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Gustl Lex blickte auf die Geschichte zurück und am folgenden Festsonntag gab es einen feierlichen Gottesdienst

Jubiläum »500 Jahre Bruderschaft Grabenstätt« gefeiert

Grabenstätt – Die Allerseelenbruderschaft von Grabenstätt feiert heuer ihr 500-jähriges Bestehen. Eine Urkunde aus dem Jahr 1518 ist zumindest die erste bekannte schriftliche Erwähnung der Bruderschaft, deren tatsächliches Gründungsdatum noch im Dunkeln liege, wie Ortsheimatpfleger und Mitglied Gustl Lex am Samstagabend in seinem Vortrag in der Schlossökonomie betonte.

In einem imposanten Festzug nach dem Festgottesdienst im Schlosspark zog die Bruderschaft Grabenstätt mit ihren roten Gewändern durch den Ort. Zuletzt erhielt man jungen Zuwachs und hat nun 21 Mitglieder. (Fotos: Müller)

In der besagten Urkunde, auf die er im Pfarrarchiv gestoßen sei und die er mit Unterstützung des Regensburger Honorarprofessors Ludwig Zehetner, einem bayerischen Lehrer, Mundartforscher und Schriftsteller, genauer unter die Lupe genommen habe, sei dokumentiert, wie der jährliche Erlös eines Grundstückes an die Bruderschaft gestiftet worden sei. Lex ging auch auf die schwierigen Zeiten der katholischen Gemeinschaft in der Zeit der Reformation ab 1517 oder auch während der Säkularisation 1803 ein.

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Dabei gelang es Lex, die Historie der Bruderschaft, deren Aufgaben und die Ortsgeschichte in die große überregionale Geschichte einzubinden. Im Vordergrund standen die einfachen Bürger und ihr harter, entbehrungsreicher Alltag mit stark ausgeprägtem Obrigkeitsdenken und tiefer Gläubigkeit. Ortsheimatpfleger Lex zufolge hätten die Grabenstätter und damit auch die Bruderschaft in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen gehabt. Besonders groß sei die Not in der Zeit des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648) oder auch nach den verheerenden Dorfbränden in den Jahren 1834 und 1862 gewesen.

Auch Frauen könnten der Bruderschaft beitreten, so Lex, dessen Großmutter ebenfalls Mitglied war. Wie er verriet, habe auch Erlstätt einst eine Bruderschaft gehabt. Die anwesenden Mitglieder erhielten am Ende des Festvortrages von Sprecher Hans Purzeller eine 1826 gedruckte Urkunde zur 1702 unter dem Titel »Armen-Seelenbruderschaft« wieder mit Leben erfüllten Gemeinschaft.

Bürgermeister Georg Schützinger überreichte Purzeller und Lex im Namen der Gemeinde eine große Jubiläumsurkunde. Musikalisch umrahmt wurde der Festvortrag in der Schlossökonomie von Harfenistin Katharina Wiesholler.

Am Festsonntag gab es dann bei Bilderbuchwetter einen feierlichen Gottesdienst im Schlosspark. Zelebriert wurde die Messe vor malerischer Schlosskulisse von Pater Vasile Dior. Eingefunden hatten sich neben den Bürgern und Ortsvereinen mit ihren Fahnenabordnungen auch die befreundeten Bruderschaften aus Grassau, Irsing, Ruhpolding und St. Georgen, die mit ihren bunten Gewändern und Kreuzen ein beeindruckendes Bild abgaben. Für die passenden Klänge sorgte der Männerchor Grabenstätt.

»Als ich 2011 nach Grabenstätt gekommen und auf die rot gekleideten Bruderschaftsmitglieder gestoßen bin, habe ich mir gedacht, hier gibt es aber viele Bischöfe«, ließ Pater Vasile mit einem Schmunzeln verlauten. Die sprichwörtliche Sterbensangst sei im späten Mittelalter immer präsent gewesen und der gläubige Mensch habe sich gegen diese Realität vielfältig zu sichern versucht, so Pater Vasile. Hilfe hätten die Menschen damals von den Bruderschaften erfahren, welche freiwillige Zusammenschlüsse von Christen auf dem Weg zum Seelenheil gewesen seien. »Man verpflichtete sich zu täglichen Gebeten, zum Besuch von Gottesdiensten und zur Übung der christlichen Tugenden«, so der Pater.

Die lebenslängliche Bitte um einen gnädigen Tod verband man stets mit dem Gedächtnis an die verstorbenen Mitglieder. Wie Lex am Vorabend ging Vasile auch auf die jüngere Geschichte der Bruderschaft ein, die in den 1980er Jahren wegen Überalterung fast eingeschlafen wäre. Der damalige Pfarrer Johann Nepomuk Huber, der dem Vortrag beiwohnte, stellte sich aber gegen den Trend der Zeit und begeisterte junge Männer um Karl Simet, der seit 1985 als Bruderschaftssprecher den Verein führte. 2008 übernahm dann Hans Purzeller dessen Amt.

Nach dem Gottesdienst mit abschließendem Totengedenken führte der Festzug vom Rathaus über die Schlossstraße, Hauptstraße und Poststraße zum Marktplatz. Vier Mitglieder der Grabenstätter Bruderschaft trugen den Baldachin unter dem Pater Vasile das Allerheiligste in seinen Händen hielt. Im Anschluss an den Schlusssegen am Marktplatz folgte ein Frühschoppen im Pfarrheim und Pfarrgarten. Sprecher Purzeller bedankte sich dort bei allen Teilnehmern und Helfern. mmü