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Kein Sieger im Instrumentenwettstreit

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Eine schmackhafte Verknüpfung: Chenny Gan (von links), Klara Miller-Führen und Barbara Pöschl-Edrich erfreuten im Isinger Saal mit Musik und Erzählkunst. (Foto: Benekam)

Sekt, oder Selters? Piano oder Harfe? Was klingt besser, bietet das größere, variationsreichere Klangspektrum und welches der beiden Instrumente gewinnt den Wettstreit in puncto optischer Schönheit? »Pianistinnen und Harfenistinnen sind für gegenseitige Sticheleien bekannt«, scherzte Klara Miller-Führen, die sich strategisch günstig genau zwischen den beiden Instrumenten auf der Bühne des Isinger Saals beim Verein KulturGut Ising positioniert hatte.


In dem kurzweiligen Bühnenprogramm »HarPianoStories« beleuchtete die Erzählkünstlerin Klara Miller-Führen, zusammen mit den beiden Musikerinnen Dr. Chenny Gan am Klavier und Dr. Barbara Pöschl-Edrich an der Harfe, Freud und Leid, Vor- und Nachteile dieser beiden beliebten Instrumente. In sagenhaft-mystischen Erzählungen, mit dazu passender musikalischer Kostprobe, überließen die drei Damen dem Publikum die Wahl – so diese überhaupt vonnöten ist.

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Denn, wie sich im Verlauf der »märchenhaften« Sonntagsmatinee herausstellte, erübrigt sich jeglicher Vergleich. Nicht Piano ODER Harfe, sondern Piano UND Harfe, und zwar im Duett, landeten letztlich auf dem Siegertreppchen. Wieso denn auch gegeneinander, wo doch ein Miteinander so viel klangschöner sein kann? Für Klavier und Harfe bearbeitete Werke wie »Premiere Arabesque« von Claude Debussy, »Evening Bell« von Felix Mendelssohn oder »Ciclo plateresco« von Joaquin Turina kamen bei den Konzertbesuchern ebenso gut an wie die solistischen Werke an den beiden Instrumenten.

Um Harmonie und Stimmigkeit ging es auch in einer Erzählung von einem König, der sein Volk mit seinem Spiel auf einem hoffnungslos verstimmten Klavier malträtierte. Die Idee des Volkes, dieses Klavier heimlich gegen ein wohlklingendes auszutauschen, erwies sich als Flop. Zur »inneren« Verstimmtheit des Königs passten die dissonanten Klänge. Ein kluger »Klavierstimmer« erkannte das eigentliche Problem und wusste Rat: Taste für Taste stimmte er Tag für Tag das Klavier, sodass der König sich langsam an Harmonien gewöhnen konnte, und sich seine innere Verstimmtheit immer mehr in wohlklingende Melodien wandelte, mit denen er sein Volk bis an sein Lebensende erfreute. Eine schöne Metapher, von Miller-Führen mit charmantem Augenzwinkern erzählt, zu der eine Klaviersonate (Gan) von Mozart trefflich passte.

Licht ins Dunkel der Welt brachte in der folgenden japanischen Sage die Erfindung der Harfe. Ihre herrlichen Klänge, von einer Nymphe gespielt, lockte die Sonnengöttin hervor, deren erstrahlende Helligkeit das Leben und Lieben auf der Erde möglich machte. Eine »sagenhafte« Variante zur Schöpfungsgeschichte, zu der Pöschl-Edrich mit »Chanson de Mai« von Alphonse Hasselmans auf ihrer Harfe einen perfekten Nachhall kredenzte.

Für die großartige, fesselnde Erzählkunst in authentisch darstellerischem Ausdruck von Klara Miller-Führen und die musikalischen Genusshappen in höchster Virtuosität bedankte sich das Publikum im Isinger Saal mit einem kräftigen Applaus. Kirsten Benekam