für die Tragikomödie mit Saoirse Ronan in der Hauptrolle stand auf der Oscar-Shortlist 2018. Er musste sich dann aber bei den Nominierungen beispielsweise dem Briten Jonny Greenwood (Radiohead) mit «Phantom Thread» oder dem Deutschen Hans Zimmer mit «Dunkirk» geschlagen geben. Am Ende gewann Anfang Februar Alexandre Desplats edle Klangmalerei zu «The Shape of Water».

Es dürfte aber nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch Brion dem Oscar noch näher rückt oder ihn letztlich erhält. Denn schon seit fast 20 Jahren tauchen Songs und Orchesterstücke des an Beatles, Beach Boys und Randy Newman geschulten Musikers in herausragenden oder zumindest hochoriginellen Filmen auf - ein Ende dieses Laufs ist nicht in Sicht.

Auch die 23 zum Teil sehr kurzen «Lady Bird»-Tracks sind wieder von einer traumwandlerisch stilvollen Verspieltheit und einer Gefühlstiefe, die - ein kleines Wunder bei solch melancholischen Harmonien - nie in den Kitsch abgleitet. Besonders das mit gut fünf Minuten längste Stück ganz am Schluss («Lady Bird») fasst Brions Könnerschaft in einer prachtvollen Melodie kongenial zusammen.

Man fühlt sich wohltuend an die erste Begegnung mit diesem Komponisten erinnert, als er Paul Thomas Andersons L.A.-Drama «Magnolia» - neben den fantastischen Songs von Aimee Mann wie «Wise Up» - mit seinen sinfonischen Arrangements noch besser machte. Es folgten Soundtracks unter anderem zu «Punch-Drunk Love» (2002), «Eternal Sunshine Of The Spotless Mind» (2004), «I Heart Huckabees» (2004) oder «ParaNorman» (2012).

Das schräge Arthouse-Drama «Synecdoche, New York» (2008) von Charlie Kaufman war eigentlich nur aus zwei Gründen sehenswert: wegen der tollen Besetzung mit Philip Seymour Hoffman, Samantha Morton, Jennifer Jason Leigh, Emily Watson und Michelle Williams - und wegen der Musik von Jon Brion, mit dem Lied «Little Person» als Highlight. Auch Jazz-Pianisten wie Brad Mehldau und Michael Wollny haben diese tief berührende Melodie in den vergangenen Jahren adaptiert.

Der Soundtrack zu «Lady Bird» (Fire Records/Lakeshore) mag ein kurzes Album sein und vielleicht auch nicht Brions wichtigste Arbeit. Aber wenn der sehenswerte Film mehr Menschen dazu bringen sollte, die Kompositionen dieses Amerikaners besser wahrzunehmen, wäre das schon mal eine gute Sache.

Wer dann so richtig angefixt ist, sollte Brion noch als Multi-Instrumentalisten kennenlernen. In den 90er Jahren gründete er die virtuose Alternative-Rockband The Grays, spielte bei den Powerpop-Göttern Jellyfish und nahm 2001 ein Soloalbum namens «Meaningless» auf. Lohnt sich alles.

Website Jon Brion