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«Jürgen gegen Jogi»: Prestigeduell im US-Machtzentrum

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Prestigeduell
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Der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann (r) trifft auf das DFB-Team von Joachim Löw. Foto: Oliver Berg Foto: dpa

Washington (dpa) - Vor dem verdienten Urlaub macht Joachim Löw seine nun von Rekordjäger Miroslav Klose angeführte US-Reisetruppe noch einmal scharf.


Im reizvollen Länderspiel-Duell mit Jürgen Klinsmann zum hundertjährigen Bestehen des US-Fußballverbandes will der Bundestrainer am Sonntag in Washington wieder so jubeln wie beim munteren 4:2-Erfolg gegen Ecuador.

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«Ich erwarte, dass die Mannschaft sich im letzten Spiel der Saison noch mal fokussiert und konzentriert zu Werke geht», erklärte Löw. Der 53-Jährige blickt dem Aufeinandertreffen mit seinem einstigen Chef und Weggefährten Klinsmann erwartungsvoll entgegen. «Ich freue mich sehr auf das Wiedersehen», sagte Löw.

Die Nationalspieler wissen genau um ihren Auftrag vor knapp 46 000 Zuschauern im ausverkauften «RFK Memorial Stadium» in der Hauptstadt der USA. «Der Jürgen gegen Jogi - da will keiner verlieren. Da will der eine dem anderen zeigen, wer das bessere Team hat», sagte René Adler. Für den gegen Ecuador herausragenden Torwart ist die Antwort klar: «Ich glaube, das sind eindeutig wir.»

Und das auch ohne die vielen Stammkräfte von Bayern, Borussia Dortmund oder Real Madrid, für die schon beim gelungenen Auftakt der US-Tournee gegen Ecuador Akteure wie der zweifache Torschütze Lars Bender, Rückkehrer Marcell Jansen oder die Neulinge von Max Kruse bis Sidney Sam die Lücken schlossen. «Wir wussten, dass wir in der Breite in Deutschland super aufgestellt sind mit vielen guten Spielern, die auch noch auf den WM-Zug aufspringen wollen», bemerkte Adler. «Jeder will sich zeigen», pflichtete HSV-Kollege Heiko Westermann bei: «Ich hoffe, noch mal ranzudürfen - und dann geht's in Urlaub.»

Klinsmann weiß, was die US-Boys auch gegen seine personell ersatzgeschwächten deutschen Landsleute erwartet. «Sie wollen einen guten Saisonabschluss», meinte der ehemalige Bundestrainer, der nach der ernüchternden 2:4-Niederlage im Testspiel gegen Belgien auf ein Erfolgserlebnis zum Jubiläum von US-Soccer hofft. «Wir werden dafür sorgen, dass wir es gegen Deutschland besser machen», kündigte Motivator Klinsmann an: «Wir wollen uns bestens einstimmen auf Jamaika.» Das ist der nächste Gegner in der WM-Qualifikation.

Löw gegen Klinsmann am Spielfeldrand ist übrigens keine Premiere. Beim Abschiedsspiel von Oliver Kahn zwischen der von Löw betreuten Nationalelf und dem damals von Klinsmann trainierten FC Bayern trafen sie am 2. September 2008 in München schon mal aufeinander: 1:1 endete das sportlich unbedeutende Kräftemessen.

In Washington geht es um mehr. «Es ist ein großes Prestigeduell, auch für die Amerikaner», meinte Löw. Von seinen Jungs erwartet er denselben Einsatz und schwungvollen Fußball wie gegen Ecuador: «Wir müssen wieder gut ins Spiel kommen und versuchen, das Tempo hochzuhalten. Dann können wir auch die Amerikaner schlagen.»

Lukas Podolski, der in Boca Raton nach neun Sekunden zum 1:0 getroffen hat, meldete sich dazu bereit. «Natürlich ist es besonders, gegen Jürgen Klinsmann als Trainer anzutreten», bekannte der Doppeltorschütze des Ecuador-Spiels, der den Weltmeister von 1990 beim DFB-Team und beim FC Bayern als Chef erlebt hatte.

Podolski sagte einen zweiten kräftezehrenden Fight zur erneut frühen Anstoßzeit um 14.30 Uhr Ortszeit voraus: «Auch in Washington werden die Temperaturen extrem sein, aber davon werden wir uns nicht beeindrucken lassen. Wir wollen auch das zweite Spiel gewinnen.» Temperaturen um die 30 Grad sind vorhergesagt.

Löws personelle Möglichkeiten haben sich jedoch verbessert. In Washington warteten am Freitag bereits Klose und der ebenfalls nachgereiste Dortmunder Champions-League-Finalist Sven Bender auf den aus Miami einfliegenden DFB-Tross. Auf 21 Spieler vergrößerte sich der Kader. Löw kündigte «Veränderungen in der Aufstellung» an.

Nicht nur Klose und Sven Bender kommen neu rein. Auch im Tor ist ein Wechsel vorgesehen. Ron-Robert Zieler und Marc-André ter Stegen könnten sich dabei ablösen. Und von den Neulingen könnte Philipp Wollscheid eine Chance von Beginn an im Abwehrzentrum erhalten.

Klose dürfte auch die Kapitänsbinde von Per Mertesacker übernehmen. Im Fokus aber steht der 34-Jährige aus einem anderen Grund: Mit einem Treffer gegen die USA würde er den deutschen Rekordschützen Gerd Müller (68 Länderspieltore) einholen. Sieg plus Klose-Rekord - das wäre «ein toller Abschluss», wie ihn sich Löw für das letzte Spiel vor dem Urlaubsbeginn wünscht.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

USA: Howard (FC Everton/34 Jahre/86 Länderspiele) - Cameron (Stoke City/27/15), Gonzalez (Los Angeles Galaxy/24/7), Goodson (Brøndby IF/31/36), Beasley (Puebla FC/31/100) - Jones (FC Schalke 04/31/29), Williams (1899 Hoffenheim/24/12) - Davis (Houston Dynamo/31/8), Bradley (AS Rom/25/75), Dempsey (Tottenham Hotspur/30/95) - Altidore (AZ Alkmaar/23/56)

Deutschland: Zieler (Hannover 96/24/2) - Höwedes (FC Schalke 04/25/13), Mertesacker (FC Arsenal/28/89), Wollscheid (Bayer Leverkusen/24/1), Jansen (Hamburger SV/27/38) - Lars Bender (Bayer Leverkusen/24/13), Sven Bender (Borussia Dortmund/24/3) - Schürrle (Bayer Leverkusen/22/23), Draxler (FC Schalke 04/19/5), Podolski (FC Arsenal/27/109) - Klose (Lazio Rom/34/126)