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Kammermusik von Mozart, Schumann und Weinberg

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Einen wichtigen Beitrag zur Entdeckung von Mieczyslaw Weinbergs Kammermusik hat Julia Rebekka Adler, die stellvertretende Solobratschistin der Münchner Philharmoniker, geleistet. 2010 legte sie die erste Gesamteinspielung der Sonaten für Viola solo des russischen Komponisten vor. In einer Rezension des Online-Magazins KlassikInfo hieß es: »Die Intensität, mit der sie sich in diese dunkle, nachdenkliche Musik hineinbohrt, die mal vor Energie fast birst, mal mit spröden Floskeln Grausiges kaschiert, überzeugt unmittelbar. Vom sonoren Lamento über die fahl tönende leere Saite bis hin zur warmen Höhe bratscht Adler Erstaunliches.« Heute Abend stellt Julia Rebekka Adler im Kunstraum Klosterkirche Weinbergs 3. Solosonate aus dem Jahr 1982 vor.


Fast 40 Jahre früher entstand Weinbergs Sonate op. 28 für Klarinette und Klavier. Dieses Werk aus dem Jahr 1945 ist ein Klagegesang, eine Art Bekenntnismusik des jüdischen Komponisten, dessen Familie fast vollständig dem Holocaust zum Opfer gefallen war. Die Musik ist von bewegender Ausdruckskraft und bezeugt die tiefe Verbundenheit des Komponisten mit der traditionell jüdischen Musik, in der er Halt suchte und fand. Der Weinberg-Experte Jascha Nemtsov (Professor für Geschichte der Jüdischen Musik) begleitet am Klavier den jungen Soloklarinettisten der Berliner Philharmoniker Andreas Ottensamer.

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Als Ensemble kommen Adler, Ottensamer und Nemtsov bei zwei Trios zusammen. Zu Schumanns »Märchenerzählungen« op. 132 schrieb Clara Schumann in ihr Tagebuch: »Heute vollendete Robert 4 Stücke für Klavier, Klarinette und Viola und war selbst sehr beglückt darüber. Er meint, diese Zusammenstellung werde sich höchst romantisch ausnehmen«. »Romantisch« darf hier im Sinne von »geheimnisvoll« verstanden werden, Schumann nannte die Stücke »märchenartig«, die Zusammenstellung der drei Instrumente erschien ihm »von ganz eigenthümlicher Wirkung«. Die Märchenerzählungen schildern in einer schlichten musikalischen Sprache »ein Ensemble wunderbarer Dinge und Begebenheiten« (Novalis) – d. h. sie schildern ganz sicher keine konkrete Umsetzung eines konkreten Grimm'schen Märchens, wie mancher Zeitgenosse Schumanns vermutete.

Man kann sie glauben oder nicht - die Anekdote, nach der Mozart das Trio KV 498 während einer Kegelpartie, genial wie er war, kurz hingeworfen hat. Der Beiname Kegelstatt-Trio hat sich in jedem Fall bis heute gehalten hat. Ob es wirklich »untern Kegelscheiben« entstanden ist, wird sich nicht mehr klären lassen, ziemlich sicher ist allerdings, dass das Trio für Viola, Klarinette und Klavier für eine Aufführung in Mozarts privatem Umfeld bestimmt war. Den Klavierpart hat Mozart wahrscheinlich seiner Schülerin Franziska Jacquin zugedacht, den Klarinettenpart seinem Freund Anton Stadler, und den Bratschenpart wird Mozart selbst übernommen haben. Technisch stellt das Kegelstatt-Trio vielleicht nicht allerhöchste Ansprüche, wohl aber musikalisch, weshalb es zu den hochgeschätzten Meisterwerken Mozarts zählt.

Karten in der Touristinformation und an der Abendkasse. Imke von Keisenberg