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Jubiläums-Fußballturnier im Unwetter

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Die Ramsauer – hier in höchster Not – retteten ein 4:4 gegen den FC Bischofswiesen.
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Klassetorhüter Sebastian Seibold von den Allstars zeigte im Finalspiel sein Können. (Foto: Waßmuth)
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Redaktionsleiter Ulli Kastner (l.) und Marktschellenbergs Bürgermeister Franz Halmich (M.) und Toni Hölzl (4.v.l.). (Fotos: Wechslinger)

Vom 8. bis zum 23. Juli wurde in diesem Jahr der Berchtesgadener Anzeiger-Cup ausgespielt. Erstmals fanden die sechs Gruppenspiele über 90 Minuten innerhalb von zwei Wochen statt. Abschluss war das große Finale am Samstag in der Scheffau. Dabei setzten sich in beiden Gruppen die Favoriten durch, wenngleich die sogenannten »Kleinen« den »Großen« ganz schön zugesetzt haben. Aus der Taufe gehoben war der »Berchtesgadener Anzeiger«-Cup anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Lokalzeitung im Jahr 2007 worden.


Die SG Scheffau-Schellenberg feierte mit dem 30-jährigen Bestehen ebenfalls ein Jubiläum, das gut zum 10. »Berchtesgadener Anzeiger«-Cup gepasst hat. Erstmals kam die Mannschaft der SG Scheffau-Schellenberg auch in die Finalspiele und verpasste den Einzug ins Endspiel knapp. Schon zum Spiel um Platz fünf kamen gut 200 Zuschauer, im Laufe des vergnüglichen Nachmittags in der Scheffau sollten es gut 400 werden.

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Bei zunächst bestem Fußballwetter standen sich um Platz fünf der FC Bischofswiesen und der FC Ramsau gegenüber. Die Ramsauer begannen wie die Feuerwehr und führten durch Treffer von Maximilian Rehlegger (7.) sowie Korbinian Dieterich (21.) früh mit 2:0. Damit schien sich eine kleine Sensation anzubahnen. Doch mit Fortdauer des Spiels kamen die zwei Klassen höher spielenden Bischofswieser immer besser in die Begegnung und Fabian Datz (24.) sowie Erdi Aslantay (27.) brachten die Bischofswieser zurück ins Spiel. Als Schlussmann Stefan Schnitzlbaumer seinem Gegenüber Oliver Schwab kurz vor der Halbzeitpause einen Elfmeter in die Maschen haute, schien die Fußballwelt wieder in Ordnung zu sein. Umso mehr, weil Maximilian Hölzl in der 81. Minute das 4:2 gelungen ist. Jetzt deutete der FCB an, doch noch zu einem standesgemäßen Ergebnis zu kommen. Aber die Riedherrnelf hatte nicht mit dem unglaublichen Kampfgeist der Ramsauer gerechnet, die durch Mannschaftskapitän Andreas Zörner in der 84. Minute mit dem Anschlusstreffer zurück im Spiel waren. Fünf Minuten später glich Marius Mackamul sogar aus und es ging erstmals in zehn Jahren »Anzeiger«-Cup in ein Elfmeterschießen, bei dem jedoch den Ramsauern die Nerven versagten und der FC Bischofswiesen gewann.

»Wir waren dennoch die Besseren«, erklärte Mannschaftskapitän Andreas Zörner nach dem 4:4 in der normalen Spielzeit. Schiedsrichterin Doreen Fitzner vom TSV Petting leitete die Begegnung souverän.

Auch im Spiel um den dritten Platz zwischen dem Team des TSV Berchtesgaden und der drei Klassen tiefer agierenden SG Scheffau-Schellenberg sah es lange Zeit nach einer neuerlichen Überraschung aus. Denn zur Halbzeit führten die Platzherren durchaus verdient mit 3:2, ehe der Breitwiesenexpress in der Schlussphase doch noch zum standesgemäßen 5:3-Sieg gekommen ist.

Favoriten in Bedrängnis

Zunächst lief es für den haushohen Favoriten von der Breitwiese nach Plan, als Matthias Althaus Berchtesgaden in der 12. Minute in Führung schoss. Doch bereits im Gegenzug glich Stefan Koppenleitner aus. Als Berchtesgadens Mannschaftskapitän Robert Reichlmeier nur drei Minuten später das 2:1 erzielt hat, schien der Breitwiesen-Express Fahrt aufzunehmen. Doch die Platzherren hatten einige Stoppschilder aufgebaut und setzten die Berchtesgadener gehörig unter Druck. Marc Alpiger sorgte in der 28. Minute für den Ausgleich und nach ausgewogenem Spielverlauf brachte Markus König die Scheffauer mit seinem zweiten Turniertreffer kurz vor dem Halbzeitpfiff des souverän leitenden Hans Öllerer vom TSV Petting erstmals in Führung.

