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Kammermusik in Virtuosität und tiefem Empfinden

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Die Stipendiaten Jehye Lee (von links), Amelie Böckheler, Paula Zarzo, Vera Dickbauer, Valerie Schatz, Alessandro Viotti, Paulo Ferreira und Adrian Krämer beim Schubert-Oktett. (Foto: Kaiser)

Die zahlreichen Besucher im Festsaal des Klosters Seeon zeugten von der Beliebtheit des Konzerts der Stipendiaten des Bayerischen Rundfunkorchesters, die sich inzwischen – als Konzert des Musiksommers zwischen Inn und Salzach – schon zum 15. Mal bei einer Matinee präsentierten.


Zu Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827) liebenswürdigem Quintett op. 16 für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott in der Bläsertonart Es-Dur hatten sich Lukas Kuen, Andrés Otín Montaner, Adrian Krämer, Alessandro Viotti und Paulo Ferreira zusammengetan. Sie gewannen diesem Werk aus Beethovens früher Schaffensperiode kammermusikalische Ernsthaftigkeit mit einem guten Schuss Serenadenseligkeit ab.

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Es begann unisono, weitete sich in einer schönen Einstimmung zu einem gewichtigen »Grave«. Ganz organisch schloss sich ein munteres Allegro in fröhlichem 3/4-Takt an. Doch auch dramatische Effekte im Trio fehlten nicht und ein markanter Schluss beendete den 1. Satz. Weit gespannt und melodienselig ausmusiziert machte der 2. Satz (Andante cantabile) seinem Namen alle Ehre. Bezaubernd mischten sich hier die Klangfarben der Bläser mit den Akkorden und Läufen des Flügels. Mit hohen technischen Anforderungen an den Pianisten wartete der Schlusssatz, ein ausgiebiges Rondo, auf. Locker, ja geradezu lässig, gingen sie ihm von den Fingern, kongenial sekundiert von den Bläsern.

Nach der Pause folgte Franz Schuberts (1797 bis 1824) beliebtes und berühmtes Oktett für zwei Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass, Klarinette, Horn und Fagott F-Dur D 803/op.166. Fünf junge Frauen (Jehye Lee, Amelie Böckheler, Paula Zarzo, Vera Dickbauer und Valerie Schatz) musizierten mit den bereits vom Beethoven-Quintett bekannten Musikern an Klarinette, Horn und Fagott die sechs Teile des Werkes mit Engagement und Freude am Gestalten.

Einer wunderbaren Schubertschen Adagio-Einleitung folgte ein aktives Allegro, bei dem der Hornist »der Star« war. Bei diesem 1. Satz bestach die Art, wie sich die einzelnen Instrumentalisten die Motive zuspielten. Das folgende, zum Dahinschmelzen schöne und intensive Adagio war in seiner Konzentration und Dichte der erste Höhepunkt des Werkes. Angriffslustig und dabei fröhlich setzte sich der 3. Satz, ein Allegro vivace-Scherzo, in Szene, verinnerlicht durch einen tief empfundenen Trio-Teil.

Es folgten sieben Variationen »im Volkston« über ein freundliches Thema, das gut aus einem Schubert-Lied stammen könnte. Sie zwangen zum genauen Hinhören und begeisterten in ihrem Abwechslungsreichtum. Vor das Finale hatte der Komponist ein Menuetto mit eigenem, verhalten-verschleiertem Charakter gesetzt, das die Musikerinnen und Musiker besonders sensibel ausspielten und mit einem liebenswerten Trio aufhellten. Der Schlusssatz begann mit einem düsteren Cello-Tremolo und wollte sich erst ganz dramatisch geben, fand aber dann doch zu ganz entspanntem, ja ausgelassenem Musizieren, dem ein letztes Tremolo nichts mehr anhaben konnte.

Die Zuhörer waren begeistert und ehrten die jungen Musikerpersönlichkeiten mit reichem Beifall. Engelbert Kaiser