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»Josephine Baker - Das imaginäre Interview«

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Unter dem Titel »Josephine Baker – Das imaginäre Interview« stand der großartige Konzertabend der Band lifveChords um Sängerin und Interviewerin Rayka Emmé in der Theater-Strickerei Grabenstätt. (Foto: Müller)

Einen bunten Konzertabend in der Theater-Strickerei Grabenstätt widmete die Bad Aiblinger Band »lifveChords« der legendären Bühnenkünstlerin Josephine Baker, die eine der aufregendsten Frauen des 20. Jahrhunderts war.


Band-Frontfrau, Sängerin, Autorin und Erzählerin Rayka Emmé führte im Rahmen des Literaturfestivals »Leseglück« ein imaginäres Interview mit der 1975 verstorbenen US-amerikanisch-französischen Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin und entlockte ihr viele Geheimnisse aus ihrem wechselvollen und aufregenden Leben, das eigentlich Stoff für vier Leben bietet. Dass Emmé ihr dabei in die Augen blicken konnte, war ihrem Kollegen Nikolaus Stigloher zu verdanken, denn dieser hatte Baker als wandlungsfähige hölzerne Kunstfigur wieder zum Leben erweckt.

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Dazwischen sang Emmé Bakers Lieblingslieder und eigens für sie komponierte Stücke – wunderbar begleitet von ihren Musikerkollegen Stigloher (Kontrabass), Sebastian Ludwig (Gitarren/Posaune), Guiseppe Watzlawick (Percussion, Sax) und den neuen Bandmitgliedern Michael Lackner (Gitarren) und Friedrich Stimmer (Piano). Passend dazu zeigte man die detailgetreuen Zeichnungen, die Emmé von Baker geschaffen hatte, und Stiglohers sehenswerte Gemälde, beispielsweise vom südfranzösischen Schloss Les Milandes, Bakers einstigem Zuhause, oder auch vom US-Bürgerrechtler Martin Luther King, mit dem sie 1963 beim Marsch auf Washington gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit kämpfte.

Die Multimedia-Show erlaubte weitere spannende Einblicke in das Leben Bakers, die 1906 in ärmlichen Verhältnissen in St. Louis/Missouri auf die Welt gekommen war, schon mit sieben Jahren als Haushaltshilfe arbeiten musste und mit 13 mit einem viel älteren Mann verheiratet wurde. Als 19-jährige, künstlerisch hochtalentierte junge Frau verließ sie die USA, um der Armut und Rassendiskriminierung zu entfliehen und ihr Glück in Europa zu suchen.

Tatsächlich eroberte sie schon bald die Bühnen ihrer neuen Heimat Frankreich und von dort aus die ganze Welt. Sie wurde zum ersten schwarzen Superstar, bejubelt, gefeiert, aber auch begafft wie ein Tier. Gewöhnlich trug Baker auf der Bühne kaum mehr als Federn und wackelte so virtuos mit dem Po, dass die Zuschauer in Schnappatmung verfielen. Legendär waren ihre Auftritte im Bananenröckchen. 1926 tanzte Baker, die sich als typische Varieté-Künstlerin sah und ihr Live-Publikum liebte, erstmals in Berlin.

Im imaginären Interview erzählte sie auch von ihrem Lebenstraum, den zwölf »Regenbogenkindern«, die sie als über 50-Jährige adoptiert hatte. Sie liebte sie wie eigene Kinder. Bakers Leben glich einer Achterbahnfahrt und selbiges galt auch für ihr Seelen- und Gefühlsleben, doch sie ließ sich auch von Beziehungskrisen (unter anderem vier Ehen), finanziellen oder gesundheitlichen Problemen nie unterkriegen und blieb bis zu ihrem Tod im Alter von 68 Jahren (nach einem Schlaganfall) ein Energiebündel, Menschenfreundin und Abenteuerin, die ihrer Zeit weit voraus war. Der Zweite Weltkrieg, in dem Baker Leutnant (mit Pilotenschein) wurde, in Lazaretten auftrat und einen Flugzeugabsturz überlebte, hatte ihre Einstellung zum Leben komplett verändert. Kleider und Luxus waren ihr nicht mehr so wichtig, eine eigene Familie umso mehr.

Bevor sie sich mit einer Verbeugung von Baker verabschiedete, fragte Emmé ihre Gesprächspartnerin nach deren Fazit und dieses lautete: »Voilà! Alors! Ich hatte für mein Leben zunächst nur einen Plan, als Kind. Weg aus der Armut! Für mich sollte ein Märchen wahr werden. Ich kann sagen, es war mein Leben und es war richtig. Doch das Beste waren meine Kinder. Ich bin stolz auf jedes von ihnen. Au revoir! Salut! Bonne chance et merci!«. Chapeau, was für eine Frau – doch ohne Zugaben wollte niemand nach Hause gehen.

Markus Müller