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Junge Musiker inmitten altehrwürdigem Gemäuer

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Applaus für die Musikerinnen und Musiker der Philharmonie Salzburg nach ihrem Gastspiel im Tittmoninger Burghof. (Foto: Aumiller)

Der Musiksommer zwischen Inn und Salzach hätte sich kein schöneres Gelingen wünschen können als diesen warmen Hochsommerabend, der den Burghof in Tittmoning zum wonnevollen »Freiluft-Konzertsaal« machte. Das Kammerensemble der Philharmonie Salzburg bezauberte mit einer fein musizierten Serenade voller Anmut und Schönklang.


In der kleinen Besetzung aus 12 Streichern, 2 Oboen und einem Horn, hier mit 13 Damen und zwei Herren besetzt, waren die Musikerinnen und Musiker besonders herausgefordert, ihre instrumentalen Fähigkeiten auf ausgewogenes Zusammenspiel und musikalische Feinarbeit zu konzentrieren. Sie reüssierten bestens und begeisterten die zahlreichen Zuhörer mit einem stimmigen und beeindruckenden Musikerlebnis. Die jahrhundertealten Burgmauern, beim Dunkelwerden mit Lichterglanz geschmückt, und die alte Linde im Hof lächelten wohlwollend dazu.

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Seine Sinfonia concertante KV 364, in ihrer Mischung aus Sinfonie und Solokonzert für Violine und Viola, schrieb W. A. Mozart nach seiner Rückkehr aus Paris und gestaltete sie mit Einflüssen der Mannheimer Schule als eine »Hommage an Mannheim«, indem er ein Thema des dortigen Komponisten Carl Stamitz einflocht. Damit nährte er wohl die Hoffnung, eine Anstellung am Hofe des Kurfürsten Karl Theodor, der von Mannheim nach München wechselte, günstig zu beeinflussen. Das gelang nicht, dafür aber entstand ein Meisterwerk von großer Schönheit.

Die jungen Salzburger Musiker blieben den drei Sätzen Allegro maestoso, Andante und Presto nichts schuldig an Musizierfreude, dynamischer Flexibilität und frischer Rhythmik. Mit den beiden Solistinnen Sarah Christian und Antonia Loges hatten die Salzburger zwei Musikerinnen ins Rennen geschickt, die gut miteinander harmonierten und mit ihren instrumentalen Fähigkeiten brillierten. Die melodisch kantablen Linien spielten sie in fließender Bewegung, kosteten die polyphone Farbigkeit aus und wussten auch dem lyrisch-elegischen Andante nuanciert feinen Ausdruck zu geben. Solistinnen und Orchesterstimmen korrespondierten im aufmerksamen Miteinander. Dynamische Steigerungen und flotte Tempi kennzeichneten das Prestofinale. Die Geigerin Sarah Christian war extra aus Berlin zu diesem Konzert herbeigeeilt. Die Freude am Spiel, die sie ausstrahlte, sprang auch auf die Zuhörer über. Mit der Bratscherin Antonia Loges formierte sie ein prima Duo, so als hätten die beiden schon oft zusammengespielt.

Ein Bravo auch für das gesamte Ensemble für die zündende Wiedergabe des MozartKonzerts auch ohne Dirigenten.

Als Konzertmeisterin hatte Christian bei den beiden Werken des ersten Teils sozusagen die dirigentische Funktion übernommen. Des 100. Geburtstags von Benjamin Britten wurde mit seiner »Simple Symphonie« op. 4 gedacht. Das ebenso beliebte wie ansprechende Jugendwerk Brittens existiert als Fassung sowohl für Streichquartett als auch für Streichorchester. Britten widmete das Werk dem Violalehrer seiner Kindheit. Er schrieb es als 20-jähriger und verwendete acht Themen, die er als Kind komponiert hatte. Die vier Sätze tragen die Bezeichnungen »Boisterous Bourrée«, »Playful Pizzicato«, »Sentimental Sarabande« und »Frolicsome Finale«. Zur Beliebtheit trug vor allem der Pizzicatosatz bei, der technisch keine allzu hohen Anforderungen stellt und gerne auch auf reinen Zupfinstrumenten gespielt wird. Jeder der vier Sätze ist liebenswert in seiner melodischen Schlichtheit und Eingängigkeit, wenngleich durchaus mit kompositorischem Raffinement angereichert. Die zwölf Streicherinnen spielten die unterschiedlichen Sätze mit »leichter Hand«, feinsinnig und charmant zubereitet. Dennoch ist es ein Stück, das sich in seinem eher intimen Charakter nicht wirklich für ein Open-Air-Konzert eignet. Die Pizzicati und feineren Schwingungen kämen in einer Saalakustik farbiger und bestimmender zur Geltung.

Joseph Haydns Sinfonie Nr. 49 Hob. I/49 in f-Moll trägt den Titel »La Passione« (die Leidenschaft). Dieser Beiname stammt aber nicht von Haydn, sondern wurde erst später hinzugefügt. Die vier Sätze verbleiben mehr oder weniger in der Grundstimmung des durch Moll gekennzeichneten Adagio-Eingangssatzes. Die melancholische Farbe wurde oft als Zeichen von persönlicher Trauer gesehen. Hier ließen die Musiker der Melancholie eine liebenswerte Note angedeihen, die die Musik in einem poetischen Licht erscheinen ließ. Zwar fehlte den Tempi im Adagio und Menuett ein wenig die innere Spannung. Die Piani kamen, wie das auch bei Britten stellenweise der Fall war, ein wenig unvermittelt und etwas zu selbstverliebt unverbindlich, aber im Allegro und Presto wurde flott musiziert und insgesamt die Schönheit dieser Sinfonie ohrenfällig.

Frische Musizierfreude gepaart mit Können machten den stimmungsvollen Abend in herrlichem Ambiente zum nachhaltigen Eindruck. Elisabeth Aumiller