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Kehlstein eröffnet Samstag – Winter hinterlässt ein verschüttetes Paradies

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Kehlstein-Eröffnung am heutigen Samstag – Spuren des Winters
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Der Weg zum Gipfel des Kehlsteins ist von den Schneemassen befreit. Dank der letzten Vorbereitungsarbeiten steht einem sicheren Kehlstein-Start am Samstag nichts mehr im Wege. (Fotos: Klein/privat)

Berchtesgaden – Zweimal ist die Kehlstein-Eröffnungsfahrt für geladene Gäste verschoben worden – vergangenen Donnerstag wurde sie schließlich ganz abgesagt. Grund dafür waren Steinschläge am Anfang der Woche, die den sicheren Betrieb unmöglich machten. Weitere Baumaßnahmen folgten.


Um sicherzugehen, dass die erforderlichen Standards für einen reibungslosen Saisonstart am Samstag gegeben sind, fuhren Thomas Zumbrunnen und Sepp Leitner vom Staatlichen Bauamt Traunstein am Freitagmorgen die Strecke ab. Der »Berchtesgadener Anzeiger« war dabei.

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Anfang dieser Woche lösten sich größere Steine aus einem Schneefeld – die Steinschlaggefahr war hoch. Die Stelle liegt noch unterhalb des ersten Tunnels. Ein Bagger steht mitten zwischen den Bäumen am Straßenrand, er schlichtet riesige Steine aufeinander. Gut zwei Drittel des Walls sind bereits in den letzten zwei Tagen errichtet worden, »hauptsächlich aus Blockschutt«, erklärt Zumbrunnen. »Es ist einfacher, vorhandene Materialien zu verwenden.«

Der Wallbau schreitet gut voran und wird noch am Freitagabend fertig gestellt werden, versichert ein Arbeiter.

Der Winter hat dem Kehlsteingebiet schwer zugesetzt. Die Straße ist inzwischen zwar völlig frei von Schnee, die Schäden sind aber nicht zu übersehen. Dieses Jahr sind besonders viele Lawinen abgegangen. »Auch an Stellen, wo sonst nie etwas runter kommt«, erklärt Thomas Zumbrunnen auf der Fahrt Richtung Buswendeplatte. Der Starkschneefall im Januar hat viele Steinschutzzäune und Schutzplanken beschädigt, sie mussten erneuert werden.

Viele Lawinenabgänge

Mit dem Dacia »Duster« des Bauamtes geht es weiter nach oben. Die Bäume am Straßenrand sind teilweise abgebrochen, die Äste sind sehr dünn und tragen kaum Nadeln. »Der Unterwuchs ist geschädigt, er hat den ganzen Winter gelitten«, bestätigt Sepp Leitner. Andere Bäume treiben erst jetzt aus, am Rand wachsen Schlüsselblumen.

Nach dem ersten Tunnel sind auch auf der Straße große Schäden erkennbar. Teilweise klaffen Löcher in der Asphaltdecke. »Das ist aber nicht besonders tragisch, das haben wir jedes Jahr«, versichert Zumbrunnen. Der Grund: Frostsprengungen. Im Frühjahr werden die Felswände beräumt, die herunterfallenden Steine beschädigen die Straße.

Stau auf 1500 Metern Höhe

Auf rund 1500 Metern Höhe muss Zumbrunnen das Auto anhalten: Stau. Ein Kleintransporter und ein Pick-up versperren die einspurige Fahrbahn. Hans Kogler, Betriebsleiter des Kehlsteins, kommt dazu. Sechs Bauarbeiter zerkleinern mit Motorsägen gefällte Bäume. Die Äste werden in den Wald unterhalb der Planken befördert. »Die faulen zusammen und kommen dem Boden zugute«, sagt Kogler. Die Arbeiter sind schnell, nach etwa zehn Minuten ist die Fahrbahn wieder frei. Es wird zusammengekehrt, dann geht es für die Männer an Seilen wieder in die Felsen. Die Arbeit geht weiter. Auch die Fahrzeuge setzten sich in Bewegung.

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Zum Vergleich: Vor einigen Wochen waren sogar die Tunnel eingeschneit.

Sepp Leitner erzählt, dass die Tunnel komplett eingeschneit waren. Am 4. März hätten sie begonnen, über einen Monat frästen und schaufelten die Männer – mit Unterbrechungen – den Schnee weg. Kogler erklärt, dass das Hauptproblem darin bestand, dass es im März zwar teilweise sehr warm war, sich die Schneefälle aber im April und Mai fortsetzten. »Dem Wetter ist man einfach ausgesetzt«, resümiert Zumbrunnen. Es geht weiter zur Wendeplatte.

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Die Sonne wird in der nächsten Zeit dafür sorgen, dass auch der letzte Schnee schmilzt.

Im Tunnel zum Lift ist es eisig kalt. 124 Meter geht es in dem mit goldenen Messingplatten verkleideten Lift nach oben. In der Küche wird bereits gekocht, es riecht bis auf die Terrasse nach Essen. Zumbrunnen und Leitner begutachten das Geländer, das zu Teilen erneuert werden musste. Danach verabschieden sie sich, sie haben einen Folgetermin. Am Abend wird ein Geologe die Strecke abfahren, er gibt sie anschließend offiziell frei.

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Da sich Anfang der Woche Steine lösten, musste kurzfristig ein Wall errichtet werden.

Der Weg von Haus zum Gipfel ist schneefrei, daneben liegt noch viel Weiß. »In den nächsten Wochen wollen wir den Wanderweg zum Kehlsteinhaus komplett befreien«, so Kogler. Auch im Zwischenbereich der Terrasse liegt der Schnee noch meterhoch. »Am Anfang konnten wir vom Dach eben rüber gehen, so viel lag da.« Mit der Hand haben Kogler und sein Team solange geschaufelt, bis die Fräse zum Einsatz kommen konnte.

Hans Kogler lehnt mit den Armen auf dem Holzgeländer, sein Blick geht Richtung Österreich. Es ist warm, wie im Frühling. »Wie ruhig es heute noch ist«, sagt er. Lena Klein

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Arbeiter zerkleinern Bäume auf der Straße.