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Kartell-Verdacht gegen neun Kartoffel-Verarbeiter

Bonn (dpa) - Die Kartoffel in der Hand eines Kartells: Diesem Verdacht ist das Bundeskartellamt mit einer Durchsuchungsaktion nachgegangen. Der Schaden durch illegale Preisabsprachen bei Kartoffeln soll Medienberichten zufolge für die Verbraucher zwischen über 100 Millionen und einer Milliarde Euro liegen.

Kartoffeln
Infolge illegaler Preisabsprachen bei Kartoffeln soll deutschen Verbrauchern und Bauern nach Medien-Informationen ein Schaden von mehr als 100 Millionen Euro entstanden sein. Foto: Martin Schutt/Archiv Foto: dpa

Die «Süddeutsche Zeitung» nannte unter Berufung auf einen nicht genannten Branchen-Insider eine Summe von mehr als 100 Millionen Euro. Laut «Bild»-Zeitung summieren sich die illegal angehäuften Gewinne über zehn Jahre hinweg sogar auf rund eine Milliarde Euro.

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Eines der neun betroffenen Unternehmen kündigte am Samstag in Mönchengladbach für die kommende Woche eine Stellungnahme an. Vorher werde man sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Ein anderes Unternehmen in Niedersachsen wollte auf dpa-Anfrage zunächst keine Stellungnahme abgeben.

Ein Verband kleiner und mittlerer Bauern begrüßte am Samstag die Ermittlungen. Nicht nur die Verbraucher, sondern auch viele Landwirte seien durch Absprachen großer Kartoffelhandels-Unternehmen möglicherweise massiv geschädigt und betrogen worden, erklärte der niedersächsische Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Ottmar Ilchmann, am Samstag.

Niedersachsen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sprach von einem Skandal, sollte sich der Verdacht illegaler Absprachen bestätigen. «Nicht nur die Verbraucher wären durch überhöhte Preise erheblich geschädigt worden», sagte er am Samstag. «Auch einige Kartoffelbauern haben ihre Pflanzkartoffeln möglicherweise zu erhöhten Preisen bekommen und wären die Geschädigten.» Die Ermittlungen bestätigten den Kurs, kleine und mittlere Betriebe zu stärken, die Marktvielfalt zu fördern und die Transparenz zu erhöhen. «Es kann nicht sein, dass wenige große Spieler die Konditionen diktieren und die Landwirte und Verbraucher die Zeche zahlen.»

Niedersachsen ist in Deutschland Kartoffelland Nummer 1 vor Bayern und Nordrhein-Westfalen. Die Anbaufläche beträgt gut 100 000 Hektar, fast die Hälfte der deutschen Kartoffeln kommt aus Niedersachsen.

Laut «SZ» sollen 80 bis 90 Prozent der großen und größeren Verarbeitungsbetriebe in der Kartoffel- und Zwiebel-Branche regelmäßig die Preise abgesprochen haben, zu denen die Supermarkt-Ketten beliefert wurden. Die Gewinnmarge soll so rasant in die Höhe gestiegen sein und sich mitunter verzehnfacht haben, vor allem auf Kosten der Verbraucher.

Diese hätten in den Supermärkten weit mehr gezahlt haben als notwendig. Auch Pflanzkartoffeln für die Bauern sollen mit weit überhöhten Preisen verkauft worden sein.

Das Bundeskartellamt hatte am Freitag Ermittlungen wegen illegaler Preisabsprachen bestätigt. Neun Unternehmen aus dem Bereich Erzeugung und Vertrieb seien durchsucht worden. Außerdem seien gegen fünf weitere Unternehmen schriftlich Bußgeldverfahren eingeleitet und die Wohnung eines Verdächtigen überprüft worden, teilte das Amt in Bonn mit. Es handele sich aber um einen Anfangsverdacht und für die betroffenen Unternehmen gelte die Unschuldsvermutung.

Dem Bericht der «Bild»-Zeitung zufolge stammen fünf der verdächtigen Firmen aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern.

Das Kartell habe ganz einfach funktioniert, sagte ein Branchenkenner der «SZ». Es soll eine Art Anführer gegeben haben, der beispielsweise vor den Bestellungen der großen Discounter-Ketten die Kollegen angerufen und den Wochen-Preis ausgemacht habe. Die Angebote sollen sich dann nur um einen oder ein paar Cent unterschieden haben.

Der Geschäftsführer einer der durchsuchten Firmen wies die Vorwürfe zurück. «Wir haben kein schlechtes Gewissen, wir sind da relativ gelassen», sagte er der «SZ». Dass ein solches Kartell existiert habe, könne er sich nicht vorstellen.