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»Karfreitagsbilder« von Lenz Hamberger

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Jedes Jahr in der Karwoche setzte sich Lenz Hamberger mit dem Thema »Karfreitag auseinander und fertigte Arbeiten, bei denen das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz im Mittelpunkt steht. (Foto: G. Morgenroth)

Im Museum in Prien am Chiemsee ist noch bis einschließlich Sonntag eine Sonderausstellung mit Werken von Lenz Hamberger mit dem Titel »Karfreitagsbilder« zu sehen. Es sind Arbeiten jenes Künstlers, der 1940 in Prien geboren und seither dort lebt und arbeitet.


Hambergers ausgestellte Blätter zeichnen sich aus durch seine Treue zur Figürlichkeit und durch eine maßgebliche formale und technische Weiterentwicklung seines ureigensten Mediums, des Holzschnitts. Hambergers frühe künstlerische Prägungen sind sehr vielseitig. Er absolvierte von 1954 bis 1957 eine Lehre in der Buchdruckerei Vogler in Prien. In dieser Zeit entstanden erste Linolschnitte für Plakate und Nachschnitte von Holzbuchstaben.

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Der Priener Künstler zählt heute als künstlerischer Autodidakt zu den kreativsten Grafikern und herausragenden Vertretern des Holzschnitts der Künstlerlandschaft Chiemsee. Er ist dem experimentellen Holzschnitt über Jahrzehnte hinweg treu geblieben. Bereits im Jahr 1959 fand die erste Ausstellungsbeteiligung in Rosenheim und Prien statt. Ab dem Jahr 1965 folgten Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland, z. B. Österreich, Italien, Frankreich und Ungarn. Hambergers Arbeiten beeindrucken durch ihre Spontanität und Ausdrucksstärke. Motivisch erarbeitete er sich im Laufe der Jahre ein typisches Repertoire, das Ausdruck in zahlreichen Varianten findet. Alljährlich zu Karfreitag entstanden in den vergangenen Jahrzehnten Arbeiten, die sich spirituell mit dem Leiden und dem Tod Jesu auseinandersetzen. Diese Blätter zeigt der Priener erstmals der Öffentlichkeit: 35 Holzschnitte in Schwarz-Weiß, Farbholzschnitte, Holzschnitte in Kombination mit Monotypien oder Collagen, Mischtechniken wie auch Prägedrucke und Materialdrucke zum Thema Karfreitag.

Der Karfreitag, Althochdeutsch Kara, bedeutet »Klage«, »Kummer«, »Trauer« und ist der Überlieferung nach der Todestag Jesu, also die Kreuzigung Jesu. Dieser Thematik widmet sich Lenz Hamberger jedes Jahr aufs Neue. Seine präsentierten Blätter sind damit überwiegend mit dem christlichen Thema Leiden und Erlösung eng verknüpft und gehören zu einer Folge von Holzschnitten, die allesamt den Titel »Karfreitagsbilder« tragen. Spuren des Machens und Entstehens bleiben sichtbar: Hambergers Holzschnitte wirken wie impulsiv nachgeritzte Betonungen – vor allem die auffälligen Konturen sowie die senkrechten und waagrechten, eine Kreuzform bildenden Linien. Der Künstler spielt mit der räumlichen Zuordnung des Motivs, indem er einige Holzstöcke in unterschiedlicher Farbigkeit und Anordnung übereinander druckt, sodass ganz verschiedene Bilder entstehen – solche, die stärker vom Raumeindruck bestimmt sind, von der Struktur des Liniengeflechts und von der Einzelfigur.

Mit unterschiedlicher Dichte und Transparenz des Farbauftrags erzeugt der Künstler räumliche Tiefen. Im Zufügen, Weglassen und Verändern von Bildteilen entwickeln sich Bildstruktur, Bildraum und formales Gefüge. Durch den Einsatz von Farben wird das Motiv deutlich gewichtet. Aus geometrischen, parataktischen Kompositionen entstehen hypotaktische, inhaltsbetonte Darstellungen. Der Betrachter nimmt zunächst den Kontrast von Leere und dann wieder von gedrängter Fülle, von parallelen und divergierenden Richtungen wahr. Die Darstellungen in den gezeigten Arbeiten zeugen von großer Kühnheit, wie Hamberger die »christliche« Szene interpretiert.

Die sehenswerte Ausstellung ist noch bis einschließlich 17. April zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Gabriele Morgenroth