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Keine Einwände gegen Bohrungen für Tiefen-Geothermie-Kraftwerk Rupertiwinkel

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In der Gemeinde Sauerlach südlich von München wird bereits Geothermie für Nutzwärme und Strom genutzt.

Kirchanschöring – Aus dem gleichen Grund, weshalb man beim Hausbau erst zum Bauamt oder zum Nachbarn geht, geht man mit konkreten Plänen für eine Tiefen-Geothermie-Anlage erst dann an die Öffentlichkeit, wenn sie vollständig sind. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats befasste sich das Gremium mit diesem Antrag auf Zulassung des bergrechtlichen Hauptbetriebsplans, den der Gemeinderat zur Kenntnis nahm.


Es ging dabei konkret um das Herrichten des Sammelbohrplatzes und das Durchführen der Geothermie-Bohrung. Antragstellerin ist die Geothermie Rupertiwinkel GmbH. Darin wurde auch festgehalten, dass sämtliches Oberflächenwasser vor Ort zu versickern hat. Die Flurbereinigungsleitungen auf dem Grundstück stünden dafür nicht zur Verfügung. Ein entsprechender Alternativvorschlag zum Ausführen im Hauptbetriebsplan liege bereits vor.

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»Die Gemeinde weist jedoch nochmals darauf hin, dass die Belange der Bevölkerung vor Ort besonderes berücksichtigt und geschützt werden müssen, was vor allem den Immissionsschutz betrifft«, betonte Bürgermeister Birner, ehe der entsprechend formulierte Beschluss gefallen ist.

In seinem Antwortschreiben stellte das Unternehmen klar, dass die über die Luftkühler abgegebene Wärme keine ungenutzte Abwärme ist. Die Geothermie Rupertiwinkel GmbH werde umweltfreundliche Wärme sowohl für Heizzwecke als auch für sonstige Nutzungen bereitstellen. Mit der Gemeinde Kirchanschöring bestehe diesbezüglich bereits ein Kooperationsvertrag.

»Auch im Umkreis haben Kommunen ihr Interesse an einer Abnahme von Wärme bekundet. Um Thermalwasserwärme und Restwärme der Geothermie-Projekte im Rupertiwinkel und den benachbarten Landkreisen generell optimal zu erschließen, werden die Wärmeprojekte in der Region seit vergangenem Jahr in einem dreistufigen Zuständigkeitskreis koordiniert, um Parallelinvestitionen zu vermeiden und die Wärmeenergie optimal einsetzen und nutzen zu können.«

Wie dem Antwortschreiben weiter zu entnehmen ist, verstärkt der überregionale Arbeitskreis seit Anfang des Jahres seine koordinierende Tätigkeit. »Ziel ist es, Projektbetreiber mit den potenziellen Wärmequellen und mögliche Wärmesenken (Wärmeabnahmekunden, also Städte und Gemeinden sowie Gewerbe und Industrie) zu koordinieren. Dabei werden die möglichen Wärmequellen aus Geothermie- Projekten und mögliche Abnehmer untersucht, um neben der Stromwende, die auf der Energieagenda steht, auch die Wärmewende in der Region Oberbayern/Österreich gezielt und koordiniert vorantreiben zu können.« Emissionen würden nicht an den Grenzen haltmachen, deswegen sei auch in der Wärmewende eine region- und länderübergreifende Energiepolitik notwendig, um die Ressourcen klimaneutraler Strom- und Wärmeenergie bestmöglich einzusetzen.

Zudem erkundigte sich die Gemeinde, ob Untersuchungen zur Auswirkung auf die Umwelt und die Tierwelt vorgenommen worden sind.

Laut Schreiben wurden als Teil der Projektentwicklung umfangreiche Umweltuntersuchungen des Standorts durchgeführt. Neben einer Umweltverträglichkeitsvorprüfung und einer landschaftsökologischen Begutachtung sind in einer speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung die Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt genau unter die Lupe genommen worden. Als Ausgleichsmaßnahmen sind zum Beispiel eine besonders insektenfreundliche Art der Beleuchtung, Schutzzäune für Reptilien oder das Anlegen von ökologischen Ausgleichsflächen für versiegelten Boden am Standort vorgesehen.

Die Gemeinde Kirchanschöring wollte auch wissen, wie das Wiedereinbringen des Thermalwassers in den Untergrund funktioniert. Das Thermalwasser wird in einem geschlossenen Kreislauf von den Förderbrunnen über die Wärmetauscher in die Injektionsbrunnen geleitet. Dadurch wird alles Wasser, das auf der einen Seite entnommen wird, auf der anderen Seite zurück in die gleiche geologische Formation des Malms geleitet.

Die insgesamt entnommene Wassermenge ist dadurch gleich Null. Der natürliche, ungestörte Wasserspiegel in den Brunnen liegt etwa 150 Meter unter der Erdoberfläche. Dadurch fließt Wasser, das von oben in einen der Brunnen eingeleitet wird, von selbst in das Thermalwasserreservoir zurück. Eine Injektionspumpe ist nur sinnvoll oder nötig, falls die Förderbrunnen deutlich leistungsfähiger sind als die Injektionsbrunnen.

Unter anderem holte Kirchanschöring noch Erkundigungen ein zum Thema »Kurzschließen von Grundwasserstockwerken«. Dazu erklärt das Unternehmen: Das Design der Geothermie-Bohrungen erfüllt das Ziel, die unterschiedlichen Grundwasserhorizonte voneinander zu trennen. Es ist von erfahrenen Bohringenieuren nach den Vorgaben der in Deutschland verwendeten Richtlinien erstellt worden und wird von den Bergbehörden sowie von den Wasser- und Umweltbehörden geprüft.

Standrohr schon vor Beginn der Tiefbohrung

Bereits vor Beginn der Tiefbohrung wird ein sogenanntes Standrohr von der Oberfläche bis in den Grundwasserstauer – ein gering durchlässiger Boden oder Gesteinskörper, der als hydraulisch wirksame, untere Begrenzung des Grundwasserkörpers angesehen werden kann (Anm. der Redaktion) – eingebracht und einzementiert. Dadurch werden die oberflächennahen Grundwasserhorizonte schon vor Eintreffen der großen Bohranlage ausgesperrt.

Die Tiefbohrung erfolgt nun durch das Standrohr in mehreren Sektionen. Dadurch wird verhindert, dass Wasser zwischen den verschiedenen Bereichen zirkuliert. Alle Bohrspülungen oder Zemente müssen der höchsten Grundwasserschutzklasse 1 entsprechen. ca