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Keine Angst vor der Liebe

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Franziska Wanninger bekämpfte im Trostberger Postsaal ihre Angst vor der Liebe. (Foto: Heel)

Der Mensch von heute hat viele Ängste und Sorgen. Vor allem deswegen, weil es ihm so gut geht. Denn damit, so befürchtet er, könnte es früher oder später ein Ende haben. Und das vergeigt ihm das Glück. Das behauptet jedenfalls die Münchner Kabarettistin Franziska Wanninger in »Furchtlos glücklich«, ihrem mittlerweile dritten Soloprogramm, mit dem sie jetzt im ausverkauften Gewölbe des Trostberger Postsaals zu Gast war.


Schauplatz ist ein Anti-Angst-Seminar, das die Kabarettistin auf Anraten ihrer kroatischen Putzfrau, liebevoll »Lady Gaga« genannt, nach einer Wurzelbehandlung belegt hat. Allerdings nicht aus Angst vor Schmerzen, sondern aus Angst vor der Liebe. Denn sie traut sich einfach nicht, dem Andi, also ihrem Zahnarzt, ihre Gefühle für ihn zu offenbaren. Ob es hilft, dass der Andi ebenfalls an dem Seminar teilnimmt?

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Sichtbar wird er jedenfalls nicht, dafür aber andere Teilnehmer, denen Wanninger mit Bravour Gesicht und Stimme verleiht. Mal ist es Flugangst, mal Platzangst, mal die Angst vorm Klassentreffen, die die Teilnehmer umtreibt und daran hindert, glücklich zu sein. Und wer kennt sie nicht, die Angst, den Ofen zu Hause nicht ausgeschaltet zu haben? Nur wie kann man jemandem helfen, der gleichzeitig zugibt, dass er den Ofen noch nie benutzt hat? Dazwischen schlüpft die Kabarettistin in die Rolle ihrer nassforschen Putzfrau, erzählt angeregt von den Helden ihrer Kindheit oder singt Lieder über die Liebe, wobei sich »Amore« schon mal auf »Tumore« reimt.

Zugute kommt ihr dabei ihr enormes schauspielerisches Talent, gepaart mit einem sicheren Gespür für Dialekte und Sprachfärbungen. Das bringt sie mit viel Humor und Charme rüber, sodass zwei Stunden gute Laune garantiert waren. Gelernt hat die 1982 in Simbach am Inn geborene Kabarettistin das Schauspielhandwerk in Amerika, wohin sie nach ihrem Lehramtsstudium für einige Jahre gezogen war. Dort entdeckte sie auch ihr Talent zum Schreiben und brachte 2011 mit »Just & Margit«, einer urkomischen Satire auf das Beziehungsleben, ihr erstes Programm auf die Bühne.

Apropos Beziehung: Wie die Sache mit dem Andi ausgeht, lässt sie an diesem Abend offen. Aber dem Publikum hat sie etwas Wichtiges mit nach Hause gegeben: Keine Angst vor der Liebe zu haben ist der sicherste Weg zum Glück.

Als Zugabe spielt sie eine ausgefuchste Wiesn-Bedienung, die genau weiß, wie sie ihre Gäste von ausgefallenen Wünschen abbringen kann, und gibt noch einige Anekdoten von ihren Auftritten in der Provinz zum Besten. Wolfgang Schweiger