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Kein Pay-TV-Exklusivrecht bei wichtigen Fußballspielen

Luxemburg (dpa) - Fußball-Fans in Europa haben ein Recht auf die Übertragung wichtiger Fußballspiele im Free-TV. Für die Dachverbände FIFA und UEFA gibt es hingegen keinen Anspruch auf eine ausschließliche Ausstrahlung von Spitzenpartien im Bezahlfernsehen.

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Wichtige Fußballspiele dürfen nicht nur exklusiv im Pay-TV gezeigt werden. Foto: Rolf Vennenbernd Foto: dpa

Das hat der Europäische Gerichtshof in Luxemburg entschieden (C-201/11 P, C-204/11 P, C-205/11 P). Damit bestätigten die obersten europäischen Richter die Entscheidungen Belgiens und Großbritanniens: Die beiden Länder hatten festgelegt, dass wichtige Spiele dort nicht nur im Bezahlfernsehen laufen dürfen.

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Für den deutschen Zuschauer wird sich durch dieses Urteil hingegen nichts ändern. Bereits der Rundfunkstaatsvertrag regelt, dass bestimmte Großereignisse «von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung» nur dann im Pay TV ausgestrahlt werden dürfen, wenn sie zugleich in einem Free-TV-Programm zu sehen sind. Diese Regelung wird durch das Urteil bestätigt.

Die Free-TV-Rechte an den Spielen der kommenden Fußball-Weltmeisterschaften 2014 und 2018 sowie der EM 2016 liegen in Deutschland bei ARD und ZDF. Die Rechte an den Qualifikationsspielen der Nationalmannschaft zur EM 2016 und WM 2018 hatte sich in der Vorwoche erstmals RTL gesichert. WM-Spiele waren zuletzt auch live beim Pay-TV-Sender Sky zu sehen. In der Bundesliga überträgt Sky alle Spiele live. ARD und ZDF zeigen Spielberichte in der Zweitverwertung.

In Belgien ging es um alle Endrunden-Spiele der Weltmeisterschaft, bei Großbritannien zusätzlich auch um die Endrunde der Fußball-Europameisterschaft. Der Gerichtshof bestätigte, dass diese Partien Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung sein können. Für solche Ereignisse können die EU-Staaten einen Bann gegen eine exklusive Übertragung im Pay-TV verhängen. Neben wichtigen Fußballpartien können dies zum Beispiel Olympische Spiele sein.

FIFA und UEFA hatten sich gegen die Einstufung in diese Kategorie gewehrt. Für sie sind Sendungen im Bezahlfernsehen eine wichtige Einnahmequelle. Für die Fernsehrechte an den großen Turnieren wie EM oder WM können zukünftig voraussichtlich nicht mehr so hohe Einnahmen erzielt werden. Dementsprechend enttäuscht reagierten FIFA und UEFA auch auf ihre Niederlage vor Gericht. Der Weltverband nannte das Urteil eine «Verzerrung des Marktes, die einen negativen Einfluss auf die WM-Einnahmen haben könnte. Der Richterspruch würde «den Markt verfälschen und die Aussichten auf zusätzliche Finanzspritzen für den Amateurbereich und Frauen-Fußball reduzieren», teilte die Europäische Fußball-Union (UEFA) in einer Stellungnahme vom Donnerstag mit.

«Auf die Vermarkter kommen harte Zeiten zu», sagte der Medienrechtler Olaf Wolters. «Es ist ein Präzedenzfall geschaffen, der nicht nur Großbritannien und Belgien betrifft. Darauf schauen jetzt auch alle Nachbarländer.»

Die beiden Fußballverbände waren Anfang 2011 bereits vor dem EU-Gericht gescheitert. Der Europäische Gerichtshof korrigierte das Gericht zwar teilweise und stellte fest, dass die Staaten ihre Entscheidung gegen eine Exklusivausstrahlung im Bezahlfernsehen gegenüber der EU-Kommission besser begründen müssen - dort reichen sie die Listen ein. An der Grundsatzentscheidung ändere dies aber nichts. Gegen das Urteil des Europäischen Gerichtshofs sind keine Rechtsmittel mehr möglich.

Mitteilung des EuGH

Dokumente des EuGH zu den Fällen