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Kammerkonzert mit zwei internationalen Künstlern

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Herrliches Kammerkonzert präsentierten aus Italien Roberto Issoglio am Flügel (in der Mitte) und die Finnin Linda Hedlund mit der Violine (rechts), ganz links außen Debby Bald, die Notenumblätterin.

Einen kammermusikalischen Höhepunkt für Klavier und Violine boten zwei internationale Gäste aus Italien und Finnland im Waginger Pfarrheim. Violin-Virtuosin Linda Hedlund und Konzertpianist Roberto Issoglio am Flügel präsentierten im Rahmen der »Musiktage Waging« drei Paradestücke der Kammermusik von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791), Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) und Johannes Brahms (1833 bis 1897).


Begonnen wurde mit Mozarts Sonate e-Moll KV 304 in den zwei Sätzen »Allegro« und »Tempo di minuetto.« Ein herrliches Klavierstück, das Mozart in Paris geschrieben hat. Mutmaßlich inspiriert durch das Flair in der Stadt der Liebe, lässt sich in diesem Stück eine leichte Zauberhaftigkeit spüren und ein erster Ansatz in die zaghafte Romantik erkennen.

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In Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier und Violine in F-Dur op. 24 herrschte dagegen in den Sätzen »Allegro« und »Adagio molto espressivo« eine gewisse Leichtigkeit mit aufgehender Melodik. Sie zeigt, dass Beethoven in der »Frühlingssonate«, die ursprünglich aus drei Sätzen besteht, sich mehr in eine Symphonie mit vier Sätzen wagte. Im dritten Satz »Scherzo Allegro molto« hielten die beiden Virtuosen, nach einem verständnisvollen Blick und kurzem Nicken, plötzlich inne mit dem Musizieren. Die Gäste waren kurz irritiert über die Unterbrechung, doch dann hörten sie den Grund: Die St.-Martins-Kirche hatte zum kräftigen Acht-Uhr-Geläute angesetzt und die beiden Künstler überließen dem Gotteshaus den Vortritt. Dann setzten Linda Hedlund und Roberto Issoglio erneut beim dritten Satz an und spielten bis zum Schluss den vierten Satz »Allegro ma non troppo.«

In der Pause lief Pianist Roberto Issoglio ins Hotel zurück, um sich etwas kühlere Kleidung anzulegen. »So heiß ist es bei uns in Turin nie« lachte der sympathische Norditaliener. Mitgebracht hatte er auch seine Frau Debby, die ebenfalls Musikerin ist. Als Notenumblätterin unterstützte sie ihren Mann Roberto. Weiter ging es mit dem großen Romantiker Johannes Brahms. Die Sonate beschreibt den Weg vom Frühling bis in den Herbst des Lebens. Das ganze Werk bewegt sich zwischen blühender Innigkeit und verhaltener Melancholie. Brahms setzte sich damit ein Denkmal von schönster Hingebung. Als Zugabe wählte Linda Hedlund ein Stück aus ihrer Heimat. Mit »Valse lente«, ein pittoreskes und wehmütiges Stück vom finnischen Musiker und Komponisten Oskar Merikanto (1868 bis 1924), verabschiedeten sich die beide Künstler von den treuen Klassikliebhabern.

Die 38-jährige Linda Hedlund und ihr Partner Roberto Issoglio sind seit vielen Jahren ein harmonisches Gespann. Die beiden erfolgreichen Künstler mit einer imposanten Karrierelaufbahn sind viel in der Welt unterwegs. Doch eines macht den beiden Protagonisten etwas Sorge. So sehen sie künftig einen dramatischen Publikumsschwund in der klassischen Musik. Roberto Issoglio: »Für die jungen Menschen ist die Klassik nur eine anstrengende Arbeit und kein Vergnügen mehr, und wenn man dagegen nichts unternimmt, stirbt uns das Publikum bald aus.« Man müsse das Konzert verändern, um es zu erhalten und neue Reformen ansetzen. Immer noch werde dieses Problem von zu vielen Intendanten, Kulturpolitikern und Operdirektoren einfach nur verdrängt, meinte der 43-Jährige. Brigitte Sojer

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