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Kammermusikabend in Ainring

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Kana Zurzolo (von links), Klaus Cordon und Tamas Ferge machten das Kegelstatttrio zu einem Genuss für die Zuhörer. (Foto: Janoschka)

Das herbstlich erfrischende Programm auf hohem Niveau im Haus der Kultur in Ainring eröffnete Sopranistin Christine Graus-Mallach die Arie »Vado, ma dove? Oh Dei« KV 583 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), die er als Einlage für die Oper »Il burbero di buon core« von Matin y Soler komponiert hatte.


Diese Arie der Lucilla besteht aus zwei Teilen: Nach einem Streit mit ihrem Ehemann ist sie nicht schlüssig, was sie tun soll. Sie will weg, weiß aber nicht wohin. Dementsprechend ist die Musik in diesem Teil der Arie sehr lebhaft und dynamisch. Doch vertraut Lucilla darauf, dass Amor ihre Schritte in die richtige Richtung lenken wird.

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Christine Graus-Mallach fühlte sich psychologisch und musikalisch wunderbar in die Gefühlssituation ihrer Rolle ein und interpretierte den ruhig dahin fließenden zweiten Teil mit großem Atem und viel Legato.

Nach diesem großartigen Einstieg bot Klaus Cordon an der Violine gemeinsam mit Kana Zurzolo am Klavier die dem Komponisten Tommaso Vitali (ca. 1665 - ca. 1747) zugeschriebene Chaconne g-moll für Violine und Klavier dar, die in ihrer Harmonik ihrer Zeit weit voraus ist, wie bereits der dramatische Anfang zeigte. Cordon reizte bei seiner Interpretation dieses virtuosen Werkes alle technischen Besonderheiten der Geige aus. Doppelgriffe, gebrochene Akkorde, Taktwechsel, raffinierte Verzierungen, die die Melodie umspielten – fast glaubte man, ein zweites Instrument zu hören – oder energische, lange Töne: Cordon überzeugte und begeisterte die Zuhörer.

Frédéric Chopins (1810-1849) Etüden sind hochvirtuose Konzertstücke. Und so glich Kana Zurzolos Interpretation der Etude op. 10/1 »Revolution« einem musikalischen Feuerwerk in einer Verbindung von technischer Perfektion und musikalischer Genialität, die kongenial mit Chopins Intention zusammentraf.

Die Etude op. 25/1 mit dem Beinamen »Äolsharfe« erinnerte mit ihrer ganz anderen Klanggestaltung tatsächlich an wunderbare Harfenmusik. »Der Hirt auf dem Felsen« für Singstimme, Klarinette und Klavier op. posth. 129 D965 von Franz Schubert (1797-1828), seine vorletzte Komposition, ist eine selten gehörte »Shownummer« für Sopranistinnen in der ungewöhnlichen Kombination mit Klarinette. Inhaltlich stehen sich romantische Naturbetrachtung und schwankende Gefühlsregungen gegenüber, die auch die Struktur dieses Liedes bestimmen: Sehnsucht, Einsamkeit und Gram, Hoffnung auf den Frühling.

Wunderbar arbeiteten Sopranistin Christine Graus-Mallach, Kana Zurzolo am Klavier und Tamas Ferge den Stimmungs-Kontrast heraus und musizierten im dritten Teil einen tänzerischen Dreivierteltakt, durch den ganz deutlich die Traurigkeit überwunden wurde. Die gewonnene Freude zeigte sich auch in den virtuosen Soprankoloraturen.

Die »Hungarian Pastorale«, eine Fantasie für Flöte und Klavier von Albert Franz Doppler (1821-1883) wurde von Kana Zurzolo und Ayuko Kunimoto, die jedes Jahr mehrere Monate in Bad Reichenhall verbringt, dargeboten. Diese international tätige Musikerin kostete die Koloraturen der Fantasie mit viel Schwung aus.

Ein geselliges Vergnügen war zum Abschluss des beeindruckenden Kammermusikabends das »Kegelstatttrio« für Klarinette, Viola und Klavier, Es-Dur KV 498 von Wolfgang A. Mozart, das wohl bei einem ungezwungen Beisammensein im Freundeskreis komponiert worden war. Tamas Ferge (Klarinette), Klaus Cordon (Viola) und Kana Zurzolo (Klavier) spielten sich perlend, präludierend und trillernd so ganz nach Mozartscher Manier einmal die Melodien und dann wieder die kontrapunktischen Begleitungen zu, dass es eine reine Freude war. Brigitte Janoschka

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