weather-image
13°

Keine »Berge« in Petting

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Der Beachvolleyballplatz muss wahrscheinlich nach Osten gerückt werden. Über der ungenutzten Sprunggrube (links) soll die neue Kinderkrippe entstehen. (Foto: Höfer)

Petting – »Ein öffentliches Gebäude darf, ja soll sich abheben«, so die Architekten Nikolaus Magg und Oliver Wortmeyer in der Juni-Sitzung des Gemeinderats. Doch mit ihrem Entwurf einer »Bergsilhouette« stießen sie auf Ablehnung. In seiner jüngsten Sitzung entschied sich der Gemeinderat nun für ein zweigeschoßiges Gebäude mit »normalem« Satteldach.


Einig war sich das Gremium stets, eine dreigruppige Krippe zu bauen, um für künftige Anforderungen gerüstet zu sein. Im ursprünglichen Entwurf der Architekten sollten alle drei Gruppen ebenerdig untergebracht werden, was allgemein gelobt wurde. Nur ein Teil des Gebäudes sollte einen Bewegungsraum im Obergeschoß bekommen. Magg hatte nun diese Version 1 mit einer komplett zweigeschoßigen Variante 2 verglichen.

Anzeige

So kostet ein Satteldach rund 318 000 Euro, die dreigliedrige Bergsilhouette schlüge mit 332 000 Euro zu Buche. Die Grundfläche von V2 ist um etwa 150 Quadratmeter kleiner. Die Nutzfläche ist mit 583 und 608 Quadratmeter annähernd gleich; der umbaute Raum mit 3600 Kubikmetern ist bei zwei Vollgeschoßen größer als die 3100 Kubikmeter der Berg-Variante.

Die voraussichtlichen Kosten taxierte Magg auf 1,6 Millionen Euro für V1 und auf 1,45 Millionen für V2, jeweils ohne Ausstattung und Gartengestaltung. »Der Nachteil: Eine Gruppe muss ins Obergeschoß«, machte er deutlich. Ein Aufzug wäre bei beiden Varianten nötig. Energetisch sah Magg keinen Unterschied.

»Flächen sparen«, warb Andreas Breitenlohner (Freie Wählergruppe) »für die zweigeschoßige Version.« Immerhin spare man dabei 150 000 Euro, schloss sich Ludwig Prechtl (FWG) an. Und: »Mia gfoids gscheid guad.« Gegen eine Gruppe im Obergeschoß war Lisa Wolfgruber (Grüne Liste). »Türen auf und raus ins Freie«, bedeute für sie »große Qualität«. Und es gebe eine solche Regierungsempfehlung, nicht zuletzt mit Blick auf den Brandfall.

»Erstmal brauchen wir nur zwei Gruppenräume«, so Prechtl, der dritte Raum sei derzeit »Luxus«. Er erwarte bei der Bergsilhouette zudem höhere Unterhaltskosten. »Hin und hergerissen«, war Philipp Strohmeyer (CSU), »einerseits bin ich ein Erdgeschoßfan, andererseits kommt für mich dieses Dach nicht in Frage.« Die gesparten Kosten könne man in die Ausstattung stecken.

Franz-Martin Abfalter (CSU) erinnerte, dass zunächst sogar das Kindergartenpersonal für zwei Geschoße war. Auf Regina Schnappingers (GL) Frage nach dessen Einbeziehung sagte Bürgermeister Karl Lanzinger (CSU), »Einbezogen wäre übertrieben«. Kindergartenleiterin Stefanie Dietrich erklärte: »Mit einem Obergeschoß haben wir kein Problem.« Sie würde oben die Größeren unterbringen, die Kleinen unten. Lanzinger kündigte an, Details mit Eltern und Personal zu besprechen. Thomas Stippel (FWG) begrüßte, dass man nun auch über der Erdgeschoß-Loggia eine »Riesenfläche« im Obergeschoß zur Verfügung habe, während Lisa Wolfgruber befürchtet, die Kinder würden dann weniger raus gehen. »Das liegt an den Erzieherinnen«, meinte Dietrich dazu, »wir gehen gerne raus.«

»Ich war skeptisch«, gestand Lydia Zehentner (CSU), »aber die Einteilung überzeugt mich.« Das Ganze freilich nur mit Aufzug. »Ich dachte nicht, dass man mich heute überzeugt«, sagte Schnappinger. »Im Sinne der Angestellten«, aber schloss sie sich Version 2 an. Nicht mehr vorgesehen sind auch die großen Schwenktüren, die eine flexiblere Raumnutzung hätten ermöglichen sollen.

Im Sommer braucht es eine aktive Nachtabkühlung, im Winter eine Wärmerückgewinnung mitsamt einer Luftbefeuchtung. »Kann man das nicht anders lösen?«, zeigte sich Bernhard Leitenbacher (FWG) skeptisch gegenüber technischen Lösungen. Magg dazu: »In Zeiten von Corona wird das Thema Lüftung sogar noch stärker diskutiert.« Häufiges Fensteröffnen bedeute jedenfalls einen hohen Energieverbrauch.

Noch nicht festgelegt ist der Dachüberstand. Während Magg 30 bis 40 Zentimeter für ausreichend erachtete, auch um eine einheitliche Verwitterung der unbehandelten Lärchenschalung zu erreichen, mochte sich Abfalter eher an der Schule orientieren, um keine »Musterhaus-Ausstellung« zu schaffen.

Martin Häusl (CSU) verwies dagegen auf das Pfarrheim gegenüber, das ebenfalls kaum Dachüberstand aufweise. »Fast a bissl Recht geben«, musste auch Prechtl dem Planer. Der Vizebürgermeister, im Hauptberuf Schreiner, schlug unbehandelte Lärchenfenster vor. Er drängte auf eine Entscheidung, »damit's weitergeht.« Die »Feinheiten« werde man später klären. Für Version 2 mit zwei Geschoßen und drei Gruppen stimmten neben Lanzinger 13 Gemeinderäte; nur Lisa Wolfgruber sagte nein. höf