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Junge Parlamentarier im Gemeinderat

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Teisendorf: Zwei Jugendliche gehören Europäischem Jugendparlament an
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Sebastian Metzler und Tamara Müller während der Präsentation. (Foto: Konnert)

Teisendorf – Hoher Besuch stand im Teisendorfer Gemeinderat an: zwei junge Teisendorfer, die Mitglieder des Europäischen Jugendparlaments sind, berichteten über ihre parlamentarische Arbeit.


Tamara Müller aus Neukirchen und Sebastian Metzler aus Teisendorf, beide Schüler im Annette-Kolb-Gymnasium Traunstein, wurden aufgrund eines Bewerbungsschreibens zum Thema Fake News zum Auswahlverfahren zugelassen. Danach ging's Schlag auf Schlag – regional, national, international.

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Tamara Müller war inzwischen als »Gastparlamentarierin« bei einem nationalen Treffen in Polen, Sebastian Metzler ist einer der sieben deutschen Delegierten, die im April nach Mailand zum Treffen des europäischen Jugendparlaments fahren. In bester Politprofimanier schilderten sie dem Gemeinderat, was das Europäische Jugendparlament ist – kein echtes Parlament, sondern eine Jugendorganisation, die durch Parlamentssimulation die politische Bildung Jugendlicher vorantreiben und das Interesse an Politik schon in jungen Jahren fördern möchte.

Bei den Sitzungen, die bis zu einer Woche dauern, geht es ähnlich zu, wie in Straßburg oder Brüssel. In Komitees (Comittees) werden Probleme heiß diskutiert und Resolutionen erarbeitet. Die werden formvollendet abgearbeitet und angenommen oder abgelehnt. Tamara Müller und Sebastian Metzler hatten als Beispiel eine solche Resolution in Papierform dabei – natürlich in Englisch, denn beim Europäischen Jugendparlament läuft alles in der »Amtssprache« Englisch. Während der Sitzungen müssen die Parlamentarier Reden halten, Einwände vorbringen, Endpapiere formulieren; alles unter den Augen einer strengen Jury, die beobachtet und Punkte vergibt, die über das Weiterkommen entscheiden.

Das Politische sei die eine Seite der Medaille, so die beiden. Die andere Seite seien grenzüberschreitende Freundschaften, die sich ergeben und das Verständnis für einen Kontinent ohne Grenzen. Finanzieren müssten sie das Ganze über Spenden. Auch ihre Heimatgemeinde hat sie finanziell unterstützt. Dafür haben sich die beiden Schüler nun auch im Namen ihres Gymnasiums herzlich bedankt.

Gemeinderäte aller Fraktionen zeigten sich beeindruckt von der Leistung und dem souveränen Auftreten der beiden Schüler. »Sehr respektvoll«, »Chapeau«, »Respekt« und »hoch interessant« waren nur einige Anerkennungsworte der Gemeinderäte – die auch einiges näher wissen wollten.

Wie alt die Jugendlichen seien, die dort mitmachen, wollte Anita Niederstrasser wissen. Die Altersspanne sei zwischen 14 und 19 Jahren, so Metzler. Meist seien die Schüler in der zehnten oder elften Klasse. Von einer Schule könnten sieben bis zehn Leute mitmachen.

Seit wann es die Einrichtung denn gibt, wollte Elisabeth Aschauer (Grüne) wissen. Schon seit einiger Zeit, berichteten die Jugendlichen. Allerdings habe sie ab der 2000er Jahre wieder stärkere Akzeptanz erfahren. Alois Stadler (CSU) fragte, ob die Schüler dafür von der Schule freigestellt würden oder ob sie dies in der Freizeit machen müssten. Man müsste schon auch Ferienzeit dafür opfern, antwortete Metzler, denn viele Veranstaltungen seien während der Ferien.

Ob die Sitzungen und Aktivitäten das Verständnis für die parlamentarische Arbeit, die ja oft als zu bürokratisch kritisiert wird, fördern oder nicht, fragte Georg Wetzelsperger (CSU). Man merke, wie anstrengend so etwas ist, so die Antwort der Jugendlichen, aber auch, wie wichtig in einem demokratischen Prozess.

Welche Schulformen beteiligt seien, interessierte Georg Quentin (SPD). Vor allem Gymnasien, so die Antwort, allein schon wegen der notwendigen Englischkenntnisse. Es gebe aber auch Tagessitzungen für Haupt- und Berufsschüler in Deutsch. Edwin Hertlein (Grüne) bezeichnete das Europäische Jugendparlament, so wie er es über die beiden Teisendorfer kennengelernt habe, als wichtige Einrichtung zur Überwindung der negativen Meinungen zur EU.

Gernot Daxer (CSU) fragte, ob sich auch andere Gymnasien in der Region bewerben würden. In diesem Jahr sei das regionale Auswahlverfahren in Bad Reichenhall, so Metzler, daher werde wahrscheinlich auch das Karls-Gymnasium mitmachen. Metzler wird jetzt erstmal nach Mailand zum Europäischen Jugendparlament fahren und danach vielleicht als Organisator bei verschiedenen Sitzungen weiter aktiv sein. Tamara Müller ist jetzt in der zwölften Klasse und wird sich erstmal ganz dem Abitur widmen. kon