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Junge Musiker glänzen mit virtuosen Fertigkeiten

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Schlussapplaus für die Jungstars: (von links) Alexej Gerassimez, Francisco López Martin zwischen den Sulhanishvili-Zwillingen Ani und Nia sowie Sooyeon Lee. (Foto: Aumiller)

Hochvirtuose Kammermusikklänge füllten den schönen Rokokosaal des Kurfürst-Maximilian-Gymnasiums in Burghausen. Die ARD-Preisträger machten ihren Auftritt auch diesmal zu einem der Höhepunkte im Programmangebot des Musiksommers zwischen Inn und Salzach. Mit Flöte, Klavier, Sopran und Schlagzeug zeigten die Jungstars mit ihrem hoch virtuosen Können, wie sie sich die Preise beim ARD-Wettbewerb verdient hatten. Dass sie auf der Zielgeraden zu einer großen Karriere sind, davon gaben sie den Burghausener Musikfreunden vitalen Beweis.


Sergej Prokofiews 1943 komponierte Sonate für Flöte und Klavier D-Dur, op. 54 ist für den spanischen Flötisten Francisco López Martin das rechte Stück, das die breite Palette der technischen und musikalischen Möglichkeiten der Flöte und ihres Spielers herausfordert. López Martin brilliert mit raschen Skalen und Trillern. Den mehrfachen Aufstieg in die dritte Oktave, ins Pikkoloflöten-Register, nimmt er mit »pfiffiger« Bravour. Im Andantesatz kann er auch die gefühlvolle Seite zeigen und formt schöne Linien romantisch-lyrischen Zuschnitts.

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Die Begleiterin am Klavier korrespondiert minutiös und das Zusammenspiel der beiden suggeriert den Eindruck, als seien sie ein lange vertrautes Duo, dabei haben sie sich erst kurz vor diesem Konzert kennengelernt. Wer ist sie, die Pianistin? Sie ist bei jedem Stück des Abends bravourös präsent und auf einmal sind es zwei nahezu identisch aussehende, junge Damen: die georgischen Zwillinge Ani und Nia Sulkhanishvili, die bei Antonin Dvoráks vierhändigen Legenden op. 59 mit ihrer Meisterleistung im Doppelpack beeindrucken. Im Wechsel zwischen Dur und Moll sind die fünf Legenden gehalten und die Pianistinnen punkten mit Bravour und nuancenreichen Schattierungen. Und ist es nun Ani oder Nia, die in Toshi Ichiyanagis »Paganini Personal für Marimbaphon und Klavier« mit dem in Essen gebürtigen Schlagzeuger Alexej Gerassimez geradezu um die Wette spielt?

Als Paganini auf dem Marimbaphon überzeugt Gerassimez in der Tat mit seinen furios wirbelnden und dabei präzise treffsicheren Schlägeln. Und die »begleitende« Klaviersolistin hat wahrlich alle Hände voll zu tun, wie sie mit rasender Motorik und unglaublich kraftvollen Fingerfertigkeiten die Klaviatur im Sturm durchmisst. Trotzdem ist daneben noch Platz für musikalischen Ausdruck, vor allem dann beim nächsten Stück, Gerassimez’ eigener Komposition »Piazonore für Vibraphon und Klavier«. Mit vier Schlägeln hantiert er dabei, anspruchsvoll gewiss, bringt sie aber fein und zärtlich zum Klingen auf der helleren Palette des Vibraphons und die Pianistin findet dazu entsprechend lyrischere Farben.

Die koreanische Sopranistin, einfühlsam von einer der Pianistinnen begleitet, gewinnt die Sympathien mit ihrer liebreizenden Ausstrahlung und ihrer schönen Stimme, die in der Höhenlage durch eine besondere individuelle Farbe besticht. »Ofrahs Lieder« von Kurt Weill sind selten zu hören, liegen stilistisch nahe bei Richard Strauss. Lee singt sie, abgesehen von etwas undeutlicher Textverständlichkeit, ansprechend mit differenzierter Dynamik und eingängiger Linienführung. Zart schwebend in der Tongebung und einfühlsam gestaltet singt sie fünf bekannte, meist getragene Schubertlieder, darunter besonders überzeugend »Du bist die Ruh« und die heitere »Seligkeit«.

Als Zugabe bezaubert der Flötist, sensibel begleitet von einer der Pianistinnen, mit einem spanischen Lullaby von Manuel de Falla. Elisabeth Aumiller