Jugendschöffenrichter Winfried Köpnick am Amtsgericht Laufen in den Ruhestand verabschiedet

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Ein gemeinsames Bild zum Abschied (v.l.): Martin Forster, Dr. Klaus Burger, Winfried Köpnick, Professor Dr. Ludwig Kroiß, Geschäftsleiterin Ingrid Steiner und Daniela Krammer, ständige Vertreterin des Amtsleiters. (Foto: Hannes Höfer)

Laufen – Der Abschied geriet beinahe zum »Klassentreffen«. Mit Amtsgerichtsdirektor Dr. Klaus Burger hatte Winfried Köpnick 1976 am Reichenhaller Karlsgymnasium Abitur gemacht. Und zusammen mit Landgerichtspräsident Professor Dr. Ludwig Kroiß 1986 sein Examen absolviert. Kroiß war kürzlich ins Laufener Amtsgericht gekommen, um dem Jugendrichter die Ruhestandsurkunde von Staatsminister Georg Eisenreich zu überreichen. Und sich bei der »Laufener Universalwaffe« für dessen langjährigen Dienst zu bedanken.


Schon Köpnicks Vater war Richter in Laufen. »Vom Vater beeinflusst?«, wollte Kroiß deshalb wissen. Die Antwort: »Jein. Aber als Bub war ich oft dabei. Und hatte daher keine Berührungsängste.« Doch Köpnick gestand dem »Luggi« auch: »Wer weiß, ob ich ohne dich bei der Justiz gelandet wäre.« Denn Kroiß war es gewesen, der dem jungen Wilden geraten hatte, doch die Ohrringe rauszunehmen, säßen doch in der Prüfungskommission »lauter Konservative«. Köpnick folgte dem Rat und verabschiedete sich endgültig von dem Schmuck.

Am 1. Juli 1987 startete Köpnick seine Justizkarriere in Traunstein, wo er sich als Staatsanwalt um Ausländerrecht und allgemeine Strafsachen kümmerte. Nach der Wende meldete er sich freiwillig für 14 Monate nach Dresden, um mitzuhelfen, die westdeutsche Justiz in den neuen Bundesländern aufzubauen. Zum 1. November 1993 folgte die Ernennung zum Richter, mit je einer halben Stelle am Amtsgericht München und am Amtsgericht in Altötting in Familien- und Vormundschaftsangelegenheiten. Zum 1. Januar 1996 wechselte Köpnick als Richter an die 6. Zivilkammer des Landgerichts Traunstein. Ab dem 1. April 2004 kümmerte er sich in Laufen um Familie, Betreuung, Nachlass, Strafsachen, Ermittlungen und schließlich um Jugendsachen. Seit dem März 2011 fungierte Köpnick hier als Jugendschöffenrichter und war zudem Vollstreckungsleiter. Kroiß würdigte diese Zeit aus Kollegensicht: »Die waren begeistert.«

Einer dieser Kollegen bestätigte das ohne Abstriche: »Der Tag des Abschieds ist so schnell gekommen«, befand Richterkollege Martin Forster einleitend. Er habe als Staatsanwalt erstmals 2007 Richter Winfried Köpnick kennengelernt. »Als Staatsanwalt, aber auch als Verteidiger fühlte man sich bei dir immer gut angenommen.« Man habe gemerkt, dass hier einer seinen Beruf »mit Leidenschaft und großer Menschlichkeit« ausübt. Schließlich war Forster im Jahr 2013 selbst als Richter ans Amtsgericht gekommen. »Du warst von Anfang an extrem kollegial, immer mit Rat und Tat zur Stelle.« Selbst das Angebot, in Pandemiezeiten vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, habe Köpnick nicht angenommen. Die Belegschaft verabschiedete sich mit einem Geschenkgutschein für Outdoorbekleidung. Köpnick zeigte sich sichtlich gerührt: »Ich möchte diese Komplimente gerne zurückgeben.«

Dr. Klaus Burger attestierte dem scheidenden Richter »ein hohes Dienstethos und ein enormes Fachwissen«. Zunächst als »Allzweckwaffe« am Gericht, habe sich Köpnick als Jugendrichter mit »Augenmaß, aber auch der nötigen Härte« gezeigt. Von Bergwachtchef Klaus Burger gab es zwei Bücher zu Themen rund um die Berge. Die Justizdynastie Köpnick ist damit nicht zu Ende, denn sein Sohn Severin ist inzwischen Staatsanwalt in Traunstein. Ludwig Kroiß überreichte zum Abschied die Chronik des Landgerichts Traunstein von Reinhard Beck. »Er war mein erster Präsident«, zeigte sich Köpnick erfreut, »so schließt sich der Kreis.« In Köpnicks letzter Jugendschöffensitzung flankierten ihn eine junge Frau mit Dreadlocks und ein Mannsbild in Berchtesgadener Tracht.

Nachfolger von Köpnick als Jugendrichter wird sein Kollege Christopher Lang; dessen Richterstelle übernimmt Josef Haiker. Ein weiterer Kollege, Thomas Häusler, der neben Zivilsachen einen Teil der Jugendstrafsachen übernommen hatte, war vor wenigen Monaten an der Watzmann-Ostwand tödlich abgestürzt.

Hannes Höfer