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Kammermusikalische Geburtstagsgrüße

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Herzliche Geburtstagsgrüße für Wolfgang Sawallisch von Albert Osterhammer (Klarinette), Alexander Möck (Violine) und Lei Meng (Klavier) im Geburtstagskonzert in der Villa Sawallisch. (Foto: Benekam)

Der Geburtstag des deutschen Komponisten und Dirigenten Wolfgang Sawallisch – heuer wäre er 96 Jahre alt geworden – ist der 2002 gegründeten und nach ihm benannten Stiftung alljährlich ein Geburtstagskonzert wert.


Das hat sich offenbar herumgesprochen. Auch, dass sein ehemaliges Wohnhaus nun ein stimmungsvoller Ort der Musik geworden ist, an dem in regelmäßigen Abständen hochkarätige Konzerte stattfinden. »Musikalische Geburtstagsgrüße« schickten also, bei ausverkauftem Haus, zwei Mitglieder der Münchner Philharmoniker: Albert Osterhammer (Klarinette und Bassklarinette) und Alexander Möck (Violine) sowie Lei Meng, Pianistin des Mozarteums Salzburg.

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Er habe ganz schön kramen müssen, verriet Albert Osterhammer eingangs, denn für diese Besetzung sei es nicht einfach, ein abendfüllendes Programm zusammenzustellen. So entstand ein exquisites kammermusikalisches »Geburtstagsständchen« mit selten gehörten Werken. Mit einer bezaubernden Serenade für Violine, Klarinette und Klavier von Waldemar von Baussnern war ein stimmungsvoller Anfang gemacht: 1898 komponiert, hat der deutsche Komponist ein viersätziges Werk von atemberaubender Klangschönheit hinterlassen: Von graziös und energievoll-schmissig bis hinreißend melodiös berührte die viersätzige Serenade in vollendet harmonischem Zusammenspiel des Trios.

Nicht weniger intensiv war im Anschluss der Hörgenuss der Violinsonate Nr. 1 A-Dur op. 13 von Gabriel Fauré. Dessen kammermusikalisches Erstlingswerk hat bereits zur Zeit seiner Entstehung Furore gemacht und wurde 1877 mit enormer Euphorie von Camille Saint-Saëns begrüßt: »Man findet in dieser Sonate alles, was verführen kann: Neuheit der Formen, Besonderheit der Modulationen, kuriose Klänge, einen gänzlich unvorhersehbaren Gebrauch der Rhythmen – und über all dem waltet ein Zauber, der das ganze Werk umhüllt«. Die Zuhörer im Sawallisch-Haus tauchten in die klangliche Sphäre impressionistischer Poesie mit musikalischem Tiefgang voll ein und spendeten kräftigen Applaus für die herausragende Interpretation.

Um in der »Reihe selten gehörter Kostbarkeiten« weiterzumachen, kam mit Jules Semler-Collerys Legende et Divertissement für Bassklarinette und Klavier das nächste Schmankerl zur Aufführung. Allein schon die imposante Bassklarinette aus nächster Nähe bespielt zu sehen, war ein Erlebnis. Ganz zu schweigen von Osterhammers ausdruckstarkem Spiel, seiner fast tänzerischen Bewegung am Instrument und dem sensiblen Austausch mit der Pianistin, die kongenial am Flügel agierte. Als wahres »Dreamteam« an Klarinette und Klavier gaben sich Osterhammer und Meng auch mit Malcom Arnolds 1951 geschriebener Sonatine. Das Stück ist mit drei sehr unterschiedlichen Sätzen – einem flotten Anfang, einem weicheren und langsameren zweiten Satz und einem furiosen dritten Satz eine echte virtuose Tour de Force.

Letzter Programmpunkt des Geburtstagskonzerts war die Suite op. 157b für Violine, Klarinette und Klavier von Darius Milhaud. Das viersätzige Werk, das ursprünglich als Bühnenmusik konzipiert war, pendelt zwischen lateinamerikanischen Rhythmen, Kaffeehausmusik und einem Thema im Stil eines französischen Chansons und kam mit diesem Variationsreichtum bestens an. Für die Gäste im Sawallisch-Haus hätte wohl, wie man am langanhaltenden Applaus merken konnte, noch lange nicht Schluss sein müssen. So gaben die drei Virtuosen noch zwei Sätze einer Schauspielmusik des Pariser Komponisten Francis Poulenc als Dreingabe.

Kirsten Benekam

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