Im zweiten Spielabschnitt zeigten die ersatzgeschwächten Berchtesgadener dann doch ihr Können und Althaus (50.), Tobias Botzenhard (62.) sowie Philipp Beil (85.) sorgten noch für den 5:3-Sieg des TSV Berchtesgaden, der dem Team Platz drei beschert hat.

Gute Stimmung vor dem Finalspiel

Gute Stimmung herrschte dann vor dem Finalspiel zwischen dem Turnierfavoriten SG Schönau und dem Allstar-Team, dem man durchaus Chancen einräumte. Die Schönauer begannen mit dem erwarteten aggressiven Pressingspiel und setzten die Allstars gleich einmal unter Druck. Doch nach Stefan Köppl und Christian Renoth, die beide verletzt waren, stand dieses Mal Ex-Bayernliga-Torhüter Sebastian Seibold zwischen den Pfosten und strahlte mit seiner Souveränität große Sicherheit aus. Auch seine Vorderleute spielten fehlerlos.

Nach 20 Minuten hätte Schiedsrichter Alfred Linhart auf den Elfmeterpunkt deuten müssen, doch der Mann aus Thalgau übersieht immer wieder spielentscheidende Situationen. Sogar die Schönauer gaben später zu, dass Linhart den Allstars einen klaren Elfmeter versagt hat.

Die Schönauer fanden keine Mittel, die perfekt agierenden Allstars zu überwinden. Und so bewahrte den Favoriten nur großes Glück vor einem Rückstand, als Skistar Dominik Schwaiger nach einem Musterpass des bestens aufgelegten Sebastian Parma auf und davon war. Schwaigers guter Schuss titschte an die Querlatte und war somit nur um Zentimeter zu hoch angesetzt. Als sich beide Seiten schon auf ein 0:0 zur Pause eingestellt hatten, glückte der SG Schönau die Führung.

So aber wurde noch einmal der österreichische Schiedsrichter aus dem Flachgau zur tragischen Figur für das Allstar-Team. Nach einem fairen Zweikampf des starken Mittelfeldspielers Tobias Kern erkannte Linhart gut 20 Meter vor dem Tor auf Freistoß und sorgte damit nicht nur für die zweite Fehlentscheidung, sondern auch durch einen gekonnt getretenen Freistoß von Stefan Weinbuch für den Führungstreffer der Schönauer. Die Schönauer verwirrten die Abwehr der Allstars dabei mit einer Freistoßvariante.

Allstars gaben nicht auf

Die ungerecht behandelten Allstars gaben sich jedoch auch durch die Fehlentscheidungen noch lange nicht geschlagen und drückten mit vier frischen Kräften im zweiten Abschnitt auf den Ausgleich. Wolfgang Fegg hatte diesen auf dem Fuß, doch der Ball fand nicht den Weg ins Tor. Im Gegenzug fehlte Fegg in der Abwehr und der eingewechselte Mittelstürmer Ludwig Moz nützte dies zum 2:0. Beim Spielstand 1:1 war die Begegnung nach einer Stunde gelaufen, als sich Spieler und Zuschauer vor dem starken Unwetter unter die Zelte und Überdachungen retteten.

»Wir sind froh, uns vor dem Saisonstart am Samstag mit so einem starken Gegner wie dem Allstar-Team gemessen zu haben«, erklärte der Schönauer Trainer Thomas Meißner.

Nach dem Gewitter mit Starkregen führten der Marktschellenberger Bürgermeister Franz Halmich und »Anzeiger«-Redaktionsleiter Ulli Kastner zusammen mit dem Vorsitzenden der SG Scheffau-Schellenberg, Ivo König, die Siegerehrung durch. Dabei erhielt jeder Verein vom Verlagshaus Miller 100 Euro für die Jugendarbeit, die Siegermannschaft den Wanderpokal und die Platzierten Pokale von der Firma Wurm.

Trotz des inzwischen schlechten Wetters hielten es viele Fußballfreunde bis spät in die Nacht aus. Der 11. »Berchtesgadener Anzeiger«-Cup findet am 22. Juli 2017 im Riedherrnstadion von Bischofswiesen statt. Dann werden die Allstars noch besser aufgestellt sein, denn der starke Schönauer Spielmacher Daniel Maier möchte einmal in seiner Laufbahn mit seinem Vater, Fußballikone Georg Maier, zusammenspielen und das Allstar-Team erstmals im sechsten Finale zum Sieg führen. Christian Wechslinger