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Kein Rennen, aber dafür eine abenteuerliche Heimreise

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Tina Lutz (links) und Susann Beucke waren auf Mallorca nicht im Einsatz. Das Qualifikationsrennen der Seglerinnen für Tokio wurde abgesagt. Danach begann für die beiden eine abenteuerliche Heimreise. (Foto: Kaiser Schäfer Fotoworks)

Seit dreieinhalb Jahren verfolgen die Seglerinnen Tina Lutz aus Holzhausen bei Bergen und Susann Beucke ihren Traum von Olympia. Nun wollten sie bei der letzten Ausscheidungsregatta vor Palma auf Mallorca das Ticket für Tokio lösen. In der nationalen Qualifikation führen die beiden in der 49erfx-Klasse mit zwölf Punkten Vorsprung auf die Konkurrenz. Nun hat sich für Lutz/Beucke durch den Ausbruch des Coronavirus alles gedreht. Die Ausscheidung wurde abgesagt und die Olympischen Spiele im Sommer stehen auf der Kippe.


Für Tina Lutz und Susann Beucke hieß es nach der Absage der »Trofeo Princesa Sofia« zunächst weg von der spanischen Insel und schnellstmöglich ab nach Hause. Das haben die beiden mittlerweile geschafft. Tina Lutz ist aktuell in Innsbruck in der Wohnung ihres Lebensgefährten und hat sich freiwillig in häusliche Quarantäne begeben.

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»Dieser persönliche Zwangsurlaub hat auch seine Vorteile«, sagt die 29 Jahre alte Sportlerin vom Chiemsee Yachtclub am Telefon. »Ich habe quasi ein Sport-Homeoffice und Zeit für viele andere Sachen wie Wohnung putzen oder die Steuererklärung machen.« Ob es zu einem Start bei Olympia kommen wird, darüber will die Seglerin nicht spekulieren. »Die Zeit wird es zeigen. Zunächst ist es mal wichtig, dass wir zuhause sind und hoffentlich gesund bleiben.«

Schließlich war die Heimreise für die beiden Sportlerinnen relativ abenteuerlich. Vergangene Woche erreichte sie die Nachricht, dass Spanien seine Grenzen schließen und das öffentliche Leben massiv einschränken werde. »Für uns hieß das von heute auf morgen: Nichts wie weg und schnell nach Hause.«

Allerdings war das Unterfangen mehr als schwierig. Nach zwei Tagen ergatterten sie einen Platz auf einer der Fähren zum Festland. Nachdem sich der »Club Nautic El Arenal« für die Teams eingesetzt hatte, gab es schließlich die begehrten Plätze.

Letztendlich landeten sie nach der Fahrt auf der Fähre in Barcelona – und die Metropole glich einer Geisterstadt. Von der katalonischen Hauptstadt ging es mit dem Auto über Frankreich in die Schweiz. »Zunächst sind wir überall locker durchgekommen, die Behörden waren sehr freundlich.«

Erst in der Schweiz waren die Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie wieder deutlich zu spüren. In einer Raststätte war jeder zweite Sitzplatz mit einem Sperrvermerk versehen, damit sollte der Abstand von zwei Metern zum Sitznachbarn gewährleistet werden. Letztendlich erreichten Tina Lutz und Susann Beucke ihre Heimat und begaben sich in häusliche Quarantäne.

Wie es jetzt genau weitergehen wird, ist unklar. »Die Zeit wird es zeigen. Die Quali ist ja noch nicht beendet und wenn es die Umstände zulassen, wird sie auch noch stattfinden«, so Lutz. Der Termin wäre einen Monat vor dem Beginn der Olympischen Spiele. »Das würde vor allem logistisch einen enormen Aufwand bedeuten. Eine ordentliche Vorbereitung für die Spiele ist das nicht. Es wäre gut, wenn unser Verband den Druck einer Qualifikation von uns nehmen würde«, fordert die Sportlerin.

Das Duo Lutz/Beucke ist seit Anfang des Jahres auch nicht gerade vom Glück verfolgt. Silvester hatte sich Susann Beucke im Training den Fuß gebrochen. Tina Lutz musste bei der WM in Australien mit einer Ersatzfrau antreten. Nun ist die 28-jährige Beucke wieder fit und wäre voller Tatendrang gewesen.

»Eines ist auch klar gewesen«, betont die Vorschoterin auf der Facebookseite der Seglerinnen: »Die Aktiven wirkten bei der Absage ernsthaft und gefasst, weil es dafür einen wirklich triftigen Grund gibt.« Und auch Tina Lutz sieht es ganz ähnlich: »Ich bin sehr froh, dass ich jetzt zuhause bin, statt möglicherweise Monate auf Mallorca bleiben zu müssen.« SHu