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Kabarettdebüt mit »Dem Jakob sein Weg«

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Hartmut Pönitz berichtete im NUTS in seinem Kabarett-Programm von Erlebnissen auf dem Jakobsweg. (Foto: Ortner)

Anhängern von originellen Reiseberichten in Bild und Ton wird Hartmut Pönitz sicherlich bereits ein Begriff sein. Manchmal kommt es jedoch im Leben zu einer Zäsur, an der man sich entscheiden muss, den bisherigen Weg weiterzugehen oder noch mal etwas Neues zu wagen.


Hartmut Pönitz hat sich für Letzteres entschieden, und den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Hinter der Leinwand hervor ist er direkt ins grelle Rampenlicht der NUTS-Bühne in Traunstein gesprungen und hat seine kabarettistische Feuertaufe, die zugleich sein erster öffentlicher Auftritt als Solo-Künstler war, vorzüglich bestanden.

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Neben seinen bisherigen Reiseberichten über die Anden und Cornwall hat sich der Ruhpoldinger auch bereits in einer Multivisions-Show auf den Jakobsweg begeben. Dieses unendliche Füllhorn an kunterbunten Erfahrungen und schillernden Erlebnissen hat er nun in ein neues, ein kabarettistisches Gewand gekleidet – und sich damit einen lang gehegten Traum erfüllt.

Der Neukabarettist möchte den Jakobsweg von seiner humorvollen Seite zeigen, seiner Schönheit und der erlebten Spiritualität ein Loblied singen, aber auch die kommerziellen Auswüchse auf die Schippe nehmen und dem Publikum gleichzeitig ernsthafte, interessante Fakten sowie geschichtliche Daten und Hintergründe mitgeben. Ein anspruchsvolles Unterfangen, an dem sowohl Akteur und Autor Hartmut Pönitz als auch Regisseur Dieter Woll ganz schön zu knabbern hatten – das sie aber erfolgreich gemeistert haben.

Drei Handlungsstränge bestimmen den Abend: Da ist zunächst mal ein »Info-Sheet«. Ein junger Mann betritt die Bühne und liest eine Reihe Informationen und Fakten zum Jakobsweg vor. Etwa, dass der Boom weiter anhält und inzwischen jährlich an die 270 000 Personen den Bußweg beschreiten. »Wenn sie Pech haben, ist die Tür ihrer Klause von 22 Uhr bis 6 Uhr früh fest verschlossen und gute Blasenkontrolle gefragt – oder ein Klappspaten ihr wichtigstes Utensil.«

Strang zwei bilden die fiktiven Dialoge von König Alf(onso) und Bischof Theo(dosius). Es ist zwar bisweilen etwas anstrengend und erfordert eine gute Konzentration, dem nasalen Udo-Lindenberg-Genuschel des Königs und dem piepsigen Gegenpart des Bischofs zu folgen. Doch es lohnt sich, hier am Ball zu bleiben.

Wie bei Strang drei, in dem Hartmut Pönitz als er selbst in Erscheinung tritt. Der Pilger, der diesen Weg mehrmals selbst beschritten hat. Der eifrig und umfangreich recherchiert hat und der sich auch nicht scheut, bei unklaren Punkten der Historie auf fachmännischen Rat zurückzugreifen. Es ist also alles wahr, erforscht und weitestgehend belegt.

König, Bischof und Pönitz haben einiges zum Jakobsweg auf Lager, das ebenso wahr wie abenteuerlich und bisweilen auch skurril und komisch ist. Während König und Bischof 1200 Jahre Pilgergeschichte begleite, beschäftigt sich Hartmut Pönitz in seinen Monologen mit der Gegenwart: Er katalogisiert augenzwinkernd die Pilger in sechs V-Kategorien – von Verlies-Pilger über Voltaren-Pilger bis hin zu V8-Pilger, die ihre 300-PS-Karosse hinter der nächsten Kirche parken um ein paar Meter »Pseudo-Pilgering« zu absolvieren. Er berichtet außerdem von der modernen Form des Ablasshandels: »Ab wie viel Kilometern gilt der Jakobsweg als »vollständig gegangen?«

Bei allen kommerziellen und touristischen Auswüchsen auf dem 800 Kilometer langen Weg ist er aber mit Sicherheit für jeden Wanderer ein zutiefst individuelles Erlebnis. Bei einem Pilgerweg kommt es ganz einfach darauf an, was man für sich selbst daraus macht. Maria Ortner