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»Du & Ich« feiert zehnjähriges Jubiläum mit »Reise ins Glück?«

Keine angenehme Unterhaltung

Wieder einmal hat das Theaterensemble »Du & Ich« ein spannendes Thema auf die Bühne der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS gebracht, ein Thema, das unter die Haut ging. Mit dem Stück »Reise ins Glück?«, in dem die Geschichte einer Familie aus Syrien erzählt wird, die in Deutschland um Asyl bittet, haben der Autor und Regisseur Michael Felsenstein und seine Darsteller ein ganz brisantes Thema aufgegriffen, das uns alle angeht.

Dem Schauspiel-Ensemble, das aus Menschen mit und ohne Behinderung besteht, gelang gleich zu Beginn eine eindrucksvolle Szene, in der man die Flüchtlinge in einem dunklen Container sitzen sah, der zufällig in einem Waldstück gefunden wurde und in dem die Menschen wohl erstickt wären, hätte die Polizei ihn nicht geöffnet. Dann folgte das übliche Prozedere, dem diese Menschen nicht entkommen können, wenn sie, wo auch immer, ihren Antrag auf Asyl stellen müssen. Die Not und die Ängste dieser Menschen hat diese wunderbare Theatergemeinschaft unglaublich präzise auf den Punkt gespielt. Auch wenn manchmal textliche Unterstützung gebraucht wurde, konnten die Akteure die nötigen Emotionen sofort abrufen.

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Als sich im Stadtpark ein Überfall ereignet und dabei eine Frau ausgeraubt und schwer verletzt wird, fällt der Verdacht auf den Sohn der syrischen Familie. Der hat jedoch die Frau gerettet, indem er die Täter vertrieben hat, und das Missverständnis klärt sich alsbald auf. Der Ehemann der Geretteten, der Pfarrer und mit ihnen die Menschen dieser Stadt setzen sich für die Flüchtlinge ein, als diese abgeschoben werden sollen. In den vielen kleinen Umbaupausen während des Stückes, die den Szenenwechseln der verschiedenen Örtlichkeiten geschuldet waren, konnte man den vorangegangenen Szenen nachschmecken, und die waren schon oft recht bitter. Aber es gab natürlich auch immer wieder etwas zu lachen, denn für Situationskomik sind der Regisseur und seine Darsteller schon auch zu haben.

Das Ende des Stücks lässt die Frage offen, ob das denn auch wirklich eine Reise ins Glück für die Menschen aus Syrien werden wird. Ein Text von Wolfgang Borchert mit dem Titel »Versuch es!«, den Michael Felsenstein vertont hat und der von Melanie Opitz anrührend und kämpferisch gesungen wurde, machte einem Mut, sich einzusetzen und dagegen zu sein, wenn die Unmenschlichkeit sich wieder einmal behaupten möchte. Karl-Heinz Basalyk hatte in seiner Eingangsrede so schön provokativ »Ich wünsche ihnen keine angenehme Unterhaltung« gesagt und dem Publikum gewünscht, dass es sich in manchen Szenen vielleicht selbst erkennt oder entdeckt. Und weiter hoffte Basalyk, dass sich dem Publikum auf der gemeinsamen Reise ins Glück eine neue Sichtweise erschließt. Diese Kraft hat das Stück.

Am heutigen Mittwoch, morgen Donnerstag und übermorgen Freitag sowie am 16. und 17. Juli wird das Stück jeweils um 19 Uhr aufgeführt. Am 13. und 20. Juli beginnen die Vorstellungen jeweils um 17 Uhr. Barbara Heigl