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Kammermusikalische Kostbarkeiten

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Anton Barakhovsky (links) löste gemeinsam mit Stipendiatinnen der Akademie des Bayerischen Symphonieorchesters Begeisterungsstürme in Seeon aus. (Foto: Benekam)

Mit einem Kammerkonzert haben die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Akademie des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks die Gäste im ausverkauften Festsaal des Kultur- und Bildungszentrums Kloster Seeon begeistert – eine lieb gewonnene Gewohnheit, die den angehenden Spitzenmusikerinnen die Möglichkeit eröffnet, ihr Können vor Publikum zu zeigen: leidenschaftliche Musizierfreude gepaart mit außergewöhnlichem Talent.


Wahre Perlen klassischer Musik wurden von den Zuhörern im Festsaal mit allergrößter Begeisterung aufgenommen. Im ersten Konzertteil kam ein Quintett für zwei Violinen (Anne Solveig Weber und Jung-Eun Shin), zwei Violen (Paula Zarzo und Theresa Kling) und Violoncello (Vera Dickbauer) von Wolfgang Amadeus Mozart zu Gehör.

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Die Musikerinnen bewältigen Mozarts Werk mit Bravour

Im Frühjahr 1887 komponiert, zeigt Mozarts C-Dur Quintett eine geradezu überwältigende Fülle an Klangkombinationen. Zu Beginn treten erste Geige und Cello solistisch hervor, im Andante Violine I und Viola I. Mal antwortet das Bratschenpaar dem Geigenpaar, mal umgekehrt, mal treten Geigen und erste Bratsche zu einer Art »Oberchor« zusammen, denen die tiefen Stimmen als »Unterchor« antworten. All diese Varianten gehen so nahtlos ineinander über, eins fließt so scheinbar zwanglos ins andere, als habe sich Mozart den Quintettsatz nicht erst mühevoll erarbeiten müssen. Die jungen Musikerinnen bewältigten Mozarts Werk mit Bravour, zeigten sich in harmonischem Zusammenspiel hoch konzentriert und ohne jegliche Verkrampftheit.

Der zweite Konzertteil bestand aus einem musikalischen Andenken an einen äußerst inspirativen Italienaufenthalt Peter Tschaikowskys im Jahr 1890: Souvenir de Florence in d-Moll, op. 70. Die »Erinnerung an Florenz« ist das einzige Streichsextett des genialen russischen Komponisten. Ihm gelang es, in seinem kammermusikalischen Werk für zwei Violinen (Anton Barakhovsky und Julia Ungureanu), zwei Violen (Theresa Kling und Paula Zarzo) und zwei Violoncelli (Vera Dickbauer und Zoe Karlikow) sechs selbstständige und dabei gleichwertige Stimmen zusammenwirken zu lassen.

In den düsteren Klängen des Kopfsatzes – Allegro con spirito – spiegelt sich ebenso russische Melancholie wider wie romantische Erinnerungen an Italien. Die lichte Stimmung der folgenden drei Sätze – Adagio cantabile e con moto, Allegretto moderato, Allegro vivace – wirkt wie eine Hommage an den milden italienischen Winter, verfasst im heißen russischen Sommer.

Ähnliche Gefühle erzeugte dieses Werk bei den hingerissenen Konzertbesuchern im Seeoner Klostersaal: schwelgerisch-sentimentale Romantik im Wechselbad zu aufkommenden, manchmal fast explosiv-energisch klingenden Passagen, die den Zuhörer immer aufs Neue überraschten und wahre Begeisterungsstürme auslösten.

Musikalisches Feingefühl für den fantastischen Komponisten

Dass diese Musik auch noch über die Jahrhunderte ihrer Schöpfung hinaus in den Zuhörern derartige Gefühle auslösen kann, ist sicher zum einen diesem fantastischen Komponisten zuzuschreiben. Aber ohne das musikalische Feingefühl der Musikerinnen, denen es mit derartigem Talent gelang, das musikalische Erbe an nächste Generationen weiterzugeben, würde wohl dieses Kulturgut in Vergessenheit geraten.

Anton Barakhovski, Erster Konzertmeister des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, zeichnete verantwortlich für die Einstudierung der Werke und leistet seinen Anteil zum Erhalt dieser Kraft gebenden Musik. Besonderer Hochgenuss für die Gäste im Seeoner Saal war es, diesen Meister der Violine nicht nur zu hören, sondern ihm auch beim Musizieren zuzuschauen: Spannung bis in die letzte Faser seines Körpers, sein ganzer Ausdruck schien von den Melodien assimiliert und eingenommen. Mit lang anhaltendem Applaus bedankten sich die Konzertbesucher für das rundherum gelungene Konzert. Kirsten Benekam